Rötzer Genossenschaftsbrauerei ist jetzt im Slow-Food-Einkaufsführer

„Eine schöne Balance zeigt das helle Vollbier, süffig das Josephi-Märzen, beeindruckend komplex der Rötzer Urbock“: So werden die Biere der Rötzer Genossenschaftsbrauerei auf der Seite des Slow-Food- Einkaufsführers Regensburg-Oberpfalz beschrieben.
In diesen ist die Traditionsbrauerei vor kurzem aufgenommen worden. Dafür ausschlaggebend war unter anderem die Qualität der Biere – doch insgesamt gehört noch weit mehr zum umfassenden Konzept „Slow Food“.
Ein Bild vor Ort in Rötz gemacht
Dass Martin Weiß, Mitglied der Slow-Food-Gruppe Regensburg-Oberpfalz und seine Frau nach Rötz gekommen sind, um sich ein Bild vor Ort zu machen, hat Tino Gmach erst im Nachhinein erfahren. Und sich umso mehr über die Anerkennung gefreut, erzählt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbrauerei.
Was Weiß bei einem Rundgang mit Braumeister Stefan Albang gesehen hat, hat ihn überzeugt: Unter anderem habe er erfahren, dass das Brauen in Rötz eine mehr als 500 Jahre lange Tradition habe und die Genossenschaftsbrauerei in ihrer jetzigen Form heuer ihr 100-Jähriges feiern kann.
„Wir haben für den Slow-Food-Einkaufsführer ein sehr anspruchsvolles Ziel: Wir wollen konkret Betriebe oder Händler – mit ihren Produkten – empfehlen, die gut, sauber, traditionell und fair arbeiten“, so Weiß. Zum Beispiel Gemüse, das nicht nur bio, sondern auch regional und saisonal ist. Oder Fleisch, das nicht aus der Massentierhaltung kommt.
Und eben auch Biere, die aus handwerklich arbeitenden, lokalen Brauereien stammen. Es gehe dabei um die gesamte Ernährung und eine – flächendeckende – Antwort auf die Frage „Wie kann ich mich in der Region gut versorgen?“ „Slow-Bier“, heißt es im Einkaufsführer unter der Kategorie „Getränke“, unterscheide sich von Industriebier dadurch, „dass es naturbelassen ist und aus qualitativ hochwertigen Zutaten gebraut wird“. Die Genossenschaftsbrauerei Rötz erfüllt die Kriterien, auch die Regionalität: Das Malz wird in der Oberpfalz aus Gäubodengerste hergestellt, der Hopfen kommt aus Spalt bei Nürnberg, das Wasser stammt aus heimischen Wäldern. Außerdem ist die handwerkliche Qualität entscheidend. Die Biere werden in Rötz natürlich nach dem Reinheitsgebot und zudem in offener Gärung gebraut. Dieses relativ selten gewordene Verfahren ist sehr zeitaufwendig, punktet geschmacklich aber enorm.
Es gebe im Brauereisektor durchaus auch „Moden“, sagt Gmach. Dass man in Rötz dagegen auf Tradition und Handwerk setze und man dafür nun diese Anerkennung erhalte, darüber freuen sich Brauer und Genossen gleichermaßen. Die Firmenphilosophie sei es, regionale Kreisläufe aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel bei den Flaschen: Diese könne jede Brauerei befüllen, es handle sich hier um „echtes“ und kein „Pseudo-Mehrweg“. Es gebe viele Brauereien, deren Flaschen nur von ihnen selbst wiederbefüllt werden könnten, und das führe teilweise zu sehr langen Transportwegen und viel CO2-Ausstoß.
Die Euro-Flaschen, die in der Genossenschaftsbrauerei verwendet werden, können bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden, was enorm ressourcenschonend ist. Auch die Nachhaltigkeit ist eines der Kriterien, die bei der Aufnahme in den Einkaufsführer eine große Rolle spielen. Eine weitere: die Tradition. Auf diese wird in der Genossenschaftsbrauerei ebenfalls viel Wert gelegt, genauso wie auf die soziale Verantwortung. „Brauereigesellen auf der Walz sind bei uns jederzeit willkommen“, betont Gmach. Ebenso wie Auszubildende, aktuell sind es vier in der Genossenschaftsbrauerei.
„Und wir erhalten immer noch unseren Heimdienst aufrecht.“ Denn es sei umweltschonender, wenn der Bierfahrer eine große Tour mache, als wenn jeder seine Kästen selbst abholen würde. Es sei viel Aufwand, alle Streusiedlungen und Gehöfte abzufahren, sowohl personell als auch von den Treibstoffkosten. „Deswegen machen es viele Brauereien nicht mehr“, weiß Gmach.
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Dabei sei die Belieferung für die Menschen teils enorm wichtig – wirtschaftlich sei diese dagegen eigentlich nicht abbildbar. Doch man sei bereit, die Kosten dafür zu tragen: Die Genossen inklusive Vorstand und Aufsichtsrat verzichten auf jede Form der Dividende.
Eine Frage der Glaubwürdigkeit ist es für die Mitglieder der Slow-Food-Gruppe, dass sie für ihre Empfehlungen keinerlei Zuwendungen erhalten, diese richten sich ausschließlich nach Kriterien wie Nachhaltigkeiten und Regionalität. „Unsere Adressaten sind die Konsumenten“, so Weiß.
Der Einkaufsführer:
Online: Den Slow-Food-Einkaufsführer Oberpfalz, der laufend aktualisiert wird, findet man online unter www.slowfood-oberpfalz.de. Gerade im Bereich „Wochenmärkte“ gebe es viel Dynamik, so Martin Weiß.
Interaktiv: Vom interaktiven Kartenmaterial gelangt man man direkt zum Beitrag über die Produzenten, Betriebe, Wochenmärkte oder Händler und von dort aus auf deren Homepage
