ÖPNV: Der Landkreis Cham braucht Problemlösungen auf der ganzen (Bus-)Linie

Von Johannes Schiedermeier · 25. November 2025 um 13:44

Der Kreistag Cham bemüht sich um die Wiedererlangung der Kostenkontrolle im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Dabei geht es nicht nur um eine Deckelung bei 200 000 Euro, neue und digitale Tarife, oder Kürzungen bei den Zuschüssen. Es geht praktisch um die komplette Struktur. Für den Landkreis wird es immer schwieriger, die Pflichtaufgaben auf diesem Gebiet zu schultern. Nun hat der Kreistag dazu Beschlüsse gefasst.

Eine Arbeitsgruppe war über Monate damit beschäftigt, Vorschläge zu erarbeiten, die die jährlichen Kosten bei 200 000 Euro einfrieren sollen. Über das Ergebnis hat Thomas Ederer, der Chef der Mobilitätszentrale im Landkreis Cham, den Kreistag informiert. Dort wurden die neuen Tarife und die notwendigen Kürzungen einstimmig beschlossen.

Nun hat sich der Verkehrsausschuss mit dem Problem beschäftigt und die Mobilitätszentrale beauftragt, mehrere Möglichkeiten zu untersuchen: 1. Die Neugründung eines kommunalen Verkehrsunternehmens; 2. Den Erwerb eines bestehenden Verkehrsunternehmens; 3. Die Beteiligung an einem bestehenden Verkehrsunternehmen.

Schlankere Tarife

Die Deutschlandcard hat im Flächenlandkreis Cham zu keinem großen Mehrwert geführt, sagt Ederer. Die VLC-Tarife seien verschlankt und digitalisiert worden. Zudem habe der Kreistag pauschale Kürzungen bei den Ermäßigungen beschlossen. Die kostenlose Fahrradmitnahme ist davon aber nicht betroffen, wird aber beobachtet. Das Jedermann-Abo wird beibehalten und die Zehnerkarte.

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Neu hinzugekommen ist die Schülerferienkarte im Bereich des VLC. „Das ist vor allem für Schüler gut, die keinen Anspruch auf die Deutschlandcard haben.“ Alle weiteren Angebote wie Wochen- und Vario-Cards entfallen oder wurden vom Deutschland-Ticket abgelöst. „Wir werden das ein halbes Jahr beobachten und dann reagieren“, so Ederer. Der Chef der Mobilitätszentrale geht derzeit davon aus, dass so die 200 000 Euro-Deckelung eingehalten werden kann.

Der Chef der Mobilitätszentrale, Thomas Ederer, hat derzeit eine Reihe brisanter Fragen auf dem Tisch. Kann der Landkreis nach Regionalisierung bei Breitband und Strom auch den ÖPNV noch schultern? Gemeinsam mit dem Kreistag ist er auf der Suche nach Lösungen, die Fläche und Kosten decken. - Foto: Johannes Schiedermeier

Landrat Löffler bezeichnete dies als guten und einvernehmlichen Vorschlag. „Man hätte viele Wünsche, muss aber Vorschläge finden, die die wahren Bedürfnisse abdecken. Das wird erschwert durch einen steten Wandel“, so Michael Multerer (CSU). MdL Julian Preidl (FW) fragte an, welche Farbe die Ehrenamtscard haben müsse, um Ermäßigungen zu erhalten. „Es gelten alle Farben“, so der Landrat. Der Kreistag beschloss die Neuregelung einstimmig.

ÖPNV als Gesamtproblem

Vor Problemen steht der Landkreis im Öffentlichen Nahverkehr insgesamt, weil er Schülertransporte sicherstellen muss. Immer öfter können Busunternehmer diese Aufgabe nicht mehr eigenwirtschaftlich stemmen. Wenn dann aus wirtschaftlichen Gründen die Konzessionen zurückgegeben werden, bleibt der Landkreis auf seinem Beförderungsauftrag sitzen, so Landrat Franz Löffler: „Dann wird es teuer.“ Denn oft gebe es entweder keinen Interessenten, oder nur einen.

Schülerbeförderung ist Pflicht

Eine Taktung wie in Ballungsräumen werde weiterhin undenkbar bleiben, so der Landrat. Auch bei einer neuen Beförderungslösung werde der ÖPNV in der Fläche kein Selbstläufer werden. „Wir wollen keine Konkurrenz zu bestehenden Linien werden“, so Löffler. Es gehe lediglich um die Sicherstellung der Schülerbeförderung und der Grundbedürfnisse im ÖPNV des Landkreises.

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SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Kerscher (SPD) begrüßte es, dass das Thema auf die Tagesordnung kommt. Die Beschlussvorlage sei gut und ergebnisoffen. „Das Ergebnis schauen wir uns in Ruhe an und treffen die Entscheidung nach Sachkenntnis.“

CSU-Fraktionssprecher Karl Holmeier befürwortete das Vorgehen ebenfalls und lobte das bestehende Angebot. „Wir bereiten uns mit diesem Beschluss auf die Zukunft vor“, so Holmeier. „Wenn es schlechter wird, dann haben wir eine Alternative. Danke für diesen Mut.“ Der Kreistag beschloss das Vorgehen einstimmig.