Drei Mühlen erhalten die letzten historischen Tafeln in der Stadt Bad Kötzting

Mit „Wiesmühle, Hammermühle, Herrenmühle (Lindnerbräu)“ wurde am Montag die Aktion des Stadtmarketings „Tafeln gegen das Vergessen“, wie Carola Höcherl-Neubauer bei der Vorstellung der ersten Tafeln im Jahr 2017 es formulierte, abgeschlossen. 25 dieser hellblauen Tafeln ließen Häuser und Gebäude des historischen Kötzting, die heute nicht mehr existieren oder deren Reste einem anderen Zweck dienen, virtuell wieder entstehen.
Erich Fuchs hat alle Infotafeln gestaltet und digital auf einem hellblauen Hintergrund bedruckt. Über einen QR-Code kann sich der interessierte Betrachter direkt den Bad Kötztinger Blogspot auf sein Smartphone oder Tablet laden und sich auf diese Weise umfassend informieren. Clemens Pongratz hat dort die Häusergeschichte aufgeschrieben und mit Fotos, Plänen und Zeichnungen illustriert.
Lebensnotwendige Gebäude
„Mühlen, also Sag- und Mahlmühlen, gehörten neben den Schmieden zu den lebensnotwendigen ,Ersteinrichtungen‘ bei der Besiedlung und Kultivierung neuer Gebiete“, wies der Stadtarchivar auf die Unverzichtbarkeit dieser Handwerke für den Aufbau eines Gemeinwesens hin. In Kötzting seien das vier Mühlen gewesen, die bereits seit Jahrhunderten hätten existieren müssen, und zwar die Marktmühle, die Sagmühle am Gruber Bach, die Hammermühle und eben die Wiesmühle oder die Mühle in Wissing, wie sie früher genannt worden war. Sodann stellte er die Lebensläufe von Wies-, Hammer- und Herrenmühle in Anwesenheit von Georg Greß, Evi Kolbeck, Carola Höcherl-Neubauer sowie Erich Fuchs vor.
Bereits im ältesten Herzogsurbar, entstanden Mitte des 13. Jahrhunderts, ist unter der Vogtei Kötzting in Wising eine Mühle erwähnt. Damit kann davon ausgegangen werden, dass die Wiesmühle bereits an die – oder sogar mehr als – 800 Jahre alt ist. Der erste namentlich bekannte Wiesmüller hieß Perhtold Lang (um 1340). Ab dem Jahre 1584 sind die Besitzer der Wiesmühle alle namentlich bekannt.
Im Jahr 1880 heiratet der aus Seugenhof stammende Müller Anton Staudinger (1852 bis 1916) die Wiesmüllerstochter Maria Kollmaier und übernimmt dann auch die Wiesmühle, die seitdem im Besitz der Familie Staudinger ist. Anton Staudinger betrieb auf der Wiesmühle ein Elektrizitäts- und Sägewerk und versorgte ab Beginn des 20. Jahrhunderts Kötzting mit Energie.

Anders als die drei übrigen historischen Mühlen in Kötzting taucht die Hammermühle erst sehr spät in Dokumenten auf. Ein erster Hinweis stammt aus einer Verkaufsurkunde des Klosters Niederalteich aus dem Jahr 1528, als der Kötztinger Hammermeister und Bürger Mathias Aignhofer seinen „Hammer“ in Arnbruck verkauft.
Dabei ist auch erwähnt, dass der „Hammer“ in Kötzting abgebrannt sei. Nach den Lernpechers und Prändls kommt 1708 ein Name nach Kötzting, der bis heute weit verbreitet ist: „Auzinger“. Prändl verkauft den Hammer samt Behausung „neben aller Hammer Recht- und Gerechtigkeit“ seiner Tochter Maria und ihrem zukünftigen Ehemann Georg Auzinger von Auzing, Gericht Schärding. 1802 erwirbt ein Franz Xaver Auzinger das Kötztinger Bürgerrecht. Im Jahr 1838 tauscht Josef Windorfer sein Haus am Veitsplatz (heute Versicherungsagentur Heigl/ Steuerbüro Kern) gegen 6200 Gulden Draufgeld mit dem Waffenhammer des Xaver Auzinger.
Vier Generationen Müller
Später verkaufte Johann Windorfer die Hammermühle an die Familie Höcherl. 1899 erfolgte der Umbau in eine Kunstmühle. 1918 kaufte Josef Greß die Mühle von den Vorbesitzern Maria und Josef Höcherl. Seitdem ist die Hammermühle – inzwischen in vierter Generation – im Familienbesitz. Bereits im Jahr 1652 hatte der damalige Sagmüller Paulus Hofmann bei der Regierung in Straubing um die Genehmigung gebeten, ein gutes Stück unterhalb seiner am Gruber Bach gelegenen Mühle am Regenufer eine „Filialmühle“ erbauen zu dürfen.

Nach einem gewonnenen Prozess mit dem Markt Kötzting durfte er diese, deren Ende 1741 kam, errichten. Der Markt Kötzting, der vorher die Mühle vom letzten Besitzer Georg Reithmayr aufgekauft hatte, veräußerte das Bauwerk auf Abbruch an den Feßmannsdorfer Müller Jakob Hofbauer, behielt aber das viel wichtigere Mühlrecht in seinem Besitz. Unter Kammerer Wolfgang Samuel Luckner konnte nach erfolgreichen Vertragsverhandlungen mit dem Kloster Rott und dem Hammerschmied auf dem „Kohlanger“ eine neue Schneidsäge errichtet werden. Die 4600 Gulden an Einnahmen von 1775 bis 1788 durch die neue Mühle reichten aus, um abzüglich der Baukosten, die Marktkasse, deren Negativsaldo 3000 Gulden betragen hatte, zu sanieren.
Mit der Verpflichtung der Kommunen durch die neue Regierung des Königreichs Bayern, sich von ihren „Realitäten“ zu trennen, kam auch die Herrensäge unter den Hammer. Joseph Mühlbauer aus Hohenwarth erhielt für 2859 Gulden den Zuschlag. 1836 übergab das Ehepaar Mühlbauer seiner Tochter Barbara und ihrem Ehemann Wolfgang Stoiber seinen Gesamtbesitz. Durch Einheirat kamen 1868 die Lindners aus Sperlhammer auf das Anwesen.
Karl Lindner errichtete 1876 eine Brauerei. Nach und nach erweiterte er die Baulichkeiten. So ließ er 1902 das prächtige Bräustüberl bauen. 1946 erwarb Heinrich Kolbeck aus Hohenwarth Brauerei und Landwirtschaft, welche sich seitdem im Familienbesitz befinden.
Die historischen Tafeln der vergangenen sieben Jahre
■ Seit 2018 gab es Schilder für das Kommunbrauhaus, die Marktmühle, das Badhaus, die TCM-Klinik (Gschwandhof), den Ludwigsturm und die heutige Finanzamt-Außenstelle (früheres Gefängnis, ursprünglich ein Hof mit dem Namen Widtum); außerdem für den historischen Friedhof an der Pfarrkirche, die Wuhn (Familie Schötz in der unteren Marktstraße) und den Bahnhof Zellertal, die Bollburggasse, das Chamauer Tor, das Decker-Brauhaus an der Holzapfelstraße, die Kirchenburg und die Schindler-Kapelle. Bedacht wurden auch die früheren Höfe „Voglhof“ und „Ecklshof“ unweit der Veitskirche, das ehemalige Feuerwehrhaus an der Brandstraße, die „Fleischbank“ an der Metzstraße und das alte Amtshaus. Erst im vergangenen Jahr gab es Tafeln für Jahnplatz und Jahnhalle, das ehemalige Brechhaus und den Kollmaier-Keller an der Jahnstraße
■ Grüne Tafeln für historische Persönlichkeiten der Stadt wurden für Wolfgang Samuel Luckner am Hotel zur Post angebracht, außerdem eine für den früheren „Landrat“ Carl von Paur und auch eine für Johann Barholomaeus von Görring an der nach ihm benannten Gehringstraße. (wf)