Kommunale Wärmeplanung: Für Spannung ist in Burglengenfeld gesorgt

Wie geht es mit der Energieversorgung weiter? Welche umweltfreundlichen Lösungen kommen künftig für Betriebe, aber auch gewöhnliche Hausbesitzer in Betracht, um bis 2045 klimaneutral zu werden? Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) soll dazu Orientierung bieten und Antworten liefern. Am Mittwoch stand die KWP im Zentrum einer Besprechung im Burglengenfelder Rathaus.
Wie berichtet, war vor knapp zwei Jahren im Stadtrat der Grundsatzbeschluss gefasst worden, eine Wärmeplanung erstellen zu lassen. Der konkrete Auftrag dazu wurde aber erst heuer im März vergeben. Den Zuschlag erhielt die Bietergemeinschaft aus Bayernwerk Netz-GmbH und dem Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV). Nicht nur, weil sie mit rund 58 000 Euro das mit Abstand günstigste Angebot eingereicht hatte, sondern auch, weil sie insgesamt bei den entscheidenden Kriterien die meisten Punkte auf sich hatte vereinigen können.
In Begleitung von Bayernwerk-Sprecher Michael Hitzek erklärten am Mittwoch Projektleiterin Christina Albrecht und Kommunalbetreuer Wolfgang Dumm im Rathaus noch einmal, wie ihre Strategie aussieht. Mit am Tisch saßen Bürgermeister Thomas Gesche (CSU), Geschäftsleiter Wolfgang Weiß, Stadtbaumeister Franz Haneder, Stadtwerke-Vorstand Johannes Ortner sowie Klimaschutzmanager Dominik Kerner, der erst vergangene Woche seine Arbeit aufgenommen hat. Nicht zu vergessen Anja Krieger, die als Mitarbeiterin des Bauamts als Ansprechpartnerin für Bürger auserkoren worden ist.
Ganzheitliche Betrachtung und Analyse
Gesche betonte, wie wichtig die Wärmeplanung für das Gelingen der Energiewende sei. Der Ist-Zustand werde ganzheitlich betrachtet und analysiert. Mit dem Bayernwerk wisse die Stadt einen kompetenten Partner an ihrer Seite.
Projektleiterin Albrecht, die seit fast 20 Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist, bezeichnete Burglengenfeld als „interessante Stadt“, die viele Möglichkeiten biete. Und sie skizzierte, was von der KWP alles zu erwarten sei: Als „zentraler Baustein der Energiewende“ biete sie den Kommunen und ihren Bürgern Planungssicherheit; sie zeige, welche Gebiete eventuell für eine Versorgung durch Wärmenetze infrage kämen; und sie beinhalte einen Transformationspfad sowie Umsetzungsoptionen. Nicht zu den Aufgaben der KWP gehört es zum Beispiel, eine Detailplanung zur technischen Umsetzung und zur wirtschaftlichen Machbarkeit zu liefern, betonte Albrecht. Auch konkrete Empfehlungen für bestimmte Gebäude oder gar Vorschriften oder fixe Preise für die Wärmelieferung seien nicht zu erwarten. Das wäre im Anschuss Gegenstand einer Machbarkeitsstudie.
Gebäudesektor spielt besondere Rolle
Anhand verschiedener Graphiken veranschaulichte Albrecht, welche Quellen aktuell hauptsächlich am Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt sind. Demnach lohnt es sich unter anderem, bei den Gebäuden genauer hinzuschauen und den Hebel anzusetzen. Nicht umsonst sei das novellierte Gebäudeenergiegesetz mit zu betrachten. Es sieht vor, dass neue Gas- oder Ölheizungen für den Gebäudebestand ab dem 1. Juli 2028 nur noch zulässig sind, wenn sie zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Bei Neubauten gilt die 65-Prozent-Regel sofort.
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Laut Stadtbaumeister Franz Haneder haben sich Verwaltung und die Bayernwerk Netz darauf verständigt, dass die Wärmeplanung bis 31. März 2026 auf dem Tisch liegen sollte, also sogar noch etwas früher als ursprünglich vereinbart. Dadurch gewinne man einen Zeitpuffer für eventuelle Nachbesserungen. Die Stadt Burglengenfeld liegt damit insgesamt gut in der Zeit und würde sogar die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, die für Großstädte eingeführt worden sind. Gemeinden mit weniger als 100 000 Einwohnern müssen erst bis 30. Juni 2028 eine Kommunale Wärmeplanung (KWP) vorlegen.
Im Weiteren entwickelte sich eine Diskussion, die schnell aufzeigte, wie viele offene Fragen sich hinter dem Themenkreis Energiewende und Wärmeplanung verbergen: Welchen Beitrag kann das Zementwerk bei der Versorgung mit Wärme leisten? Wer soll den Ausbau des Wärmenetzes finanzieren? Birgt ein Anschluss für den Einzelnen nicht das Risiko der totalen Abhängigkeit?
Das Zementwerk als Wärmelieferant?

Albrecht erklärte, hinsichtlich der Preisgestaltung existierten auch für Fernwärme bestimmte Regeln. Änderungen, also auch Verteuerungen, müssten nachvollziehbar sein. Ferner erklärte sie, dass Fernwärme auch nur dort Sinn mache, wo die Dichte der Bebauung ein gewisses Maß erreicht habe und wo ausreichendes und verbindliches Interesse der Anlieger bestehe. Weitere Themen waren die Einbeziehung des bestehendes Gasnetzes und der neuen Wasserstoffleitung in die Untersuchungen sowie das Kapitel Sanierung. Je mehr Hausbesitzer ihre Gebäude energetisch ertüchtigen, um so geringer könnte der künftige Wärmebedarf sein. Hier gelte es, Anreize zu schaffen, damit die Bürger mitziehen.
Was tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, muss die Stadt in einem nächsten Schritt entscheiden.
Christina Albrecht, Projektleiterin
Ob das hochgesteckte Ziel der Klimaneutralität bereits 2045 zu erreichen ist? „Es wird spannend!“, war der einhellige Tenor. Bürgermeister Gesche warnte vor zu großer Skepsis. Um die Aufgaben zu bewältigen, benötige man Optimismus. Er jedenfalls sei sich sicher, dass das Projekt Wärmeplanung bis zum vereinbarten Termin abgeschlossen werde.
Prompt wurden die Ärmel hoch gekrempelt. Albrecht und Krieger trafen sich im unmittelbaren Anschluss, um zu klären, welche Daten die Wärmeplaner benötigen – und welche die Stadt bereits verfügbar hat.