Ein Waldmünchner Denkmal blüht auf: Eigentümer planen nicht nur Radwerkstatt und Alters-WG

Von Theresa Baumann · 15. Januar 2026 um 11:00

Giovanni Parello und Barbara Preuß kommen aus dem Schwärmen über ihre neue Immobilie nicht mehr heraus. Ideen für die alte Druckerei in Waldmünchen im Landkreis Cham sprudeln nur so aus ihnen heraus. Das ist der Ort, an dem sie und ihre Freunde ihren lang gehegten Traum verwirklichen können: eine Alters-WG. Mit dem Verkauf der Druckerei springt auch für die ortsansässigen Bürger einiges heraus.

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Video Stand Februar 2025

16 oder 18 Mal ist Barbara Preuß in ihrem Leben schon umgezogen, schätzt die Wiesbadenerin. In etwa zehn Wochen zieht sie nun zu ihrem Partner Giovanni Parello in sein Haus in einem Münchner Vorort – aber nur vorübergehend. Für ihren Alterswohnsitz haben die beiden die alte Druckerei in Waldmünchen auserkoren. Dort will das Paar mit drei Freunden und zwei Familienmitgliedern eine Alters-WG gründen. Bis zum 150-jährigen Jubiläum der Immobilie im Jahr 2028 wollen sie ihre zahlreichen Vorhaben umsetzen.

Wohnbereich mit Rückzugsorten und Gemeinschaftsräumen

Als Gruppe haben die künftigen Bewohner mit Parello und Preuß die Druckerei vergangenes Jahr besichtigt. Im Sommer wurden sie darauf aufmerksam, dass diese zum Verkauf steht. „Obwohl wir das Haus noch gar nicht bewohnen, fühle ich mich angekommen. Das habe ich vom ersten Tag an gespürt. Das ist mein Zuhause“, schwärmt Preuß. Gleich sei klar gewesen: „Wir wollen das Haus.“

Diesen Traum hat Parello am 21. November erfüllt. Das Datum hat er ganz genau im Kopf – sein 55. Geburtstag. „Ein teures Geschenk. Aber ich habe mir ein Haus gekauft“, kommentiert Parello seine Entscheidung. Mitte Dezember erfolgte die Schlüsselübergabe. „Jetzt würden wir in München am liebsten alles hinschmeißen und sofort hierherkommen, aber das geht natürlich nicht so schnell. Das müssen wir zeitlich alles staffeln“, sagt seine Partnerin.

Wir werden auch nicht jünger und keiner weiß, wie es uns in zehn Jahren geht.Barbara Preuß

Zunächst zieht Preuß in Parellos Haus, wo auch seine Mutter lebt. Die Miete, die sich Preuß damit spart, nutzt das Paar als Rückfinanzierung für die Druckerei. Ihre Möbel lässt Preuß sofort in ihr neues Heim in Waldmünchen bringen. Ihre Wohnung sowie die beiden Zimmer ihres Bruders sollen zuerst fertig saniert werden. Die anderen Wohneinheiten vermieteten sie erst nach der Sanierung an ihre Freunde.

Jede Person soll zwei Zimmer, eine eigene Nasszelle und eine kleine Küche zur Verfügung haben. „Damit wir uns auch mal aus dem Weg gehen können und einen Rückzugsort haben“, erklärt Preuß. Eine gemeinsame Küche, einen Gemeinschaftsraum und eine „Spielecke“ soll es trotzdem geben. „Wir haben mehrere Modelleisenbahnliebhaber unter uns“, verrät Preuß.

Ihnen sei es wichtig, die Wohneinheiten barrierefrei zu gestalten und einen Aufzug einzubauen. Der Grund: „Wir werden auch nicht jünger und keiner weiß, wie es uns in zehn Jahren geht.“ So könnten auch ihre Erben die Wohnungen später leichter vermieten.

In diesem Raum sollen die ursprünglichen Wände wieder eingezogen werden. - Foto: Theresa Baumann

Waldmünchner Stadtkern soll um Radwerkstatt und Schenke erweitert werden

Wenn die Wohnungen saniert sind, geht es an den Umbau der Ladenfläche. „Da wollen wir eine Schenke reinmachen. Auf jeden Fall kein normales Restaurant.“ Mehr will Parello noch nicht verraten. Die Leute sollten sich überraschen lassen.

Außerdem will er eine Fahrradwerkstatt eröffnen – sowohl für E-Bikes als auch für herkömmliche Räder. Dafür müsse er zunächst eine Umschulung machen. Später will er mit einem Servicewagen in Notfällen zur Reparatur ausrücken. „Da sehe ich derzeit eine Marktlücke“, sagt Parello, der derzeit in der Pharmaindustrie beschäftigt ist. Wenn er nach Waldmünchen umgezogen ist, will er diesen Job aufgeben.

Nun dürfen wir da wohnen, wo andere Urlaub machen.Giovanni Parello

Bei seiner Partnerin ist das anders. Zunächst will Preuß ihren Arbeitsplatz in der Dienstleistungsbranche behalten und großteils aus dem Homeoffice arbeiten. Aber auch zu pendeln mache ihr inzwischen wenig aus: „Jedes Mal, wenn wir von München herfahren, kommt mir die Fahrt ein bisschen kürzer vor.“ Nun stellt sich aber die Frage: Wie kommt das Paar aus der Münchner Gegend überhaupt zu der Stadt Waldmünchen?

Jahrelang seien sie an den Perlsee zum Campen gefahren, erzählt Parello. „Da hatten wir einen Stammplatz und haben uns immer wohl gefühlt. Nun dürfen wir da wohnen, wo andere Urlaub machen. Das ist wie nach Hause kommen.“ Um all ihre Ideen umsetzen zu können, hofft das Paar nun auf die Zustimmung des Bürgermeisters, der Denkmalpflege und des Landratsamts.

Kreativwerkstatt eröffnet in vier bis sechs Wochen

Auch wenn die Sanierung erst 2028 fertiggestellt sein soll, ist für Waldmünchner schon vorher etwas geboten. Die Ladenfenster sind bereits dekoriert. Dahinter steckt Dieter Pallauf. Er hat das Haus als Erster bezogen. Bis zur Sanierung dürfe sich der Künstler auf der Ladenfläche verwirklichen, sagt Parello. „Gerade entsteht eine Kreativwerkstatt, in der er seine Kunstwerke ausstellt und verkauft.“

Dort soll bis zur Sanierung eine Art Café entstehen, fügt Preuß an. Auch hierzu will das Paar vorerst nicht mehr verraten. Jedenfalls würde sich Pallauf damit einen lang gehegten Traum erfüllen. Öffnen will er seine Werkstatt in vier bis sechs Wochen.

Künstler Dieter Pallauf hat das Gebäude mit seiner Werkstatt als erster bezogen. - Foto: Theresa Baumann

Noch früher als Pallauf zog allerdings ein tierischer Bewohner in die alte Druckerei ein. „Als wir anfangs die Heizkörper aufgedreht haben, haben wir einen Schmetterling aus dem Winterschlaf gerissen“, erzählt Preuß. Dieser kam wohl durch einen Fensterspalt in das Haus. Sie habe das Tier eingefangen und auf dem Speicher eine neue Heimat gegeben. Dort darf der kleine Fuchs – so heißt diese Gattung– bis Frühling schlummern.