Führt eine Künstliche Intelligenz im Pfingstmord von Mintraching zur Wahrheit?

Rechtsmedizin, ein IT-Spezialist und Digital-Forensiker präsentieren im Indizienprozess vor dem Landgericht in Regensburg ihre Arbeit. Was sie herausgefunden haben, nährt neue Zweifel am Alibi des 51-Jährigen auf der Anklagebank, der im Mai 2023 seinen Onkel in Mintraching im Landkreis Regensburg mit einem Gipserbeil ermordet haben soll.
Auf ihrer Suche nach der Wahrheit setzen Ermittler nicht nur auf Verhöre, Fingerabdrücke, Telefonüberwachungen oder DNA – längst hat KI, Künstliche Intelligenz, auch in Regensburg Einzug gehalten. Was beispielsweise aus Videoaufnahmen in mittelmäßiger Auflösung heute rauszuholen ist, haben Gutachter im Prozess um den Pfingstmord von Mintraching präsentiert. Das nährt weitere Zweifel am Alibi des 51-Jährigen, der seinen Onkel getötet haben soll.
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Im Indizienprozess um das Verbrechen vom 27. Mai 2023 hatten zuletzt die Ermittler der Regensburger Kripo alles aus den Tisch gelegt, seit Dienstag haben nun die Sachverständigen das Wort. Der renommierte Rechtsmediziner Prof. Dr. Peter Betz machte den Anfang und bestätigte, dass ein im Kofferraum des Angeklagten sichergestelltes Gipserbeil allein aufgrund von Spuren auf der Haut des Opfers als Tatwaffe in Frage käme. „Das hat zusammengepasst.“ Tiefe Einblicke in die IT am Arbeitsplatz und das Handy des 51-Jährigen auf der Anklagebank gab dann ein Digital-Forensiker. Beispielsweise zu ChatGPT-Anfragen zu Luminol, einem Mittel der Spurensicherung, das Blutspuren wieder sichtbar macht, oder wie man Millionär wird.
Motive: Rache und Kränkung für gekündigt Wohnung?
Geld aber soll nach Überzeugung der Anklage in dem Fall keine Rolle beim Motiv gespielt haben. Vielmehr soll der Angeklagte aus Rache und Kränkung gemordet haben, weil das Opfer ihm die Wohnung gekündigt hatte und gedroht haben soll, ein Alibi zurückzuziehen. Denn der 51-Jährige steht nicht das erste Mal vor Gericht: 2021 wurde er wegen versuchten Mordes an seiner Ex-Frau angeklagt und freigesprochen. Ermittlungen wegen Stalkingvorwürfe liefen parallel dazu. Und die sind nun auch im aktuellen Prozess beleuchtet worden. Denn genau für einen der Vorfälle soll das Opfer dem Mann einst das Alibi gegeben haben.
Im Mordprozess gab es dazu neue Erkenntnisse: Der vermummte Mann, der 2022 vor dem Haus der Ex-Frau lauerte, war „höchstwahrscheinlich“ der 51-Jährige. Das stellte ein Gutachter anhand von Fotos fest, die Nachbarn einst gemacht hatten. Haltung und Gesicht stimmten mit den Bilder des Angeklagten überein, so der Spezialist. Genauso ordnete der forensische Sachverständige das Auto des Angeklagten ein, das eine Überwachungskamera am Tattag in Regensburg filmte. Wer in dem VW Polo saß, war nicht erkennbar, das Kennzeichen, das dank KI aus einem „Pixelhaufen“ als „R“ eingegrenzt wurde, lässt die Angaben des Mannes zumindest fragwürdig erscheinen. Er will nämlich Rad gefahren sein.
Mordermittler observierten den Angeklagten auf seinem Rad
Videos einer Haustürkamera unweit des Tatorts scheinen das laut dem Sachverständigen zu bestätigten – allerdings zu einer Zeit, wo der Angeklagte gar nicht mehr daheim gewesen sein will. Die Bewegungsanalyse sowie Details in der Haltung des Radfahrers und das E-Bike selbst würden klar auf ihn deuten, lautete die Bilanz. Als Vergleichsmaterial dienten dem Spezialisten aus München unter anderem Filmaufnahmen des Angeklagten, als ihn die Kripo observierte.
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Am Donnerstag geht der Prozess vor dem Schwurgericht mit weiteren Gutachtern weiter. Wie Vorsitzender Richter Thomas Polnik sagte, seien in der ersten Dezemberwoche Umplanungen nötig. Am Plan, spätestens am 19. Dezember ein Urteil zu fällen, ändere das aber vorerst nichts.