Lauter als der Tod: Organspendeinitiative aus Furth im Wald ein großer Erfolg

Von Alexander Frimberger · 25. Dezember 2025 um 05:00

Lauter als der Tod wollen sie sein und das sind sie: Vier junge Leute in Furth im Wald (Landkreis Cham) haben die Initiative Louder.than.death ins Leben gerufen, um für das überlebenswichtige Thema Organspende zu sensibilisieren. Jetzt stellen sich erste Erfolge ein. Sogar prominente Unterstützung von Starkoch Lucki Maurer hat man schon an Bord geholt.

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Rainer Plötz und Vincent Domröse sind zwei der Aktivisten und wissen genau, wovon sie sprechen. Das Leben von Domröse, der inzwischen wieder völlig gesund ist, stand lange auf der Kippe. Er ist dem Tod sprichwörtlich im letzten Moment von der Schippe gesprungen, als er eine Spenderleber bekommen hat. Weniger gut geht es Plötz.

Infostand bei Konzert

Die Bauchspeicheldrüse und die Nieren sind kaputt. Er muss sich jede Nacht an ein Dialysegerät anschließen, damit sich der Körper nicht selbst vergiftet. Viel zu lange schon wartet er auf einen Spender – und genau das ist der Punkt. Zusammen mit den Furthern Rebecca Bauer und Max Wild werben sie dafür, dass wirklich jeder einen Spenderausweis mit sich trägt.

Alle vier wollen, dass sich die Menschen mit dem Thema auseinandersetzten und dass letztlich in Zukunft gelten möge: Jeder ist Organspender, außer er lehnt es ausdrücklich ab. In einer groß angelegten Social Media-Kampagne haben sie unter anderem mit kleinen Videoclips auf sich aufmerksam gemacht.

Reichweite steigt

„Es ist der Wahnsinn, wie viele das begleitet haben“, sagt Domröse. Die Klickzahlen gehen demnach durch die Decke, jeder unterstütze das. Influenzer sind bereits auf sie aufmerksam geworden, die Reichweite steigt, auch Geldspenden hat es schon gegeben. Gerade hat man im Rathaus von Furth im Wald nachgefragt, wie es mit der Mitnahme von Spenderausweisen aussieht. Die Information dazu lautet, sie hätten jahrelang unbeachtet dort gelegen. Inzwischen sind sie weg, neue mussten bestellt werden.

Vor kurzem fand im Klub L.A. in Cham das zehnjährige Bandjubiläum der Heavy-Metaller von „Heartless Day“ statt. Plötz ist Gründungsmitglied, kann aufgrund seiner Erkrankung nicht dauerhaft am Schlagzeug sitzen. Für einen Song hat die Kraft allerdings gereicht.

„Wir haben gute Gespräche geführt“

Ein Infostand war im Eingangsbereich aufgestellt. Zunächst war die Befürchtung, es würde sich niemand interessieren. Das war allerdings ein Irrtum. „Es sind wahnsinnig viele Leute dagestanden, die gar nichts mit dem Thema zu tun haben“, sagen die beiden Aktivisten und ergänzen: „Wir haben gute Gespräche geführt.“

Die Leute stellen dabei auch kritische Fragen. Das finden beide gut, weil man die bei solchen Gelegenheiten auch beantworten kann. Weniger schön sind negative Postings unter Instagram- oder Facebook-Einträgen. Da schreibt einer zum Beispiel Plötz: „Durch den Tablettenkonsum haben Sie die Niere innerhalb von sechs Jahren komplett zerstört. Glückwunsch, wie Sie auf die Pharmaindustrie reingefallen sind.“ Das ist natürlich Unsinn. Die Frage ist, wie man mit solchen Kommentaren umgeht. Auf jeden Fall beantworten, finden Domröse und Plötz, man müsse solche Falschinformationen ausräumen, damit nichts hängen bleibt.

Was regional also schon gut klappt, soll sich bundesweit verbreiten. Erste Kontakte sind geknüpft, da ist auch das Thema Musik ein Türöffner: Lucki Maurer, vielen als Spitzenkoch mit TV-Karriere bekannt, ist Frontman der Band „Seasons in Black“. Daher kennt man sich. Maurer, der selbst zwei Krebserkrankungen überstanden hat, ist für Themen dieser Art natürlich sensibilisiert. Er will sich für Louder.than.death stark machen. Auch Stefan Schwartze, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, wurde bereits informiert. Einiges ist also schon in die Wege geleitet, das Ziel ist freilich noch nicht erreicht. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Domröse.

Nahbar und authentisch

Trotzdem: Der tolle Erfolg in relativ kurzer Zeit ist schon erstaunlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Thema Organspende in der öffentlichen Wahrnehmung bisher ein Schattendasein geführt hat. Woran das liegt, erklären sich die Beiden damit, dass sie dem Thema ein Gesicht gegeben haben. „Wir erzählen unsere Geschichten, sagen wie es uns gerade geht, sind nahbar und authentisch.

Hintergrund

Die vier Aktivisten wollen, dass in Deutschland wie in den meisten europäischen Ländern die Widerspruchsregelung eingeführt wird. Damit ist jeder grundsätzlich Organspender, außer er spricht sich im Spenderausweis dagegen aus.

Mit dieser Vorgehensweise würden die Wartezeiten für ein Organ sehr verkürzt.