Toni Fischer aus Furth im Wald, sammelt, schreibt und erzählt schaurige Geschichten

Wenn Toni Fischer seine Geschichten erzählt, jagt einem das einen Schauer über den Rücken. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt er sich mit Waldgeistern und anderen wilden Gesellen, die auch in der Oberpfalz ihr Unwesen treiben.
Wer bei Nebel oder in der Dämmerung im Wald oder auf weiten Wiesen unterwegs ist, bekommt schnell eine Ahnung, warum in alten Zeiten die Menschen an Geister und andere Wesen geglaubt haben.
Todesurteil: Ziegenfuß
Viele Begebenheiten hat man dem Geschichtenerzähler zugetragen, seit 2013 schreibt er sie auf. Oft sind es nur kurze Fragmente, die er hört. Daraus macht er dann ein „Schauermärchen“.
Da ist zum Beispiel die Begebenheit vom heute nicht mehr existierenden Auweger Wirtshaus an der Grenze. Ein später Zecher wurde von der Wirtin zur Sperrstunde nach Hause geschickt. Auf seinem Weg nach Großaign kam er an einem Haus im Wald vorbei, das, so meinte er zu wissen, leer gestanden hat. Dort wollte er übernachten und am nächsten Tag weiterziehen. Zu seiner Verwunderung brannte Licht in dem Haus. Er blickte durchs Fenster und entdeckte vier Männer beim Karten spielen. Er betrat das Haus und sah ihnen stumm zu. Als einem der Zocker eine Karte zu Boden fiel, bückte sich der Gast und wollte das Blatt aufheben. Zu seinem Entsetzen stellte er fest, dass alle vier Männer einen Ziegenfuß hatten. Kaum der Erwähnung Wert, dass der Arme in dieser Nacht sein letztes Bier getrunken hatte. Die Begegnung mit Teufeln überlebt wohl kaum jemand.
Gerade ist übrigens Hochzeit der Umtriebe. Am 25. Dezember beginnt die sogenannte „Wilde Jagd“, bei der Odin, Thor, der Tod und andere gierige Gesellen auf Seelenjagd gehen. Am 5. Januar endet sie. Man bleibt in dieser Zeit nachts besser daheim und verschließt die Türen. Einmal, erzählt Toni Fischer, wurde bei Lam ein ältere Mann, der sein ganzen Leben lang das Treiben beobachten wollte, unvorsichtig. Er verließ das Haus und machte sich auf die Suche. Als die Meute in seine Nähe kam, versteckte er sich. Zu seinem Pech betete er ein „gegrüßet seist Du Maria“ zu laut. So wurde er entdeckt und mitgerissen. Immer schon haben den heute 74-Jährigen, der früher eine Landwirtschaft betrieben hat, derartige Geschichten fasziniert. Während einer Reha hat er in den Behandlungspausen begonnen, sich Notizen zu machen und dann zu schreiben. Über Hunde, die mit glühenden Augen am Wegesrand stehen oder über das Verbot, an Silvester das Spinnrad zu drehen. „Geister verfangen sich darin und suchen die Bewohner heim.“ Auch Wäsche darf man zum Jahreswechsel nicht aufhängen, weil dann der Tod ins Haus eindringen kann.
Buch wird es nicht geben
Rund 50 schaurig schöne Geschichten hat Fischer bisher aufgeschrieben. Die allermeisten gehen übrigens schlecht aus. „Das sollen sie auch“, meint er. Obwohl ihn schon viele darauf angesprochen haben, ein Buch mit seinen Sachen wird es nicht geben. „Ich mag das einfach nicht.“
Aber zum Glück für seine Fans hat er sich nach einer kreativen Pause für die Landesgartenschau wieder überreden lassen, Lesungen zu machen. Zur Veranstaltung auf der Hauptbühne sind rund 500 Besucher gekommen. Ein klares Zeichen, wie groß die Sehnsucht und das Interesse an solchen Geschichten ist. Apropos Landesgartenschau: Da waren er und seine Frau Gerlinde an vielen Positionen im Einsatz. Als Mitglieder des bayerisch-österreichischen Freundschaftskreises natürlich auch am Weinstand, dem Hotspot auf dem Gelände. Es ist ja schon mehrfach angeklungen, dass er im kommenden Jahr wiederbelebt werden soll. Das wäre dann eine gute Gelegenheit, Toni Fischer eine aufgeschnappte Begebenheit zu erzählen. Er freut sich darüber und macht ein düsteres Märchen daraus.
Toni Fischers Geschichte von den Hojmännern, die Wilderer und Holzdiebe am Voithenberg bestraft haben
Furth im Wald/Grasmannsdorf Die Geschichte von den Hojmännern, Waldgeister, die sowohl Gutes, als auch Böses für den Menschen bringen können, hat Toni Fischer im Dezember 2013 aufgeschrieben.
Des ist a Gschicht vo Woidgeista, sogenannte Hojmänner, de mit lautem „hoj, hoj, hoj“ in da Nacht durch den Woid gstreift san, Wilderer und Holzdiab gstrofft ham, wenn sie um Hilfe bitt worn san.
De Gschicht soll bei uns passiert sa, im Woid am Voithenberg anno 18. auf 19. Jahrhundert, da is amol viel gewildert und Holz gstolln worn.
Da Baron zu Voithenberg hat an Förster kemma lon und hodn gscheit zamagstaucht, dass er als Oberförster ebas genga des Wildern sowie genga den Holzfrevl tua mou, sinst voluist er sei Stell. In seiner Not san erm dann de Hojmänner eigfoin(...). Aiso is da Förster in da Nacht mit da Latern aufn Kreizfelsn, weil da ohm sollns dahoam sa, de Hojmänner.
Stockfinster und scheitsam, ganz stoar is de Nacht gwenn, es war Neimond. Koa Stern. Nix hat ma gsehn, grod dass er hie gfuna hod, zum Felsn mit seiner Funsl. Er stellt sei Latern am Bodn hie und sagt ned z’laut: „Hojmanner, Hojmanner, helfts.“ Nix hod se griat, na wird er a weng lauter: „Hojmanner, Hojmanner, strofts die Wilderer und Holzdiab, helfts ma, sonst voluiß i mein Arbeitsplatz, i wirf eng an Guldn in Woid.“ Kaum war das letzte Wort aus eam heraus, hot da Wind ogfangt zum blosn, de Latern is ausganga und zwischen dem Rauschen vo de Blattln und Grassanest hat er des „hoi, hoj, hoj“ ghert. Gänsehaut hod er kriegt, a jeds Hoor hots eam aufgstellt vor lauter Anspannung. Er fingert die Guldn aus da Jackn und wirfts vom Fels in Woid. Aframol a Zischn zwischen de Bama, der Guldn hat an Bodn net erreicht und so schnell wia da Spuk ogfangt hot, so schnell is er a wieda vorbei. Sei Latern hot vo selber wieder s’brenna ogfangt.
Da Jager ist in Panik weg vom Felsn hoam zu sein Wei und seine Kinda (...) Da Sepp und da Max vo da Waldmünchner Seitn, worn Holzhauer vom Baron. De ham des Wildern und Holztehln scho lang triebm, ham durch die Lumperei allweil viel Geld ghot. Se hammant glaubt, dass ganz schlau san. Ham se an kloan Bamawong hergricht, d’Eisenradl mit viel Stoff umwickelt und a d’Huaf von ehran Ross mit Stofffezzn eipackt, das mas in da Nacht ned ghert hod. Gstohln is worn, wenn da Förster net im Woid draussn unterwegs wor, wenn er eiglodn gwen is vom Baron oder am Stammtisch zum Kortnspieln im Wirtshaus gsessn ist (...).
„Heid af d’Nacht geht’s wieda“, da Max an Sepp ins Oh. „Scho recht, dann bis heit af d’Nacht“. Wias finsta worn is hams earna Ross eigspannt und san vo da Herzogau aus in Woid ausse. Ganz staad sans gwen, dass ja nermad hert. Des Holz und Wildbrett, des wos se de zwoa untan Nogl grissn ham, hot da Lechner, a weng a zwielichtiger Holzhandla, obgnumma. Wia gsogt, se san in Wold affe. Wos Holz liegt, des hams gwißt, des is scho hergricht gwen zum Aflodn. Se ham earna Ross in an Bamm obundn und glei s afleng ogfangt. Kam ogfangt, do fangt da Wind zum waan o und alweil stiarka is er worn. Da Sepp schreit: „Wos is do loas?“ D’Angst hots opackt, de zwo und na hams a scho de „hoj, hoj, hoj“ ghert, zerst ganz staad, na alweil lauta. „Hoj, hoj, hoj“ und alweil schlimma is worn. Das Holz hot se afghebt, is durch die Luft gflong, de zwoa ham se nimma rührn kinna vor Angst. Des Holz, wos stehln wolltn, is blos a so ummanand gwirbelt und allweil lauta is des „hoj, hoj, hoj“ worn. Das Ross is staad durt gstaden, wej wenn nix loas waar.
Andern Togs sans gfuna worn. Tot, daschlong vom Holz, des grampfln wollten. Des Ross hot ja nix song kinna wos loas war, aber da Jäger hot se auskennt aba a nix gesagt, nur a staads „Vagelts Gott“. Da Lechner hot in da Nacht an Schlaganfall kriagt, in da Hand a Bücherl, mit de Nam vom Sepp und vom Max. Da is drin gstandn, wiaviel Geld die zwoa kriagt hamand. Drum soll se a jeda guat überleng, ob er am Voithenberg wildert oder Holz stiehlt, sinst hert er amol des „hoj, hoj, hoj“.
Die Geschichte eines besonderen Kreuzes
Grasmannsdorf Groß ist es schon, das Kreuz, das im Hausgang bei den Fischers steht. „Stimmt“, sagt Toni Fischer. Dazu gibt es eine Geschichte. Es lag ewig in einem Schuppen und ist irgendwann Anfang der 1980er Jahre eher unbeachtet in einem oberen Stockwerk im Haus gelandet. Im Jahr 2019 hat Fischers Tochter auf dem Grundstück gebaut.

Der Bagger hat etwas ausgegraben, was sich als Grabstein herausgestellt hat. Aufgrund der Bohrlöcher wurde schnell klar, dass sich darauf früher das Kreuz befunden hat. Der hinzugezogene Further Heimatforscher Werner Perlinger datierte es auf das 17. Jahrhundert. Auch wenn kein Name darauf zu finden ist, hat es jetzt natürlich einen Ehrenplatz bekommen. Ob da die Hojmänner nachgeholfen haben? „Wer weiß“, sagt Toni Fischer und lacht.