Foto von 1874 zeigt Bad Kötztings Innenstadt – aber auch richtiges Detail?

Von Stefan Weber · 15. Januar 2026 um 15:00

Ende des 19. Jahrhunderts war die Fotografie zwar noch relativ neu und trotzdem schon weit verbreitet. Würde sich also ein Foto eines Hauses aus dieser Zeit finden lassen, das direkt am zentralen Platz der heutigen Stadt Bad Kötzting steht? Fünf Monate nach seinem Aufruf, kennt Erich Stauber die Antwort.

Erich Stauber kann und will es noch immer nicht recht glauben: Nach seinem Aufruf Ende Juli, bei dem er demjenigen versprach, 1000 Euro zahlen zu wollen, der ihm ein Foto des Hauses seiner Familie vor dem Wiederaufbau nach dem Marktbrand von 1899 bringen würde, hat er Anfang des Jahres genau ein Foto bekommen – und das befand sich bereits seit Zeiten seines Großvaters im Familienbesitz.

Eigentlich hatte er bis zum 6. Januar jedem Zeit gegeben sich zu melden, der ein Foto vom zentralen Platz in der Innenstadt aus der Zeit vor dem Brand bringen würde, das das Wohnhaus mit der heutigen Hausnummer 34 zeigen würde. Das Gebäude steht (vor wenigen Jahren aufwendig und liebevoll restauriert) direkt neben der Veitskirche und ist eines der Gebäude, das den Besuchern der Stadt sofort ins Auge springt.

Baum steht im Sichtfeld

Das war es sicher auch schon vor dem Jahr 1899, bevor es abgebrannt ist. Doch wie es ausgehen hat, das ist nicht bekannt. Ein Geheimnis, das Erich Stauber, der das Haus geerbt hat, nun gerne gelüftet hätte. Das einzige Foto, das ihm in den vergangenen gut fünf Monaten gebracht worden ist, zeigt zwar den Platz vor der Kirche St. Veit in voller Größe – allerdings wird das Haus der Familie Stauber durch eine sehr schöne und buschige Kastanie verdeckt.

Hinzu komme, dass sich auch schon sein Großvater mit historischen Aufnahmen beschäftigt und er einen Abzug dieses Fotos bereits besessen habe, sagt Erich Stauber. „Das hat schon eine gewisse Ironie“, sagt er. Stünde der Baum nicht im Weg, wäre die Aufnahme eigentlich ein Volltreffer der auch zeigt, dass sich der Platz mit der Kirche in den vergangenen rund 150 Jahren gar nicht viel verändert hat.

Foto von 1874

Entstanden ist die Aufnahme laut Beschriftung am 20. September 1874. Wenn die Uhr der Kirche damals ihren Dienst erfüllt hat, dann wohl so gegen 9.20 Uhr. „Das hat schon was: Ein Foto, das 150 Jahre alt ist, und das auf das Genaueste datiert werden kann, das schafft kein Gemälde“, freut sich Stauber. Allein, es fehlt das entscheidende Detail.

Doch auch wenn der Aufruf nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, zeigt sich Erich Stauber überzeugt, dass das Gebäude irgendwann sicher fotografiert worden ist. Für ihn entscheidend seien zwei Überlegungen: „Zum einen wurden damals ganze 27 Gebäude zerstört, von denen einige bestimmt versichert gewesen sind.“ Darum sei der Schaden seiner Meinung nach irgendwie dokumentiert worden. „Zum anderen hat ja auch die Polizei ermittelt, weil zwei Bäcker Opfer des Brandes geworden sind.“ Darum könne er sich nicht vorstellen, dass im Zuge der Ermittlungen nicht auch die damals immerhin schon ein paar Jahrzehnte alte Technik der Fotografie zum Einsatz gekommen sei. Deshalb sei er noch immer überzeugt davon, dass es ein Foto des Gebäudes – vielleicht auch nur im zerstörten Zustand – geben müsse, und lagere sie auch nur auf einem Speicher oder in einem Keller.

Erich Stauber vor seinem Haus am Platz vor der Kirche St. Veit. - Foto: S. Weber

Er habe selbst recherchiert und etwa auch bei der Landesbrand-Versicherung angefragt. Hier habe er jedoch die Information erhalten, dass Fotos nur zehn Jahre lang archiviert würden. Aber: Könnte nicht ein geschichtsinteressierter Mitarbeiter die Aufnahmen vor der Vernichtung gerettet haben?

Als gelernter Fotograf kann er erklären, warum der Platz vor St. Veit zu dieser Zeit immer genau von dem Standort aus fotografiert worden ist, wie er auf der Aufnahme aus dem Jahr 1874 zu sehen ist: „Damals hat niemand mit Gegenlicht fotografiert, und Veranstaltungen wie die Fahnenweihe auf diesem Foto waren eben immer am Vormittag.“ Darum sei es nur folgerichtig, dass die Gebäude auf der in Blickrichtung Kirche linken Seite der Marktstraße mit auf dem Foto zu sehen seien, das Anwesen der Familie Stauber aber eben immer hinter den großen Bäumen verschwinde – außer, es wäre eben doch einmal aus anderen Gründen fotografiert worden. Die Hoffnung gibt Erich Stauber jedenfalls noch nicht auf.

Wie archiviert der Fotograf selbst?

■ Nicht erst seit seinem Aufruf hat sich Erich Stauber selbst mit dem Thema der Archivierung beschäftigt. Als gelernter Fotograf hat er unzählige Aufnahmen gemacht – sowohl auf Film als auch digital.

■ Die Suche nach einem Foto seines Hauses in der Marktstraße habe ihm aber besonders bewusst gemacht, dass das Wiederfinden auch eine Frage der richtigen Archivierung sei. Er glaubt, dass es ein Foto seines Hauses irgendwo geben müsse, es nur noch nicht gefunden worden sei.

■ Er selbst werde nun aber alle Aufnahmen, die er rund um Bad Kötzting gemacht hat, so aufbewahren, dass die später auch wieder gefunden werden könnten – und damit steht er vor einem Problem, das jedem Archivar bekannt ist: Wie können Daten (in diesem Fall Fotos) für die Nachwelt erhalten bleiben?

■ Negative etwa könnten sehr lange eingelagert werden; Doch auch er selbst habe vor rund 20 Jahren auf Digitalfotografie umgestellt. Wie können die reinen Daten archiviert werden?

■ Lösungen wie die Speicherung im Internet halte er nicht für zielführend. Er habe sich dafür entschieden, seine Fotos auf beständigen Blue-Ray-DVDs zu speichern, die theoretisch 1000 Jahre nutzbar bleiben sollten. Mit archiviere er dabei auch ein Lesegerät, damit die Scheiben auch ausgelesen werden können. (wf)