Mit Video: Augenzeugen widersprechen Aussagen des Jagdpächters zum Reh-Tod nach Eisrettung

Sie war ein Wechselbad der Gefühle, diese Reh-Rettung aus dem Eis in der Kälte des 30. Dezembers. Erst Freude, als die Feuerwehr das Tier ans Ufer des Satzdorfer Sees in Cham gezogen hatte, dann Entsetzen, als der Jagdpächter es kurzerhand tötete. Jetzt eskaliert die Lage. Denn der Jagdpächter hat öffentlich behauptet, er habe das Reh waidgerecht durch einen Nackenstich „abgenickt“ und das sei absolut notwendig gewesen, weil das Reh keinerlei Reaktionen mehr gezeigt habe.
„Das ist einfach nicht die Wahrheit!“ – Ein halbes Menschenleben lang ist dieser Mann, der am Schreibtisch in der Redaktion steht, nun schon bei der Feuerwehr. Er gehört zu denen, die viel gesehen haben und sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen. Jetzt ist er verärgert. „Ich will diesem Mann gar nichts, aber das ist so einfach nicht passiert.“
Heute noch Gänsehaut
Der gelernte Metzgermeister krempelt den Ärmel zurück: „Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke.“ Dieser Moment, von dem derzeit etliche seiner Kameraden immer wieder reden, ist der, in dem der Jagdpächter das Reh getötet hat, das kurz zuvor aus dem Eis des Regenflusses gerettet worden war.
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„Da war kein Nackenstich“, sagt der Feuerwehrmann. Eine Aussage, die ein gutes halbes Dutzend seiner Kameraden bestätigen, die direkt daneben gestanden haben. „Ich habe ihn mehrfach angebettelt, noch zu warten und dem Reh eine Chance zu geben“, sagt ein Mitglied der FFW-Führungscrew. Denn auch hier decken sich die Schilderungen des Jagdpächters und der Wehrmänner in keinem einzigen Punkt.
„Was hätten wir tun sollen...?“
„Wir haben die Hinterbeine eingewickelt, weil das Tier begonnen hat, im Auto zu treten“, erzählt ein Feuerwehrmann, der am 30. Dezember in dem Einsatzfahrzeug saß, auf dessen Boden das Reh sich eine Viertelstunde aufwärmen konnte.
Ich will diesem Mann gar nichts, aber das ist so einfach nicht passiertEin Feuerwehrmann über die Darstellung des Jagdpächters zur Tötung des geretteten Rehs
Dann kam der Jäger und forderte die Feuerwehr auf, das Tier ins Freie zu bringen. „Was hätten wir tun sollen. Es ist sein Reh. Aber heute denke ich mir, wir hätten uns mehr wehren sollen. Aber es war so überraschend...“, erinnert sich der Mann, der das Reh kurz zuvor noch mit einer Decke abfrottiert hatte.
„Das ist nicht wahr!“
Während der Pächter von „null Reaktion“ spricht und einem Reh, das nicht einmal mehr den Kopf gehoben habe, sagen nicht nur die Fotos und das Video der Redaktion etwas anderes. Auch die Feuerwehrleute widersprechen. Das Tier habe sich sehr wohl bewegt, und auch den Kopf wieder gehoben. Es habe lediglich nicht aus eigener Kraft schon wieder aufstehen können.
Der altgediente Feuerwehrmann am Schreibtisch erzählt auch über die Art der Tötung etwas ganz anderes als der Jagdpächter. „Das ist nicht wahr. Ich habe ihn gefragt, was er da macht. Und er hat gesagt: Ich suche die Ader.“
Entnervte Augenzeugen
„Ich kann die Schreie heute noch hören“, sagt sein Kamerad, der bei der Tötung danebenstand. Als der Jagdpächter mit Feuerwehrmännern zum Regenufer geht, bäumt sich das Reh auf, hebt den Kopf, röchelt. Der Brustkorb hebt und senkt sich krampfhaft. – Es lebt offensichtlich noch.
Der Jagdpächter wird von einem entnervten Augenzeugen angebrüllt, er solle es wenigstens richtig machen, wenn es schon sein muss. „Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich hab ihm gesagt, er soll wenigstens den ganzen Kopf abschneiden – aber mit dem Messerchen...“, schildert der gelernte Metzgermeister.
Tierärztin: „Die Chance leider nicht bekommen“
Diese Aussagen bestätigt auch der zweite Feuerwehrmann, der das Reh festgehalten hat. Er gehört zur Chamerauer Wehr. Es habe keinen Nackenstich gegeben und das Reh habe sich sehr wohl beim Festhalten bewegt und den Kopf selbst gehalten. Sämtliche Aussagen der Augenzeugen widersprechen damit der öffentlichen Schilderung des Jagdpächters gegenüber dem Echo vom dringend notwendigen Sekundentod.

Wir haben Ausschnitte des Videos von der Reh-Rettung einer Tierärztin vorgelegt, die auch Erfahrung in der Behandlung von Wildtieren hat.Dr. Martina Löffelmann schreibt nach Sichtung des Videos: „Das Reh hebt den Kopf selbständig und versucht aufzustehen, was ihm nicht gelingt. Nach dem Kampf im eiskalten Wasser war es völlig entkräftet und unterkühlt. Eine endgültige und korrekte Einschätzung des Zustands wäre sicher erst nach Herstellung einer physiologischen Körpertemperatur und einer angemessenen Erholungszeit möglich gewesen. Diese Chance hat es leider nicht bekommen.“
Jäger bleibt beim Atlas-Stich
Konfrontiert mit den gegenteiligen Aussagen, hält der Jäger an seiner Schilderung fest: Er habe das Reh vorher durch einen Nackenstich getötet. Dasselbe habe er schon x-mal im Beisein der Polizei bei Wildunfällen getan. Seit 50 Jahren schon gehe er zu Jagd, 35 Jahre als Pächter. Alljährlich gebe es fünf bis sechs Rehtötungen nach Unfällen: „Es hat nie Beschwerden gegeben. Ich habe das Reh abgenickt“, beharrt der Jäger. Das Tier sei nur noch Hundefutter gewesen und unter der Decke dunkelblau verfärbt. Im Nachhinein sagt der Jagdpächter aber auch: „Ja, es war extrem ungeschickt, das Reh nach der Rettung öffentlich zu töten.“ Auf die Frage, ob das Reh nach einer halben Stunde vielleicht auf die Beine gekommen wäre, sagt er: „Das kann keiner wissen.“