Erich Stauber bietet 1000 Euro für ein 126 Jahre altes Foto von Kötzting

Viel Zeit und Geld hat Erich Stauber in den vergangenen Jahren schon in das historische Anwesen mit der Hausnummer 34 an der Marktstraße in Bad Kötzting (Landkreis Cham) gesteckt. Das Anwesen, das der Familie Stauber schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört, wurde in den vergangenen Jahren liebevoll und aufwändig renoviert. Es wird erhalten, so wie es nach dem letzten großen Brand im Markt Kötzting im Jahr 1899 wieder aufgebaut worden war – aber was war davor?
Viel hat Stauber bereits gemeinsam mit Heimatforscher Clemens Pongratz über das Gebäude und seine Bewohner der vergangenen über 150 Jahre herausgefunden. Was es aber nicht gibt, das ist ein Foto von dem Gebäude vor dem Brand oder auch kurz danach. Eine Lücke, die der gelernte Fotograf endlich schließen möchte, und darum wendet er sich an die Öffentlichkeit mit einem ungewöhnlichen Aufruf. 1000 Euro in bar verspricht er demjenigen, der eine Fotoaufnahme aus dieser Zeit bei sich zu Hause findet und sie ihm bringt.
Keine Aufnahmen im Archiv
Denn auch im Archiv des Arbeitskreises Heimatforschung, dessen Mitglied Clemens Pongratz ist, finden sich keine entsprechenden Aufnahmen. Doch bedeutet das, dass es wirklich keine gibt? Eine Frage, die Stauber nun gerne beantworten haben will.
Was an diesem schicksalhaften 15. April des Jahres 1899 geschehen ist, das ist dokumentiert – schließlich gab es auch damals schon Zeitungen. Allerdings waren die damals natürlich noch ohne Foto. Im wieder aufgebauten Gebäude erzählt Erich Stauber von den Erinnerungen seines Ur-Großvaters, der damals elf Jahre alt gewesen war. Dessen Vater war, wie auch seine Vorfahren, von Beruf Wagner gewesen. 1847 hatte ein aus Schmidmühlen stammender Thomas Stauber das Bürgerrecht im Markt Kötzting für 25 Gulden erworben.
Brand vernichtete Betrieb
Dass die Familie Wagner waren ist ein Umstand, der sich beim Brand negativ auswirkte. Denn zum Beruf des Wagners gehörte auch, dass der jede Menge Holz gelagert hatte – und zwar lange aufbewahrt, damit das auch schön trocken war. Für seinen Ur-Ur-Großvater hatte der Brand bedeutet, dass er seiner Arbeit nicht mehr habe nachgehen können und im heutigen Wohnzimmer der Familie eine Art Genossenschaftsbank verwaltete.
Es gibt auch Grundrisse in historischen Dokumenten, aber eben keine Abbildungen. Es sei zwar davon auszugehen, dass das Vorgänger-Gebäude dem heutigen durchaus geähnelt habe, sagt Stauber; schließlich sei der Keller auch nach dem Brand erhalten geblieben. Aber: Wie stand der Giebel, wie sah die Fassade aus? Das möchte er gerne wissen.

Ein Wissen, das ihm gerne 1000 Euro wert sei sagt er, und eine Summe, die er auch an echten Anreiz sieht. Viele Menschen, ihn selbst eingeschlossen, hätten zahlreiche Fotos, die irgendwo lagerten. „Aber wer schaut die schon alle durch?“ Weil ihm bewusst sei, dass das viel Arbeit bedeute, habe er die Summe bewusst so hoch angesetzt. Denn von Expertenseite wird ihm aktuell wenig Hoffnung gemacht. Heimatforscher Clemens Pongratz schätze, dass der Aufruf wenig Erfolg haben werde.
Sollte es ein Foto vom Brand 1899 geben, dann wäre das das erste eines Marktbrandes von Kötzting überhaupt. Aber wer weiß?
So gibt es die Prämie
■ Aufruf: „Ich suche ein Foto nach dem großen Brand 1899, auf dem unser Haus zu sehen ist“, sagt Erich Stauber. Interessant seien aber auch Fotos vor 1899. Dazu hat er eine Prämie von 1000 Euro ausgesetzt.
■ Bedingungen: „Unser Haus muss zu sehen sein, das Bild muss original und unveröffentlicht sein (Foto).“ Hintergrund sei, dass er das Bild mit sämtlichen Rechten erwerben wolle, sagt er.
■ Auswahl: Bei mehreren Bildern werde das beste ausgewählt – das könne das älteste sein, aber vielleicht auch eines, auf dem das Haus nicht nur am Rande, sondern am besten zu sehen sein könnte.
■ Frist: Bis 31. Dezember dieses Jahres sei Zeit, Fotos zu melden. Die Auszahlung von 1000 Euro in bar werde es dann am 6. Januar 2026 geben.
■ Kontakt: Erich Stauber, Tel. 0176/60 80 05 56
„Es wäre das erste Brand-Foto“
Für Clemens Pongratz ist die Geschichtsforschung rund um seine Heimatstadt Bad Kötzting vor allem im Ruhestand sein Hobby, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Er kümmert sich nicht nur um das Archiv der Stadt im Rathaus, sondern ist als Mitglied des Arbeitskreises Heimatforschung schon seit vielen Jahren auch privat mit Sammlungen von Dokumenten und auch Fotos befasst.
Darum hege er wenig Hoffnung, dass Erich Stauber die 1000 Euro für ein Foto von seinem Haus in der Marktstraße, das vor dem Jahr 1900 gemacht worden ist, auch wirklich werde zahlen müssen. Zumindest was ein Foto von einem abgebrannten Gebäude zeigen würde, sei er sich da ziemlich sicher: „Es wäre das erste Foto überhaupt, das wir von so einem Ereignis hätten.“
Brände hatte es dabei zu genüge geben in der Vergangenheit: 1633 brannte quasi der gesamte Markt um die heutige Markt- und die Gehringstraße ab. 1642 brannten einige Häuser unweit des heutigen Torplatzes, 1717 und noch einmal 1867 brannte die Häuserreihe an der linken Seite der Marktstraße vom heutigen alten Friedhof bis zum Spitalplatz. Während Fotos zu diesen Zeiten entweder unmöglich waren oder es aufgrund der technischen Entwicklung noch keine gab, hätte das für die Brände 1891, als der Häuserblock oberhalb des alten Rathauses abbrannte, als auch 1899, als auch das Anwesen Stauber in Flammen aufging, nicht mehr gegolten – und trotzdem gibt es keine bekannten Fotos davon.
„Fotoaufnahmen waren damals viel teurer als heute, und was kaputt war, war kaputt – das hat damals einfach niemand festgehalten.“
Clemens Pongratz
Für Pongratz ein klarer Fall: „Fotoaufnahmen waren damals viel teurer als heute, und was kaputt war, war kaputt – das hat damals einfach niemand festgehalten.“ Vom neuen Rathaus, das vor dem Ersten Weltkrieg abgebrannt war, gibt es zwar eine Aufnahme; Die gebe es aber nur, weil jemand die Herrenstraße mit den schönen Gebäuden auf der linken Straßenseite fotografiert habe. Die Ruine tauche da nur im Hintergrund auf. Vielleicht doch auch für Erich Stauber ein Zufall, der ihm noch helfen könnte?
■ Wer Unterlagen oder Fotos zuhause hat, die für das Stadtarchiv oder die Heimatforschung interessant sein könnte, kann sich Dienstagvormittag unter der Telefonnummer (0 99 41) 60 21 32 melden. Die Dokumente werden bei den Besitzern zu Hause erst gesichtet, bei Bedarf digitalisiert und zuverlässig zurückgegeben.
Das berichtet der „Kötztinger Anzeiger“ vom Brand 1899
„Am 15.April brach in den Ökonomiegebäuden des Alois Kermer (Oberer Markt) Feuer aus, welches sich so rasch verbreitete, dass trotz der sofortigen Hilfe von 18 Feuerwehren der ganze zusammenhängende Gebäudeblock und die daneben liegenden Gebäude einem Flammenmeer glichen. Abgebrannt sind 7 vollständige Anwesen mit 27 Gebäuden, außerdem noch sieben Stallungen und Städel. Durch den Brand und die Löscharbeiten sind im ganzen 23 Anwesensbesitzer mit 52 Gebäuden geschädigt worden, auch zahlreiche Inwohnersleute verloren ihre ganze Habe. Der Gesamtschaden beträgt ca. 400.000 Mark, welcher Summe nur eine Brandversicherung von 75.000 gegenübersteht. Leider ist auch der Verlust von 2 Menschenleben zu beklagen. Unmittelbar an der Ausbruchsstelle befand sich, in die Ökonomiegebäude eingebaut und durch einen hölzernen Gang mit dem Hauptgebäude verbunden, die Schlafkammer der Bäckergehilfen Andreas Holzapfel, 18 Jahre alt von hier und Lorenz Rottenfusser,15 Jahre alt, von Hebertshausen. Diese wurden durch den Rauch betäubt und verbrannten. Erst am andern Tag gegen 5 Uhr konnten an der fraglichen Stelle Nachforschungen angestellt werden, da der Platz mit glühenden Steinen und brennenden Holzteilen überschüttet war. Nach dreistündiger harter Arbeit gelang es , die gänzlich verkohlten Leichen auszugraben.
Ein Dienstmädchen, welches im oberen Stocke schlief und vom Rauche bereits betäubt war, wurde von dem Steigerzugführer und Sekondleutnant der Reserve Karl Lindner von hier unter Beihilfe der Steiger Franz Xaver Aigner, Schreinermeister von hier, und Heinrich Pongratz, Schreinermeistersohn von hier, unter eigener großer Lebensgefahr aus den Flammen geholt. Die Entstehung des Brandes ist noch unbekannt, doch wird Brandstiftung vermutet. Der Steigerzugführer Karl Lindner wurde für seinen Einsatz mit der Bayerischen Lebensrettungsmedaille ausgezeichnet.“