Nach Schicksalsschlägen: Weihnachtshaus der Familie Ford in Maxhütte leuchtet nur gedämpft

Der ursprüngliche Sinn des Weihnachtsfests hat sich längst gewandelt. Für viele Menschen ist nicht mehr die Geburt von Jesus Christus der Grund zu feiern. Allerdings – Weihnachten als Fest der Familie, das Nach-Hause-Kommen , ist fest mit den kommenden Feiertagen verbunden. Der Verlust geliebter Menschen, die Lücken, die sie hinterlassen haben, der Schmerz, das wird an Weihnachten ganz besonders bewusst.
So ist im Hause Ford Weinachten diesmal wie immer – und doch ganz anders. Vor einigen Jahren war die Mittelbayerische hier schon einmal zu Gast. Denn Christine Ford, ja die ganze Familie, zu der zwei Töchter und ihr Mann zählen, hat ein ganz besonders Verhältnis zu dem christlichen Hochfest. das am „Weihnachtshaus“ in der Bürgermeister-Humbs-Straße sichtbar wird.
Erinnerung an den ersten Baum
Spricht man mit Christine Ford, erinnert sie sich an ihre ersten Weihnachtsfeste mit einem markanten Bild – dem Weihnachtsbaum. Bereits im Alter von vier bis fünf Jahren prägte sie der Anblick eines imposanten, reich geschmückten und beleuchteten Baums, eine Tradition, die durch ihren US-amerikanischen Stiefvater ins Elternhaus gebracht wurde. Neben Thanksgiving und Halloween entwickelte sich damit auch eine Vorliebe für ein farbenfrohes und festlich beleuchtetes Weihnachtsfest.
Das scheint äußerlich unverändert, wenn man am Haus vorbeigeht. Betritt man es und spricht mit Ford, dann sagt sie: „In diesem Jahr ist es ein emotional anderes Weihnachten“ und fügt hinzu: „Es muss ja weitergehen.“ Es ist ein Weitergehen nach drei Todesfällen in der Familie binnen eineinhalb Jahren. Begonnen hat alles im April 2023 mit ihrer Mutter, es folge im August 2024 der Stiefvater und im September dieses Jahres ihr einziger Bruder und „Herzensmensch“. Im Alter von nur 43 Jahren verstarb er an einem Bauchspeicheldrüsenkarzinom.
So versucht sie auf die Frage, wie es ihr damit geht, gar nicht mit irgendeinem Standardsatz zu antworten. Habe sie mit dem Tod der Eltern irgendwann rechnen müssen, dass nämlich der normale Gang des Lebens auch sie einmal treffen wird, so „waren die Krebsdiagnose und der Tod meines Bruders ein echter Schlag“.
Sieben Monate war sie für ihren Bruder da
Sieben Monate war sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für ihren Bruder da. „Ich konnte mich nicht abnabeln, nicht loslassen, und ich kann es auch jetzt noch nicht“, erzählt sie. Die Monate haben tiefe Spuren hinterlassen. Ärzte, die aus ihrer Sicht nur nach „Schublade“ behandelt haben, ein überforderter Pflegedienst, so dass sie am Ende die Pflege vollständig selbst übernahm.
Hilflos musste sie das Dahinsiechen ihres Bruders miterleben, einen Gewichtsverlust von 60 Kilo. „Trotzdem hat mein Bruder, mein großer Bruder, bis zur letzten Minute gekämpft.“ Sie erzählt von den Details der Pflege, in ihren Augen spiegeln sich die Anstrengungen dieser Zeit, die auch in der Stimme hörbar sind. Die Hilflosigkeit, der Frust, die Emotionen sind präsent. Der Kampf ihres Bruders galt auch der Hoffnung, noch einmal gemeinsam Weihnachten zu feiern. Denn auch ließ sich von der Faszination der Familie für das Weihnachtsfest anstecken. „Bis dahin wollte er durchhalten,“ sagt Ford.
Wegen der schnell fortschreitenden Erkrankung hat sie schon im September einen Baum besorgt, um die Feier vorzuverlegen. Allerdings bat sie ihr Bruder noch bis Oktober mit dessen Aufstellung zu warten. Zu spät für ihn.
Verpflichtung für die Kinder
Gerade deshalb ist für Ford Verpflichtung Weihnachten zumindest nach außen hin so zu feiern wie all die Jahre zuvor: mit dem Weihnachtshaus. „Es ist für ihn und die Kinder, die eigenen, wie die Kinder, die draußen mit glänzenden Augen vorbeigehen.“ Sie findet es schön, dass sich die Straße mit jedem Jahr ein wenig mehr in eine „Weihnachtsstraße verwandelt“ und die Nachbarn „mitziehen“.
Dieses Jahr, erzählt sie, war sie auf mehr Unterstützung beim Aufbau angewiesen als sonst. Der beginnt normalerweise im Oktober. Wegen einer Reha in Zusammenhang mit dem Tod ihres Bruders dauerte es jedoch bis Mitte November, bis alles losging. Helfende Hände, vor allem ihr Freundin Ute, die sie in der Reha kennenlernte, standen ihr zur Seite.
So leuchten derzeit allein außen an dem Gebäude rund 8000 LED, dazu kommen noch etliche Figuren. Dass es in ihr ganz anders aussieht, zeigt auch, dass ihr zweites großes Hobby, das mit Weihnachten verbunden ist, derzeit „wie blockiert“ ist. Seit Jahren baut sie Krippen und hofft irgendwann wieder einmal so weit zu sein.
Aufgebaut sind natürlich schon etliche. Zentral im Wohnzimmer steht ihre erste selbst gebaute Krippe. Es war die Krippe, die sie ihrem Bruder geschenkt hatte. Weihnachten, das zeigt die Geschichte von Ford, ist ein Außen und ein Innen. Für dieses Innen brauchen Menschen Hoffnung, und damit ist vielleicht doch der Kern des Weihnachtsfestes in seiner ursprünglichen Form präsent.