Besinnlich, lustig und nachdenklich: Hans Sigl begeistert mehr als 750 Fans in Schwandorf

Bekannte TV-Gesichter sind nicht so oft in Schwandorf zu Gast. Am Freitag war ein Star da, den man in ganz Deutschland und darüber hinaus kennt: „Bergdoktor“ Hans Sigl. Zweieinhalb Stunden begeisterte der TV-Arzt mit seiner weihnachtlich-musikalischen Lesung das Publikum. Dabei gab es auch Nachdenkliches zu hören.
Eine literarische Schlittenfahrt hatte Hans Sigl den Zuschauern mit seinem Programm „Weiße Weihnacht“ versprochen. Und der beliebte ZDF-Bergdoktor hielt Wort. Den Louis-Armstrong-Klassiker „What a wonderful World“ interpretierte der 56-Jährige mit weihnachtlichem Touch – und einer klasse Stimme. Spätestens als er den Kulthit mit der Zeile „Schwandorf what a wonderful thing“ abschloss, hatte er das Publikum auf seiner Seite.
Notenständer wurde zum Running-Gag
Auf der Bühne sorgten ein Weihnachtsbaum sowie ein großer Holzschlitten, der mit Geschenken beladen war, für weihnachtliche Atmosphäre. Den Holzschlitten hatte Veranstalter Michael Gradl vom Erdbeerhof Rester besorgt, wo er im Stodl stand. Ein so großer Schlitten wie in Schwandorf habe bei seiner Weihnachtstour noch nicht auf der Bühne gestanden, meinte Sigl am Rande der Veranstaltung.
Er sei „noch nie so wohlig aufgenommen“ worden wie in Schwandorf, lobte er schon zuvor die mehr als 750 Gäste in der Oberpfalzhalle. Die Zuschauer stimmten denn auch kräftig in den Weihnachtsklassiker „O Tannenbaum“ mit ein.
Überhaupt spielte Sigl immer wieder mit dem Publikum. Der Notenständer, der einem Gast in der vorderen Reihe die Sicht auf Hans Sigl verdeckte, wurde zum Running-Gag.

Auch den Handywahn nahm der beliebte Schauspieler auf die Schippe – so als er gestikulierend andeutete, wie wild auf einem Handy herumzuwischen und die Bilder vom Weihnachtsfest zu suchen. Das gipfelte in dem Appell, zu Weihnachten keine WhatsApp-Nachricht zu schreiben und auch nicht zu telefonieren, sondern die Leute selbst zu besuchen und zu fragen, wie es ihnen geht, und sie auch nach Hause einzuladen.
Mischung machte das Programm besonders
Das Besondere an Sigls Programm war aber die Mischung. Der 56-Jährige präsentierte dem Publikum nicht nur Klassiker der staden Zeit, sondern auch weniger Bekanntes. Die Texte und Geschichten waren mal humorvoll, mal besinnlich und auch mal nachdenklich. Ins Grübeln mag wohl der eine oder andere gekommen sein, als der Schauspieler davon sprach, dass dunkle Gestalten die Worte „Ausländer raus“ an eine Wand sprühen. Die „Ausländer“ beschlossen, tatsächlich das Land zu verlassen. So kehrte beispielsweise die Schokolade nach Ghana zurück, der Kaffee ging nach Uganda, Kenia und Lateinamerika, Ananas und Banane waren nun ebenfalls nicht mehr da.
Auch Hans Christian Andersens Märchen vom Tannenbaum regte zum Nachdenken an. Der dänische Dichter und Schriftsteller hatte diese Geschichte 1844 zusammen mit seinem deutlich bekannteren Märchen von der „Schneekönigin“ veröffentlicht. „Wenn Sie noch einen Weihnachtsbaum kaufen, denken Sie an die kleine Geschichte vom Weihnachtsbaum“, meinte Sigl, nachdem er das Märchen vorgetragen hatte.

Die absurd-komische „Geschichte vom Lametta“ und die mit KI geschriebene Story von den „vertauschten Geschenken“ sorgten ihrerseits für den humorvollen Part. Musikalisch nahm der 56-Jährige die Zuschauer mit ins „Winterwunderland“ und stimmte ebenso „Santa Claus is coming to town“ an. Bei den musikalischen Einlagen wurde Sigl von dem Pianisten Michael Armann, dem Bassisten Malte Tönißen und der Schlagzeugerin Almuth Lustig unterstützt. Nach zweieinhalb Stunden – das Programm fiel deutlich länger aus als geplant – spenden die mehr als 750 Gäste dem Schauspieler stehend Applaus. „Es war ein unglaubliches Fest mit Euch“, rief Sigl ihnen zu.
Schauspieler will gerne wiederkommen
Unter den Zuschauern sahen es viele genauso. Der Wackersdorfer Bürgermeister Thomas Falter hatte sich zusammen mit seiner Frau Elke und Tochter Johanna, die beide große Fans vom „Bergdoktor“ sind, das Programm angesehen. „Es hat uns sehr gut gefallen. Es war witzig und nachdenklich – die Kombination hat es ausgemacht“, meinte Falter. Auch Globus-Marktleiter Christof Judenmann fand den Auftritt „sehr kurzweilig“. Es sei eine „schöne Ablenkung im Weihnachtstrubel“ gewesen.
Michael Gradl zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden. Er überlege, Hans Sigl wieder einmal nach Schwandorf zu holen. Der „Bergdoktor“ habe ihm am Samstag geschrieben, dass er gerne wieder komme.