Aufatmen nach Insolvenz: Getränkeunternehmer Anton Eberl führt Brauerei in Rötz weiter

Aufatmen in Rötz: In der Genossenschaftsbrauerei wird weiterhin Bier gebraut werden. Anton Eberl, Inhaber des Stamsrieder Getränkefachhandels, wird den Geschäftsbetrieb ab 1. Februar übernehmen. Die freudige Nachricht machte er gemeinsam mit seiner Familie bei einem Pressetermin im Rötzer Rathaus offiziell. „Wir haben alle mitgefiebert, denn das Rötzer Bier gehört zur Stadt", freute sich auch Bürgermeister Dr. Stefan Spindler.
Dass die Brauerei im Oktober Insolvenz anmelden musste, sei ein großer Schlag für die Stadt gewesen. Er selbst habe auch versucht, den Insolvenzverwalter bei der Suche nach einem Käufer zu unterstützen. Doch dass es weitergehe, sei der Verdienst derer, die nun die Brauerei weiterführen würden.
Damit übergab er das Wort an Anton Eberl, der zunächst über seinen Werdegang berichtete: Als Braumeister in der dritten Generation habe es ihn geschmerzt, schon viele Brauereien sterben zu sehen. Eberl ist gelernter Bierbrauer und Mälzer, seine Ausbildung absolvierte er bei der Brauerei Greiner in Roding, 2005 machte er seinen Meister. Er stehe in gutem Kontakt zu vielen Brauereien, und so sei es auch stets mit der Genossenschaftsbrauerei gewesen. Durch jahrelangen Kontakt und die Zusammenarbeit habe man ein gutes Verhältnis gepflegt. Die Nachricht von der Insolvenz habe auch ihn deshalb getroffen. „Dass 500 Jahre Brautradition enden sollen, lässt ein Brauerherz nicht kalt.“
Anton Eberl kehrt zu seinen Wurzeln zurück
Mit fünf Interessenten hatte Rechtsanwalt Fabian Gerl – nach dem Insolvenzantrag der Rötzer Genossenschaftsbrauerei wurde Dr. Hans-Peter Lehner aus Regensburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt – Gespräche geführt. „Schön wäre so eine Brauerei schon“, hatte Eberl gegenüber Gerl laut spekuliert, denn so kehrt er ja praktisch zu seinen Wurzeln zurück. Als dieser dann irgendwann gemeint habe: „Haben Sie noch Interesse? Sie wären der letzte verbliebene Bewerber“, wurde es ernst.
Am 15. Dezember habe Gerl angerufen, ob noch Interesse bestehe, den Betrieb der Genossenschaftsbrauerei weiterzuführen. Getränkehandel und Brauerei, das sei eine gute Symbiose, findet Eberl. „Es passt gut zu unserem Betrieb.“ In sehr kurzer Zeit habe er sich entschieden, den eigenen Betrieb, den Stamsrieder Getränkefachhandel, um dieses Standbein „Bierbrauen in Rötz“ zu erweitern.
Es passt gut zu unserem Betrieb.Anton Eberl, Inhaber des Stamsrieder Getränkefachhandels
Und dann ging alles ganz schnell: Über die Weihnachtszeit wurden Verträge ausgearbeitet und viel Schreibarbeit erledigt sowie Mitarbeiter-Gespräche geführt. Wenn niemand von den Mitarbeitern mitgegangen wäre und man erst Personal suchen hätte müssen, hätte alles keinen Sinn gemacht, sagt Eberl. Acht Mitarbeiter werden übernommen. Laut Eberl hätten es sogar mehr sein können, doch einige hätten sich zwischenzeitlich anderweitig orientiert.
Durch die Übernahme eines Großteils der Angestellten ist die Belieferung mit Rötzer Bier und auch dem Sortiment des Stamsrieder Getränkefachhandels weiterhin gesichert. So sollen auch die Kunden von der Symbiose profitieren. Das Büro und die Logistik wird in den Stamsrieder Getränkefachhandel eingegliedert. „Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein“, bekräftigt er. Er erinnert sich daran, dass es früher allein im Umkreis 18 Brauereien gegeben habe, jetzt gebe es viele von ihnen nicht mehr, das sei eine traurige Tatsache. „Wir können die Genossenschaftsbrauerei nicht untergehen lassen“, schließt seine Frau Katrin Eberl sich ihrem Mann an. Auch sie ist im Familienbetrieb tätig, hat viel kaufmännische Erfahrung und sogar einen Führerschein für schwere Lastkraftwagen. „Die Familie Eberl wird ihr Können und Herzblut für die Weiterführung der Brauerei einsetzen“, bekräftigen beide.
Die Familie Eberl wird ihr Können und Herzblut für die Weiterführung der Brauerei einsetzen.Katrin und Anton Eberl
Mit Vertrag vom 22. Januar hat der Insolvenzverwalter die Brauerei an Anton Eberl veräußert, der das operative Geschäft übernimmt. Etwa 600 Artikel hat die Familie im Sortiment ihres Getränkemarktes, vieles wird selbst „quer durch Bayern“ gefahren. „Wir arbeiten mit fast jeder Brauerei im Landkreis zusammen“, so Eberl. Dazu zählt auch die Schlossbrauerei Naabeck.
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Gebraut wird weiterhin in dem denkmalgeschützten Gebäude in der Hussenstraße, die Logistik und das Büro laufen künftig in Stamsried, dort ist man bereits gut aufgestellt. Abgefüllt wird in Naabeck. Für den bisherigen Standort der Abfüllung sieht Gerl keine Zukunft: „Es wäre nicht umsetzbar, diesen weiterlaufen zu lassen.“ Bei der Brauerei Naabecker seien die Abläufe optimiert, dort würden insgesamt größere Mengen abgefüllt und auch häufiger. Außerdem gebe es ein Labor im Betrieb, so erhalte man Ergebnisse von Beprobungen schneller, auch das sei ein Vorteil.
An der Rezeptur des Rötzer Biers ändert sich nichts
Ab dem 1. Februar wird das Rötzer Bier also bei Naabecker abgefüllt. An der Rezeptur hingegen wird sich nichts ändern, versichert Eberl. Das gelte auch für den Sudbericht und sämtliche Abläufe beim Brauen. Mit der Mälzerei und dem Betrieb, der bisher den Hopfen geliefert hat, habe er schon Kontakt aufgenommen. Und seinen Namen soll das Bier der Rötzer Genossenschaftsbrauerei ebenfalls weiterhin tragen, auch wenn sich an der Geschäftsform nun etwas ändert und es in den Familienbetrieb übergeht. „Das Vollbier hell bleibt das Vollbier hell“, verspricht Eberl, „da machen wir keine Experimente.“ Weil auch weiterhin die Feste beliefert werden sollen, soll es auch das Festbier weiterhin geben. Die Salzfriedl-Halbe und der Bock müssten wegen der Kleinst-Chargen, um die es sich dabei handelt, allerdings künftig leider wegfallen. Und viele haben es schon geahnt: Auch die Bügelverschlussflasche wird aus wirtschaftlichen Gründen kein Comeback feiern. „Ich würde keine Brauerei finden, die diese Flaschen sinnvoll abfüllen kann, allein wegen der Personalkosten“, so Eberl.
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Übernommen hat er die Brauanlage, Fahrzeuge, Kühlanhänger, Garnituren, das Leergut... Die denkmalgeschützte Immobilie hat er hingegen zunächst für ein Jahr gepachtet, eine andere Lösung sei in der Kürze der Zeit nicht umsetzbar gewesen. Nach Ablauf dieses Jahres werde man weitersehen, die Anlage sei gut erhalten, man könne sie gegebenenfalls auch aus dem Gebäude „aussiedeln“ an einen anderen Standort auch in Rötz.
Der nächste wichtige Termin, der nach der Übernahme ansteht, ist die Althistorische Rötzer Fasenacht. Mit dem Faschingskomitee hat die Familie Eberl bereits Gespräche geführt, und es sieht gut aus, dass am Faschingsdienstag Rötzer Bier getrunken werden kann. Das Rötzer Heimatfest sei ein sehr wichtiger Termin, so der Bürgermeister, und auch zu einigen Feuerwehrfesten habe er schon Anfragen bekommen, berichtet Eberl. Seit einigen Jahren, so Katrin Eberl, stammen die Garnituren beim Rötzer Heimatfest übrigens schon vom Stamsrieder Getränkehandel.
Bei der Belieferung der Kunden soll, bis auf kleinere zeitliche Änderungen, möglichst alles so bleiben wie gehabt. Mit den Fahrern habe man schon gesprochen. Auch der Getränkeabholmarkt in der Rötzer Brauerei bleibt bestehen – zusätzlich wird es dort bald Stamsrieder Bier zu kaufen geben, das Herzog Lager und Export werden weiterhin bei Naabecker im Lohnbrauverfahren hergestellt. Bei Fabian Gerl und allen Brauereien und Kollegen aus den Landkreisen Cham und Schwandorf, „die uns mit Rat und Tat bei diesem Schritt unterstützt haben“, und auch bei der Bank bedankt sich das Ehepaar.
Hintergrund zum Insolvenzverfahren
Das Insolvenzgericht Regensburg hat mit Beschluss vom 13. Oktober 2025 Dr. Hans-Peter Lehner zum vorläufigen Insolvenzverwalter über das Vermögen der Genossenschaftsbrauerei bestellt. Der Geschäftsbetrieb der Brauerei wurde zunächst von der Geschäftsführung der Schuldnerin und dem vorläufigen Insolvenzverwalter gemeinsam fortgeführt. Mit Beschluss vom 2. Dezember hat das Insolvenzgericht Regensburg sodann den Verkäufer zum Insolvenzverwalter über das Vermögen der Genossenschaftsbrauerei bestellt. Seither führt der Insolvenzverwalter den Betrieb selbst fort, um diesen letztendlich auf einen der potenziellen Erwerber übertragen zu können.
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Anton Eberl, Inhaber des Stamsrieder Getränkefachhandels in der Neunburger Straße in Stamsried, wird den Geschäftsbetrieb der Genossenschaftsbrauerei ab dem 1. Februar übernehmen.
Der Insolvenzverwalter hat die Brauerei mit Vertrag vom 22. Januar an ihn veräußert. Der Käufer übernimmt das operative Geschäft. Fortgeführt werden alle Geschäftstätigkeiten in der Hussenstraße, insbesondere die eigentliche Brautätigkeit, der Lieferdienst sowie der Getränkemarkt/Rampenverkauf, nicht aber der Betriebsteil in der Bahnhofstraße (Abfüll- und Reinigungsanlage, Etikettierung und so weiter).
Das sich im Eigentum der Genossenschaftsbrauerei Rötz stehende Betriebsgrundstück, das sich derzeit in der Insolvenzmasse befindet, wird ab dem 1. Februar 2026 zunächst vom Insolvenzverwalter an Anton Eberl verpachtet. Mittelfristig soll das Grundstück jedoch den Eigentümer wechseln.