Wärmenetz Burglengenfeld: Ist das Zementwerk als Energielieferant aus dem Rennen?

Von Thomas Rieke · 26. Januar 2026 um 19:00

Bei der Energiewende steht auch Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) gehörig unter Druck. Die Gretchenfrage: Wie gelingt es, bis 2045 klimaneutral zu werden? Eine Schlüsselfunktion schien bisher stets dem Zementwerk zuzukommen. Durch die Abwärme, die bei der Klinkerproduktion entsteht, könnte theoretisch die ganze Stadt mit Heizenergie versorgt werden. Doch nun wurde bekannt, dass die Stadt offenbar weitgehend unabhängig von dem Industriebetrieb bleiben möchte.

Video ansehen

Durchgedrungen ist dies kürzlich bei einem Termin im Zementwerk, den Hans Glatzl arrangiert hatte. Das Thema Klimaschutz treibt den langjährigen Stadtrat des Bürgerforums (BFB) besonders um. Die Art und Weise, wie seine Heimatstadt nach praktikablen Zukunftslösungen sucht, verfolgt Glatzl mit Argusaugen und durchaus kritisch. Zu viel wird aus seiner Sicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Arbeitskreisen debattiert, zu zögerlich werden Entscheidungen getroffen. Noch ärger: Manch Chance werde schlicht vertan.

Daher versuchte Glatzl nun, einen Impuls zu setzen. Bei einem Besuch des Zementwerks sollte auf den Punkt gebracht werden, welches Ziele der Konzern selbst verfolgt, um seine Ökobilanz zu verbessern, welches Potenzial der Betrieb als Wärmelieferant bietet – und welche Unterstützung es von höherer Stelle für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur geben könnte.

Der Landtagsabgeordnete Martin Scharf und Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt (beide FW) sollten dabei für Auskünfte zur Verfügung stehen, ja gegebenenfalls sogar als Brückenbauer dienen. Das Ergebnis des Termins wollte Glatzl in den Stadtrat einbringen.

Überraschende Botschaft vor Arbeitskreis-Sitzung

Doch während des Termins wurden Neuigkeiten bekannt, mit denen so nicht zu rechnen gewesen war. Zwar bestätigte Werkleiter Bernhard Reindl im Großen und Ganzen, dass sein Betrieb jede Menge Wärme zur Verfügung stellen könnte. An vier verschiedenen Punkten wäre die Auskopplung möglich. Doch gleichzeitig wusste Reindl zu berichten, dass das Interesse der Stadt an einer Belieferung in größerem Stil offenbar erloschen ist. Im Vorfeld einer Sitzung des Arbeitskreises Klimaschutz sei dies kurzfristig mitgeteilt worden, sagte Reindl. Auch ihn habe diese Information überrascht.

Auch das könnte Sie interessieren: Steinbruch-Erweiterung Burglengenfeld: Finaler Austausch aller Argumente naht

Staatssekretär Gotthardt zeigte sich verwundert und gab zu verstehen, dass er, wenn dem so sei, keine Motivation verspüre, sich einzumischen. Er sei nicht dafür zuständig, die Kommune davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee wäre, bezüglich der Abwärme mit dem Zementwerk zu kooperieren. MdL Scharf stimmte kopfnickend zu.

Gotthardt hatte die Hand bereits ausgestreckt

Im Vorfeld des Termins hatte Gotthardt gegenüber der MZ Hilfsbereitschaft signalisiert und Fördermöglichkeiten aufgezeigt. Die Werkzeugkästen des Freistaats und des Bundes für den Aufbau effizienter Wärmenetze seien gut bestückt. Es liege einzig an der Stadt Burglengenfeld, die Weichen zu stellen. Entscheide sie sich dafür, „bin ich der Erste, der den Prozess proaktiv unterstützt“, hatte Gotthardt mitgeteilt.

Gut ins veränderte Szenario passt eine weitere Information, die Werkleiter Reindl bestätigte. Der Energiekonzern E.on soll sich demnach bereits vor geraumer Zeit bereiterklärt haben, in Burglengenfeld ein Wärmenetz aufzubauen, sei aber mit dem Ansinnen abgeblitzt. Das Konzept liege nun in der Schublade.

Bürgermeister verweist auf Ergebnisse der Wärmeplanung

Damit konfrontiert, warnte Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) vor voreiligen Schlüssen. Es sei nicht richtig, dass die Kommune vom Zementwerk als Wärmelieferant nichts mehr wissen wolle. Um Details zu erklären, sei es aber zu früh. Am 12. Februar, 18 Uhr, finde im historischen Rathaussaal die öffentliche Präsentation der Ergebnisse zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP) statt. Die möge man doch bitte abwarten, meinte Gesche.

Auch das könnte Sie interessieren: CO2-Pipeline: Mega-Chance oder riesige Gefahr für die Stadt Burglengenfeld?

Vorab deutete der Rathauschef freilich an, was in der Entscheidungsfindung eine gravierende Rolle spielen könnte: Fakt sei, dass das Zementwerk im Winter regelmäßig für vier bis sechs Wochen stillgelegt werde, um Revisionsarbeiten durchzuführen. Für diese Phase sei ein sogenanntes Redundanzsystem erforderlich. Allein das lasse die Umsetzung der Idee, weite Teile der Stadt komplett mit Wärme aus dem Industriebetrieb zu versorgen, „nicht besonders praktikabel“ erscheinen.

Sind dezentrale Lösungen sinnvoller?

Ein anderer Grund, der laut Gesche ins Gewicht falle, sei die Länge der benötigten Leitungen. Hier könnte sich herausstellen, dass „dezentrale Lösungen möglicherweise geeigneter sind“, so der Bürgermeister. Nach MZ-Informationen dürften als Wärmequellen in solchen Fällen Blockheizkraftwerke zum Einsatz kommen, die mit verschiedensten Energieträgern funktionieren.

So oder so: Gesche betonte, er sei nicht in der Rolle, alleine zu entscheiden. Das müsse man schon dem Stadtrat überlassen und ihm zuvor auch die Möglichkeit einräumen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Er als Bürgermeister wolle dem nicht vorgreifen.

Neuer Wärmetauscher musste gebaut werden

Was die Produktionspause im Winter betrifft, so sieht Werkleiter Reindl darin kein unüberwindliches Problem. Schon jetzt sei ja eine Reihe von Häusern an Wärmeleitungen angeschlossen, eine größere Wohnanlage werde in absehbarer Zeit folgen. Und natürlich existiere für diese Immobilien eine zuverlässige Ersatzlösung, wenn Abwärme fehlt.

Allerdings, so räumte Reindl ein, sei der zur Verfügung stehende Wärmetauscher ausgelastet. Sollte man doch noch mit der Kommune für weitreichende Wärmeversorgung ins Geschäft kommen, müsse man in eine neue Anlage investieren. Die könne schnell zwei Millionen Euro kosten.

Hausbesitzer hadern laut Glatzl mit der Unsicherheit

Staatssekretär Gotthardt wies auf eine weitere Herausforderung für die Kommune hin: Ihre eigenen Immobilien müssten fit für einen Anschluss ans Wärmenetz gemacht werden.

Hans Glatzl wünschte sich im Stadtrat „möglichst bald“ eine Grundsatzentscheidung. Mit das Schlimmste für Hausbesitzer sei nämlich die vorherrschende Unsicherheit, welche Optionen bestehen und welche Lösung die praktikabelste oder auch wirtschaftlichste sei. Schließlich müsse man bedenken, wie viel Zeit nötig sei, bis endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. Die nächste Geduldsprobe stehe mit den Genehmigungsverfahren schon bevor.