Nach der Insolvenz geht es für Deltec Furth im Wald zurück in die Erfolgsspur

Nach der Insolvenz von Deltec Furth im Wald hat Carsten Ellermeier im ersten Quartal des Jahres das Unternehmen übernommen. Seither zeigt die Erfolgskurve beim Dienstleister für die Elektroindustrie wieder steil nach oben.
Als Carsten Ellermeier im April diesen Jahres das in die Insolvenz gerutschte Unternehmen Deltec übernommen und so in letzter Sekunde gerettet hat, herrschte bei allen Beteiligten große Begeisterung. Sogar von einem kleinen Wunder war die Rede. Rund acht Monate später ist klar, im Gewerbegebiet an der Dr. Georg Schäfer-Straße ist kein Wunder geschehen. Der Erfolg, der sich längst wieder eingestellt hat, ist das Ergebnis von guten Voraussetzungen, Know how, Fleiß, Innovation und einem Blick, der fest in die Zukunft gerichtet ist.
Lawrence Gast leitet unter anderem die Abteilungen Einkauf, Vertrieb und ist im Projektmanagement tätig. Er ist seit zehn Jahren im Unternehmen zuhause und kennt die Zeit bevor und nachdem der Dienstleister für die Elektroindustrie ins Schlingern geraten ist.
Automatisierung zählt
Er klärt zunächst einmal darüber auf, was Deltec genau macht. Jeder, der schon einmal in das Innere eines Elektrogeräts geschaut hat, kennt die grünen Platinen, die darin enthalten sind. Darauf werden nach Vorgaben des Auftraggebers verschiedene Komponenten aufgebracht, die dafür sorgen, dass das Endgerät funktioniert, wie es soll. Was zunächst banal klingen mag, ist Hochleitungstechnik in Perfektion. Das sieht jeder, der ins Herz des rund 30 000 Quadratmeter großen Betriebsgeländes blicken darf. Am einen Ende der Fertigungshalle mit enormen Ausmaßen befindet sich das Lager.
Hunderttausende Komponenten warten dort auf ihren Einsatz. Rüstwagen werden mit ihnen bestückt, die Produktion kann beginnen. Neun Fertigungsstraßen schaffen bis zu 130 000 Bauteile in der Stunde. „Das ist eine unserer Stärken, wir können auch in relativ kurzer Zeit größere Mengen liefern. Das macht uns in der Branche einzigartig“, sagt Gast. Doch natürlich ist die Produktion zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Schritt im Fertigungsprozess. Nach jedem Arbeitsschritt wird vor dem nächsten automatisch überprüft, ob alles passt. Auch das Endprodukt muss sich noch einmal einer digitalen Prüfung in Echtzeit unterziehen.
Das alles ist in nur acht Monaten entstanden? Gast lacht: „Nein, die Voraussetzungen waren auch schon vor der Insolvenz gut. In den letzten Jahren wurde einiges investiert.“ Man zählte bereits zu den Top 10 der Branche. Der Abteilungsleiter drückt das Geheimnis des aktuellen Erfolges so aus: „Wir nutzen das, was vorher schon da war, inzwischen grundlegend besser.“ Früher habe man eher weniger Kunden mit großen Aufträgen gehabt, heute ist die Auftragslage diverser, man hat sich breiter aufgestellt. Nicht nur in Pkws werden Deltec-Produkte genutzt, sondern auch in der Medizintechnik, in Industrieanlagen und in Geräten, die der Laie sicher nicht auf dem Schirm hat.
So sorgen Deltec-Platinen auf Bohrtürmen für funktionierende Notbeleuchtung; und die grünen Boxen, die in größeren Hallen von der Decke hängen und die Richtung zum Notausgang weisen, leuchten ebenfalls nur deswegen, weil in Furth im Wald die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden. Dann ist da noch das Produkt „Bite away“, das exklusiv in den Produktionshallen von Deltec hergestellt wird und mittels Wärmeentwicklung den Juckreiz nach Insektenstichen unterdrückt. Dafür hat das Unternehmen eine eigene Fertigungsstraße entwickelt. Rund eine Million der Stichheiler werden im Jahr hergestellt. Weitere Betätigungsfelder sind laut Gast die Rüstungsindustrie, Serversysteme und natürlich das Zukunftsthema schlechthin: Künstliche Intelligenz: „Wir werden weiter investieren und am Ball bleiben“, sagt Gast.
Durch die Entwicklung in die Breite sei auch ein neuer Fokus entstanden: „Es ist überraschend, wie viele Top-Firmen es in der Region gibt und was dort alles produziert wird.“ Aber natürlich werden Kunden weltweit bedient.
Das ist eine unserer Stärken, wir können auch in relativ kurzer Zeit größere Mengen liefern. Das macht uns in der Branche einzigartig.Lawrence Gast
Aktuell feilt man firmenintern an der Automatisierung. Prozesse zu optimieren und miteinander zu verknüpfen, steht auf der Agenda. „Im Moment kommen wir auf 50 bis 60 Prozent maschinelle Auslastung“, da geht also noch was. Die Stimmung innerhalb der Belegschaft mit 290 Mitarbeitern ist gut. „Alle blicken wieder viel positiver in die Zukunft“, sagt Gast.
Der Strippenzieher und Weichensteller ist bei allem der neue Besitzer Carsten Ellermeier. Als Branchenprofi und CEO bei einem großen Industrieunternehmen kannte er den Namen Deltec natürlich und hat das Potenzial erkannt. Und man kennt ihn: „Er hat ein großes Netzwerk, und sein Name zählt in der Branche“, beschreibt leitender Mitarbeiter Gast seinen Chef. So hat sich Ellermeier einen langgehegten Wunsch erfüllt und ist in der Oberpfalz selbstständiger Unternehmer geworden.

Mit Tatendrang zum Erfolg
Von Anfang an sei ein unglaublicher Tatendrang zu spüren gewesen, der alle mitgerissen hat. „Ellermeier hat die Mitarbeiter angesteckt, mitgenommen und motiviert.“ Seine Analyse habe ergeben, dass die Digitalisierung schon bei seinem Amtsantritt auf einem hohen Niveau war. Diesen Bereich hat man in den letzten Monaten ausgebaut, bereits angefangen einige Prozesse zu optimieren und den Automatisierungsgrad zu erhöhen. Auch die Zahlen sprechen eine positive Sprache. „Die Möglichkeiten zu wachsen sind da, dazu müssen aber die vorhandenen Kapazitäten ausschöpfen.“ 2023 hatte man einen Umsatz von 123 Millionen Euro. Nach den Einbrüchen aufgrund der Insolvenz ist man im ersten Jahr wieder bei rund 70 Millionen Euro angelangt. Perspektivisch ist demnach eine Umsatzverdoppelung mit den vorhandenen Kapazitäten und Ressourcen machbar.
Gast ist sicher: Die Insolvenz war es letztlich, die das Unternehmen gerettet hat. „Wenn ich sehe, was wir jetzt machen können, dann war es die stressige Reise allemal wert.“