Nach Insolvenzanmeldung: Hoffen auf Lösung für Genossenschaftsbrauerei Rötz

Von Stefanie Bauer · 14. Oktober 2025 um 19:00

Die Genossenschaftsbrauerei Rötz im Landkreis Cham gehört zur Stadt wie der Schwarzwihrberg, die Althistorische Retza Fasenacht und das Heimatfest. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass die Brauerei beim Amtsgericht Regensburg Insolvenz angemeldet hat, war die Betroffenheit darum groß, berichtet 1. Vorstand Tino Gmach.

Video ansehen

Das habe ihm die Resonanz vieler treuer Kunden gezeigt. „Die Leute hatten Angst, dass von jetzt auf gleich kein Bier mehr gebraut wird.“ Das sei nicht der Fall, versichert er. „Es wird Bier gebraut, abgefüllt, verkauft und ausgeliefert.“

Das Absatzgebiet des „Retza Biers“ erstreckt sich etwa von Weiden nach Regensburg, vor allem auch in der nördlichen Oberpfalz hat es viele Anhänger. Seine Beliebtheit liegt zum einen daran, dass es den Geschmacksnerv trifft, aber auch die Abfüllung in die traditionellen „Maurer-Flaschen“ mit Bügelverschluss dürfte einen guten Teil dazu beitragen.

Bei der Insolvenz geht es auch um Arbeitsplätze: Sieben Angestellte in Vollzeit sowie fünf in Teilzeit sind in dem hellblauen Gebäude in der Hussenstraße 17 beschäftigt: Brauer, Fahrer, Helfer bei der Abfüllung und Mitarbeiter der Verwaltung.

Neue Abfüllanlage

Der Vorstandschaft – ihm selbst sowie Johann Sturm und Markus Riederer - und allen 97 Genossen tue der Schritt, den man nun habe gehen müssen, ungeheuer leid, und die Entscheidung habe man sich alles andere als leicht gemacht, so Gmach. Sie alle würden mit Herzblut an der traditionsreichen Brauerei hängen. Seit Jahren hätten deshalb sowohl Vorstände als auch Genossen auf Dividende wie auch Vorteile jeder Art verzichtet, auch das Bier bezahle man „wie jeder andere auch“. Doch in der jetzigen Situation seien die Kosten nicht mehr zu schultern und man habe letztlich keine andere Möglichkeit mehr gesehen.

Dabei ist die Brauerei, so traditionsreich sie ist, technisch auf dem allerneuesten Stand: Sie besitzt sowohl eine komplett neue Abfüllanlage als auch einen neuen Lagerkeller. In den vergangenen sechs Jahren habe man einen Investitionsrückstand kompensiert, so Gmach. Und erst im Frühjahr 2022 war mit einem Laden mit Getränkeabholmarkt ein neues Angebot für die Kunden in der Brauerei eröffnet worden, der sehr gut angenommen wird.

Doch 2019 habe niemand die Corona- und vor allem die Energiekrise vorhersehen können. Letztere traf die Genossenschaftsbrauerei besonders hart. Ein Beispiel: Die beliebte „Maurer-Flasche“ ist, weil sie sehr dickwandig ist, eben auch die teuerste Flasche – nicht nur in der Herstellung. Ihr höheres Gewicht macht sich auch bei der Auslieferung bemerkbar und damit bei der CO2-Steuer. Diese trifft auch den Heimdienst, das „Retza Bier“ wird in Streusiedlungen und zu Einöd-Höfen gefahren. Manche sind darauf angewiesen, für einige, nicht mehr so mobile Menschen, sei es auch sozialer Kontakt, den der Besuch des Bierfahrers mit sich bringe, sagt Gmach.

Die CO2-Steuer sei jedoch nur einer der vielen Aspekte, die den Genossen in den vergangenen Jahren massiv zu schaffen machten. „Momentan haben wir eine Kostensteigerung von allen Seiten.“ Auch die gestiegenen Personalkosten, sei es Mindestlohn oder Beiträge, oder auch Steuern, würden sich massiv bemerkbar machen. Eine Brauerei sei allgemein sehr energieaufwendig zu betreiben, in jeder Phase der Produktion bis hin zur Energie für die Kühlung bei der Lagerung.

Oder auch die Reinigung der dickwandigen Bügelflaschen, die dafür auf 82 Grad Celsius erhitzt werden müssen, was ebenfalls enorm viel Energie verbraucht. Davon abgesehen sind laut Vorstand auch die Rohstoffpreise extrem gestiegen. „Die Lieferanten geben die Preise an uns weiter. Doch wir können sie nicht an die Verbraucher weitergeben.“

In Werbeprospekten von Discountern und Supermärkten sehe man die Rabattaktionen der Brauereikonzerne. „Da kann man nicht mehr mithalten.“ Für eine Bierdose beispielsweise brauche es keine Reinigung, keinen Flascheninspektor, der die Flasche prüft und auch keinen Etikettierer. Beim „Retza Bier“ steht man zum Mehrwegsystem, eine Flasche könne bis zu 70, 80 Mal befüllt werden.

Die Entscheidungen, die müsse letztlich aber der Verbraucher treffen, und zum Teil auch die Politik, so Gmach.

Die Brauerei besitzt eine komplett neue Abfüllanlage. - Foto: Stefanie Bauer

Wie auf der offiziellen Seite der Insolvenzbekanntmachungen angegeben ist, ist Rosemarie Lankes aus Weiding Verfahrensbevollmächtigte auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen. Zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen wurde am Montag die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Rosemarie Lankes hat auch die Firma Gruber mit Stammsitz in Bernried begleitet.

Viel modernisiert worden

Nach der Insolvenz der Firmengruppe Gruber ist die Nachricht von der Genossenschaftsbrauerei „der nächste Schock für Rötz“, sagt Bürgermeister Dr. Stefan Spindler. Die Brauerei sei ein „Wahrzeichen und fest in der DNA der Stadt verankert“. Die letzten Jahre sei viel modernisiert worden, die Brauerei sei auf dem neuesten Stand. Nun hoffe man natürlich, dass der Insolvenzverwalter eine Lösung finde, dass die traditionsreiche Brauerei fortgeführt werden könne.

Das hofft auch Tino Gmach: Die Brau-Tradition in Rötz sei über 500 Jahre alt, habe Kriege und vieles mehr überstanden. In etwa eineinhalb Monaten müsse eine Lösung präsentiert werden. Dafür würden gemeinsame Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geführt, und bis dahin laufe der Betrieb in der Brauerei ganz normal weiter.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Lehner aus Regensburg bestimmt. Nachdem er sich einen Überblick verschafft hat, will er am Mittwoch nähere Auskünfte zum Insolvenzverfahren geben.

Auf dem Rötzer Heimatfest, wie hier auf dem Bild aus 2022, ist das „Retza Bier“ nicht wegzudenken. Alle hoffen, dass eine Lösung gefunden wird, damit das auch so bleibt. - Foto: Stefanie Bauer