Nach Feuer im Haflingerhof bei Nittenau wagt Familie Doll einen Neuanfang

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende – für die Familie Doll brachte es einen schweren Schicksalsschlag mit sich: Die meisten landwirtschaftlichen Gebäude ihres Haflingerhofs im Harthöfl bei Nittenau (Landkreis Schwandorf) brannten im August nieder. Und damit „unser Lebensmittelpunkt und das Herz des Hofes“, sagen Ina und Florian Doll, die inzwischen achte Generation am Betrieb.
„Der Alptraum hört nicht auf. Organisatorisch ist es ein Wahnsinn“, berichtet das Paar, das sofort in die Zukunft blickte und bereits am Tag nach dem Brand mit Aufräumarbeiten und Planungen begann. Die Direktvermarktung werde man aufgeben, doch der idyllisch gelegene Bio-Erlebnishof soll umgehend wieder aufgebaut werden – moderner und für die Zukunft gerüstet. Großen Trost spende der Familie die überwältigende Hilfsbereitschaft aus allen Richtungen.
Von Sirenen geweckt
Ende August wurden die Dolls kurz nach Mitternacht von Sirenen geweckt. Die Feuerwehr fuhr bereits in den Hof ein. „Meine Frau hat noch geschlafen. Ganz sachte habe ich sie angestupst und gesagt: Anita, der Stall brennt“, erinnert sich Seniorchef Georg Doll (72), der heute täglich rund 14 Stunden mithilft, den Haflingerhof wiederaufzubauen. „Für meinen Vater, der am Hof geboren wurde, ist es am schlimmsten. Er muss nun komplett neu anfangen“, sagt Florian Doll (42), während er Maschinen aus dem vom Löschwasser überfluteten Keller trägt. „Unsere Vorfahren haben jahrhundertelang jeden Nagel eigenhändig eingeschlagen – und innerhalb einer Nacht wurde alles zerstört.“

Tiere kamen um
In den ersten Stunden und Tagen nach der Katastrophe funktionierte die Familie nur noch, berichten die Dolls. Rund 250 Schweine liefen im brennenden Bereich umher, viele wurden Opfer der Flammen, ebenso einige Schafe. Die 14 Pferde flohen auf die Koppel. Als Ina Doll (40) aufwachte, war ihr Mann bereits im Schlafanzug zur Unglücksstelle geeilt. „Eine Stunde lang wusste ich nicht, wo er war und machte mir große Sorgen. Der Brand war das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, erinnert sich die Juniorchefin. Erst nach einigen Tagen sei das Ausmaß wirklich greifbar geworden.
Die Ursache des Feuers werde wohl nie vollständig aufgeklärt. „Die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt. Man vermutet einen technischen Defekt“, so Florian Doll. Zum Glück sei man zum Neuwert gut versichert.

Der Schaden ist enorm: Neben der Getreideernte wurden zahlreiche Gebäude zerstört – Deckzentrum, Mastschweinestall, das erst fünf Jahre alte Kühlhaus, Gerätehaus, Schlachthaus, Abferkelstall und der Getreidetrocknungsturm. Allein die Abrissarbeiten, die von September bis kurz vor Weihnachten dauerten, kosteten rund 200.000 Euro.
Die bürokratischen Aufgaben – Gespräche mit Versicherung und Gutachtern, das Einholen von Angeboten – seien „zeit- und nervenaufreibend“. Vor allem Seniorchefin Anita Doll kümmere sich darum. Gleichzeitig habe es an Unterstützung nie gefehlt: Viele Helfer nahmen Urlaub, die Landfrauen brachten wochenlang täglich warmes Essen für zehn bis zwanzig Personen. Über eine WhatsApp-Helfergruppe reicht bis heute eine kurze Nachricht – und die Helfer stehen bereit.
Auch Feriengäste halfen
Auch Handwerker aus der Umgebung sagten sofort ihre Hilfe zu. Selbst Feriengäste stornierten trotz des Brandes nicht, sondern packten mit an. „Stammgäste aus Berlin und Leipzig haben kurzfristig Urlaub genommen und kamen, um zu helfen. Teilweise haben sie in Zelten geschlafen“, erzählt Ina Doll. „Alle sagten: Auch nächstes Jahr kommen wir – erst recht.“
Ans Aufgeben habe man keine Sekunde gedacht, betonen Ina und Florian Doll. Glücklicherweise blieben die Wohnhäuser und das Gebäude mit den fünf Ferienwohnungen unversehrt, niemand wurde verletzt. Sämtliche zerstörten Gebäude sollen ab Anfang Januar wieder aufgebaut werden – moderner als zuvor, etwa mit einer Fütterungsanlage, die allerdings nicht von der Versicherung übernommen werde.
„Landrat Thomas Ebeling hat uns ein schnelles Genehmigungsverfahren versprochen“, sagt Florian Doll. Die Geflügelhaltung werde man aufgeben und den Hofladen nicht länger betreiben. Bereits im August 2026, so hoffen die Landwirte, könnten die ersten Schweine in den neuen Stall ziehen.
Weihnachten soll trotzdem schön werden
Weihnachten möchte die Familie trotz allem „schön wie immer“ feiern. „Die nächsten zwei Jahre werden schwer, doch wir blicken zuversichtlich in die Zukunft. Aber es ging uns schon mal besser. Wir machen uns viele Gedanken, wie es weitergeht“, so Doll.
Besonders Kraft gibt der Familie der sechsjähriger Sohn Simon, ein „Bauer durch und durch“. Er malt eifrig Pläne für die neuen Schweineställe. Sollte er den Hof eines Tages übernehmen – und dazu ist er bereits fest entschlossen – wird er, wie es aussieht, einen modernen, zukunftsorientierten Betrieb vorfinden.