Versammlung mit Schlagabtausch: Pemflings Bürger sehen sich von geplanten Windrädern umzingelt

„Haben Sie eigentlich schon einmal ein Loch bei uns gegraben?“ bis zu „Wie soll ich meinen Kindern erklären, dass sie diese Windräder ein Leben lang anschauen müssen?“: Bei der Teilbürgerversammlung in der Stadthalle Cham ziehen die Bürger der Gemeinde Pemfling alle Register, um die Verantwortlichen ihren Unmut über die geplanten Windräder spüren zu lassen.
Nach der vierstündigen Informationsveranstaltung mit Vorträgen und einer darauffolgenden Diskussionsrunde am Montagabend sind die Zuhörer noch immer nicht vom Bau der elf Windräder überzeugt. Nur zwei der 150 Teilnehmern melden sich, als die Runde gefragt wird, wer nun befürworte, die Windräder zu bauen.
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14 Windräder im landkreis Cham geplant
Bis Ende 2028 sollen vier Windparks mit 14 Windrädern im Landkreis Cham entstehen. Während drei Anlagen davon in Michelsneukirchen-Schorndorf geplant sind, sollen die restlichen elf in Rötz, Rötz-Pemfling und Pemfling-Waffenbrunn gebaut werden.
Ziel ist es laut Landrat Franz Löffler, den Strom, den die Windkraftanlagen produzieren, zu verträglichen Preisen in der Region zu verkaufen. Allerdings hänge das Projekt noch von einer Förderung ab: „Bekommen wir die EEG-Einspeisevergütung nicht, dann ist das Projekt gestorben“, sagt Löffler. Die Teilnahme an der entsprechenden Ausschreibung sei derzeit für März 2026 geplant.
Andere Maßnahmen, wie beispielsweise die Eingrenzung der Windvorrangflächen, laufen aber schon mehrere Jahre. Für die Bürger der Gemeinde Pemfling ist es daher unverständlich, wieso sie erst jetzt informiert werden. „Wir sind schließlich die, die die Dinger vor der Haustür haben“, stellt einer von ihnen klar. Löffler rechtfertigt diese Entscheidung: „Wir wollten erst einen gewissen Grad an Planungsgrundlage vorweisen, bevor wir diskutieren.“ Er betont, dass die Informationsabende schon angedacht gewesen seien, bevor sich eine Bürgerinitiative geformt hatte.
Sein Publikum bleibt skeptisch. Auch, weil es für Teilbürgerversammlungen Einschränkungen gibt. Zutritt zum Saal der Stadthalle erhielten nur diejenigen, die Einladung und Ausweis vorzeigten. Löffler erklärt, dass bewusst nur Personen eingeladen worden seien, die im Umkreis von 1500 Metern zu den geplanten Anlagen wohnen. „Warum? Weil das die sind, die möglicherweise auch durch Lärm, Schall oder durch Schattenwurf betroffen sind.“
Planer der Windkraftanlagen müssen sich Fragenhagel stellen
Im Vergleich zur Teilbürgerversammlung in Rötz scheinen die Pemflinger ein deutlich härterer Knochen. Teils vorbereitet mit Notizen auf dem Tablet oder auf Papier treten einige der Zuhörer ans Mikrofon, um die Vertreter des Vorhabens regelrecht mit ihren Fragen, Vorwürfen und Gedanken zu den geplanten Windparks zu bombardieren. Von ihren Mitbürgern erhalten sie zumeist tosenden Applaus.
Die zentrale Frage, die einige der Bürger zu beschäftigen scheint: „Warum soll die Gemeinde Pemfling 37 Kommunen mit den elf von 14 Windkraftanlagen versorgen? Wir sind der Schuhabstreifer für den ganzen Landkreis Cham.“ Stattdessen fordern sie, die Anlagen auf mehrere Gemeinden zu verteilen. Für die Wahl des Standorts sei ein Katalog mit vielen Kriterien abgearbeitet worden. Die nun vorgesehenen Standorte hätten schlussendlich die Regionalwerke ausgewählt. Der Grund: „Die Windhöffigkeit und die Netzeinspeisung sprechen schon sehr für diese Variante“, erklärt Löffler.
Zudem seien die betroffenen Gemeinderäte befragt worden, wie sie zu den jeweiligen Flächen stünden. Dabei hätten sie Tabu-Zonen aussprechen können, die dann berücksichtigt worden wären. Aus diesem Grund ist für eine Bürgerin unklar, wieso die Gemeinderäte den Standort nahe des Baugebiets nicht abgelehnt wurden.
Als wir das im Gemeinderat behandelt haben, hat keiner damit gerechnet, dass in diesem Bereich überhaupt ein Windrad hinkommt. Damit wurde einstimmig beschlossen, diesen Vorschlag zu akzeptieren.Schriftführer des Pemflinger Gemeinderats
Dazu liefert der Schriftführer des Pemflinger Gemeinderats eine Erklärung: „Als wir das im Gemeinderat behandelt haben, hat keiner damit gerechnet, dass in diesem Bereich überhaupt ein Windrad hinkommt. Damit wurde einstimmig beschlossen, diesen Vorschlag zu akzeptieren.“ Das will die Bürgerinitiative „Eisiger Wind Landkreis Cham“ nicht so leicht hinnehmen. Sie will die aktuellen Planungen stoppen, weil sie die Heimat zerstörten und die künftigen Windräder nahe eines Wasserschutzgebiets stünden. Für den Bau der elf Windräder müssten Bäume abgeholzt werden, betont eines der Mitglieder. Außerdem leide die Artenvielfalt unter den Windkraftanlagen.
Auch wenn neue Bepflanzung geplant sei, wie Florian Franz von der Firma Bögl verspricht, dauere es bis zu 50 Jahre, bis ein Baum standfest sei, kommentiert ein anderer Bürger. Er habe Angst, dass das Erholungsgebiet, in dem viele Menschen spazieren gingen, zerstört wird. Er fragt sich: „Wir haben die Windräder vor der Haustür. Wie soll ich meinen Kindern erklären, dass sie die ein Leben lang anschauen müssen?“ Sarkastisch stellt ein Grafenkirchener klar: „Im Regenwald wird das Holz abgehackt und wir geben Milliarden dahin. Und unsere Bäume? Die hacken wir selber weg.“
Landrat Franz Löffler: Dialog nicht beendet
„Ich hätte so viele Fragen, dass ich eigentlich nicht weiß, wo ich anfangen soll“, setzt eine Frau an, als sie ins Mikrofon spricht. Zunächst fragt sie: „Haben sie schon einmal bei uns ein Loch gegraben?“ Ihrer Meinung gestalte sich das Bauvorhaben ohnehin schwierig, weil der Boden in diesem Gebiet mit Felsen und Steinen versetzt sei. Zudem habe sie zuletzt den Wind beobachtet: „Die letzten drei Wochen wären die Windkraftanlagen ungefähr einen halben Tag halbwegs sinnvoll gelaufen. Macht das überhaupt einen Sinn?“ Ob das zutreffe, zeigten die Boden- und Windgutachten, sagt Franz. Bei der Auswahl der Standorte sei außerdem die Windgüte berücksichtigt worden.
Nach weiteren Fragen wie zum Wertverlust der Immobilien, den Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und dem Abrieb der Rotorblätter, beendete Löffler den Abend. Einem besonders hartnäckigem Bürger versprach er, mit ihm in seine alte Heimat in Mecklenburg-Vorpommern zu fahren und sich die Windräder dort anzusehen. Dem Publikum sicherte er zu: „Wir führen einen Dialog, der heute nicht beendet ist.“
