Fehlender Titel wird ihm zum Verhängnis: „Metzger Done“ aus Runding muss um Existenz bangen

Seit zehn Jahren räuchert Andreas Pongratz – vielen wohl besser bekannt als „Metzger Done“ – Schinken. Damit bereitet der Rundinger seinen vielen Kunden seit jeher regelmäßig Gaumenfreuden. Wegen eines fehlenden Metzgertitels wäre es mit dem Räuchern jedoch beinahe von einem Tag auf den anderen vorbei gewesen – kurzzeitig stand die Existenz des Familienvaters aus dem Landkreis Cham auf dem Spiel.
Andreas Pongratz aber hat sich von der Bürokratie nicht unterkriegen lassen und gemeinsam mit den Behörden eine Lösung gefunden.
Doch der Reihe nach. Andreas Pongratz alias „Metzger Done“ (38) verfeinert nach eigenen Angaben seit zehn Jahren Fleisch. Was einmal klein angefangen hat, trägt mittlerweile den Namen „Done’s Schmankerl Bude“ und ist ein (Online-) Geschäft mit Sitz in Runding, bei dem etliche von ihm selbst geräucherte Delikatessen zu kaufen sind. Damals noch in Bad Kötzting, habe Pongratz sein Gewerbe eintragen lassen. Weil der Beamte einen Beruf wie etwa „Räucherer“ nicht auswählen konnte, sei Pongratz’ Gewerbe als Einzelhandel für Lebensmittel eingetragen worden, erinnert sich der 38-Jährige.
Nicht mehr oder minder sei es. „Ich kaufe das Fleisch ein und verfeinere es. Das Fleischen hat mich nicht interessiert, eher das Kunsthandwerk. Es hat mir gefallen, zu schauen, wie ich was würzen und verfeinern kann“, sagt Pongratz.
Regelmäßig kontrolliert
Nach der Gewerbeeintragung habe auch die Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes Cham nicht lange auf sich warten lassen. So seien die Räumlichkeiten, in denen der „Metzger Done“ räuchert und verkauft, in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig kontrolliert worden. Manche Kleinigkeit, die der Lebensmittelkontrolleur zu beanstanden gehabt habe, hätte Pongratz nach Anweisung korrigiert, sagt er.
Ich bin immer offen damit umgegangen, dass ich kein Metzger bin.Andreas Pongratz räuchert seit zehn Jahren Schinken
So wurden die veredelten Lebensmittel – neben geräuchertem Schinken bietet Andreas Pongratz auch geräucherte Nüsse, Chips, Paprikas, geräucherten Käse, eingelegte Gurken und vieles mehr an – immer beliebter. Auf seinen Facebook-Seiten werden seine Waren von vielen Kunden in höchsten Tönen gelobt.
Schock im Dezember
Anfang Dezember dann der Schock: Andreas Pongratz erhielt einen Brief von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz (Schreiben liegt der Redaktion vor), in dem unter anderem steht: „Laut Informationen des Landratsamtes Cham führen Sie die Tätigkeit ,Herstellung von Schinken’ selbstständig aus.“ Andreas Pongratz müsse deshalb in die Handwerksrolle eingetragen werden. Voraussetzung dafür sei unter anderem die handwerkliche Meisterprüfung. Doch die hat Pongratz nicht. „Ich bin immer offen damit umgegangen, dass ich kein Metzger bin“, sagt Pongratz, der eine Ausbildung zum Gärtner nicht ganz abgeschlossen hat.
„Zehn Jahre lang wurde ich vom Gesundheitsamt kontrolliert und nie hat mich jemand darauf hingewiesen, dass ich einen Metzgertitel brauche. Wenn sie mir das damals gesagt hätten, hätte ich das Ganze nicht angefangen. Aber nie hat jemand etwas gesagt. Ich habe mir das zehn Jahre aufgebaut – die machen meine Existenz kaputt“, sagt Pongratz.
Es ist nicht Aufgabe der Lebensmittelüberwachung, das Handwerksrecht zu überprüfen.Fabian Koller, Pressesprecher Landratsamt Cham
Beim Landratsamt Cham nachgefragt, wieso bei keiner der Kontrollen der Nachweis des Metzgertitels eingefordert wurde, teilt Pressesprecher Fabian Koller mit: „Es ist nicht Aufgabe der Lebensmittelüberwachung, das Handwerksrecht zu überprüfen, also ob der Lebensmittelunternehmer in die Handwerksrolle eingetragen sein muss. Die Einhaltung der handwerksrechtlichen Voraussetzungen liegt voll in der Eigenverantwortung des Unternehmers. Er muss sich insoweit mit der zuständigen Handwerkskammer abstimmen.“
Eine Frage, die sich Pongratz stellt: „Ist denn Räuchern ein anerkannter Beruf?“ Alexander Stahl, Geschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, teilt dazu auf Nachfrage mit: „Die Herstellung von Schinken und die Haltbarmachung von Fleisch (eben auch das ,Räuchern’) sind wesentlich für das meisterpflichtige Metzgerhandwerk. Schon das Bereithalten von frischem Fleisch ist dem Metzgerhandwerk zugeordnet. Fleischzerlegung in verkaufsfertige Portionen und Weiterverarbeitung von Fleisch ist zulassungspflichtig.“ Auf Details zu dem Fall könne Stahl aufgrund des laufenden Verfahrens nicht weiter eingehen.
So wurden die restlichen Wochen in 2025 für den unterhaltspflichtigen Familienvater zur Zerreißprobe. Doch obwohl zwischenzeitlich sogar eine Gewerbeuntersagung, Bußgeld und sogar eine Gewinnabschöpfung im Raum standen, hat sich der „Metzger Done“ nicht unterkriegen lassen. „Aufgeben ist keine Option“, sagt Pongratz, der bestätigt, dass es sich bei der Bezeichnung „Metzger Done“ lediglich um einen „Künstlernamen“ handelt, unter dem er während der Corona-Pandemie regelmäßig Videos auf Facebook gepostet hat.
Er sei in ständigem Kontakt mit der Handwerkskammer und dem Landratsamt gewesen. Zudem habe er Briefe an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sowie an Landrat Franz Löffler geschrieben.
Glückliche Wendung
Dann nahm alles eine glückliche Wendung. Am 17. Dezember habe ein Gespräch zwischen Pongratz, dem Landratsamt und der Handwerkskammer stattgefunden. Dabei konnte eine Übergangslösung für den Betrieb des „Metzger Done“ gefunden werden. So hätten sich die beteiligten Parteien darauf geeinigt, dass Pongratz eine Fachkenntnisprüfung ablegen muss.
Die Herstellung von Schinken und die Haltbarmachung von Fleisch (eben auch das ,Räuchern’) sind wesentlich für das meisterpflichtige Metzgerhandwerk.Alexander Stahl, Geschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz
„So muss ein existierender Betrieb bis zum Prüfungstermin nicht geschlossen werden“, teilt das Landratsamt dazu mit. Und weiter: „Bei dem konstruktiven Gespräch am Mittwoch, 17. Dezember, wurde der individuelle Fall sowie besondere persönliche Umstände betrachtet. Dies ermöglichte es als Härtefallregelung im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, von einem Einschreiten bis zur Erlangung der Ausnahmebewilligung abzusehen. Ähnlich dem Fall, wenn bei einem bestehenden Handwerksbetrieb, der Meister ausfällt und eine Übergangszeit gewährt wird, bis eine Nachfolgelösung gefunden wird.“
Prüfung im Juni
„Vor allem das Handwerk hat bei uns zu Recht einen ganz hohen Stellenwert. Eine Eintragung in die Handwerksrolle gibt es nicht geschenkt. Aber der Fall zeigt auch sehr gut, welche rechtlichen Möglichkeiten unser Rechtsstaat bietet, wenn das Gespräch gesucht wird und der Wille erkennbar ist, Versäumnisse zu beheben“, fasst Landrat Franz Löffler in einer Pressemeldung zusammen. „Das darf unser menschlicher Anspruch an die Behörden sein – dort rechtliche Wege zu finden, wo der Wille, rechtmäßige Zustände herzustellen, klar erkennbar ist. Nun hat Herr Pongratz sein betriebliches Schicksal selbst in der Hand“, wird Löffler weiter zitiert.
Von der Wendung ist Andreas Pongratz durchaus erleichter. „Im Juni habe ich die Prüfung. Wenn ich sie nicht schaffe, dann mach’ ich sie nochmal“, ist er entschlossen. So können nicht nur er, sondern auch seine Kunden vorerst aufatmen – und den Familienvater mit seiner Leidenschaft zum Räuchern weiter unterstützen.