„Warum genau vor meiner Haustür?“ Rötzer Bürger haben viele Fragen zu geplanten Windparks

Von Theresa Baumann · 18. November 2025 um 19:00

Seit das Wind-an-Land-Gesetz in Kraft getreten ist, sind die Bundesländer verpflichtet, bis 2032 1,8 Prozent ihrer Fläche für die Nutzung von Windenergie zur Verfügung zu stellen. Im Landkreis Cham entstehen bis 2027 vier Windparks mit insgesamt 14 Windrädern. „Aber wieso muss das Windrad jetzt genau vor meiner Haustür stehen?“ Fragen wie diese sollte die Teilbürgerversammlung im Rötzer Fürstenkasten am Montag klären.

„Ich hätte mir auch gewünscht, dass die drei verbliebenen Meiler noch länger im Atomkraft-Netz geblieben wären, aber den Ausstieg hat die damalige Bundesregierung so beschlossen“, stellt Landrat Franz Löffler klar. Ebenso erließ die Ampel-Koalition das Wind-an-Land-Gesetz Anfang 2023, um die Nutzung von erneuerbaren Energien, wie der Windkraft, in Deutschland weiter auszubauen. Demnach stelle sich für den Landkreis nun nicht die Frage, ob Windräder gebaut werden sollen, sondern wo sie gebaut werden, unterstreicht Löffler.

Weitere Anlagen bis 2032 geplant

Nur mit der Ausweisung von Vorrangflächen, also Gebieten, auf denen die Windräder unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien entstehen könnten, können die betroffenen Landkreise und Kommunen den Standort mitbestimmen. „Wenn wir keine Vorrangflächen ausweisen würden, dann ist die Windkraftanlage im gesamten Landkreis bei uns privilegiert und im Außenbereich zunehmend“, stellt Löffler klar.

Die Windparks, die bis 2027 entstehen, sollen an den Standorten Michelsneukirchen-Schorndorf, Rötz, Rötz-Pemfling und Pemfling-Waffenbrunn entstehen. Bis 2032 sollen weitere Anlagen gebaut und in Betrieb genommen werden.

Dieses Vorhaben stößt bei manchen Bürgern auf Widerstand. Zu Beginn der Veranstaltung versammelten sich 16 Personen vor dem Fürstenkasten, um sich gegen den Bau der Windräder auszusprechen, darunter auch der Schwandorfer Bundestagsabgeordnete der AfD Reinhard Mixl, so die Polizeiinspektion Waldmünchen. Nachdem die Gruppe keinen Zutritt zu der Veranstaltung erhielt, löste sie sich wieder auf. Mixl postete in den sozialen Netzwerken außerdem ein Protest-Video.

Kriterienkatalog für die Windkraft-Standorte angewandt

Auch wenn dieses Vorhaben einen Eingriff in das Landschaftsbild bedeute und bei den Anwohnern Ängste hervorrufe, habe das Projekt für die Bewohner des Landkreises Cham „immense Chancen“, wie Dr. Stefan Spindler, Bürgermeister von Rötz, erklärt. Mit der regionalen Stromproduktion könne ein niedriger und verlässlicher Strompreis erzielt werden. Außerdem könne mit den geplanten Anlagen ein Viertel des Stromverbrauchs der Zukunft selbst erzeugt werden, sagt Löffler.

Der Landrat betont: „Unser Ziel ist es, nicht mit den Windkraftanlagen viel Geld zu verdienen, sondern Strom ausschließlich in der Region zu verkaufen, ohne großen Gewinnaufschlag, zu verträglichen Preisen für die Wirtschaft und für die Bürger.“ Dennoch will Löffler den Betroffenen ihre Ängste nicht absprechen.

Zur Teilversammlung wurden daher alle Einwohner der Stadt Rötz eingeladen, die im Umkreis von 1500 Metern zu den geplanten Anlagen wohnen. Löffler erklärt: „Warum? Weil das die sind, die möglicherweise auch durch Lärm, Schall oder durch Schattenwurf betroffen sind.“ Und die zeigten sich sichtlich nicht erfreut, dass dieses Vorhaben in nächster Nähe umgesetzt werden soll. Die Beteiligung der Rötzer und Schönthaler an der Debatte im Anschluss an die Referenten war hoch.

Bezüglich der Sicherheit des Trinkwassers werden keine Experimente gemacht.Bürgermeister von Rötz

Doch zunächst ging es um die Faktoren, die ein Gebiet als Standort zulässig machen. Denn für den Bau einer solchen Anlage gebe es laut Dr. Ulrich Huber vom Landratsamt Cham einen konkreten Kriterienkatalog für die Auswahl. Wie kamen die Standorte also in die engere Auswahl? Zunächst seien drei zentrale Punkte wichtig, damit ein Gebiet für eine Windkraftanlage wirtschaftlich sei, sagt Huber: die Windhöffigkeit, die Erreichbarkeit des Baugebiets und der Zugang zum Stromnetz. Außerdem müsse beachtet werden, dass die Sichtungsflächen einen Abstand von 900 Metern zum Innenbereich von Ortschaften und 550 Metern zum Außenbereich einhielten.

Auch Gutachten zur Lärmbelästigung oder zum Schattenwurf auf die Anwesen der umliegenden Bürger müssen angefertigt werden. Wenn beispielsweise die Lautstärken-Belästigung nicht mehr tragbar sei, könne das zum Kipppunkt des Vorhabens führen. Außerdem konnten die Stadträte Tabu-Zonen für den Bau vorbringen. Der Rötzer Stadtrat regte im Februar 2023 beispielsweise an, das Gebiet um den Schwarzwihrberg mit der Ruine der Schwarzenburg und das Gebiet des Güttenbergs mit der Wallfahrtskirche als Potenzialfläche für Windenergie ausnehmen zu lassen. Im Juni 2025 empfahlen sie außerdem, die Wasserschutzgebiete auszunehmen. Spindler stellt klar: „Bezüglich der Sicherheit des Trinkwassers werden keine Experimente gemacht.“

Vorranggebieten für den Landkreis Cham bald einsehbar

Nach weiteren Berücksichtigungen wie dem Artenschutz, gibt es nach derzeitigem Stand 49 Vorrangflächen im Landkreis mit einer Gesamtfläche von etwa 3000 Hektar, die für dieses Vorhaben zur Verfügung stehen. Ulrich fügt hinzu: „Im Prinzip ist die Landkreis-Fläche wie ein Plätzchenteig ausgestochen worden.“

Unter der Berücksichtigung dieser vorgegebenen Kriterien gehe der Planungsverband nun davon aus, dass sich an diesem Stand nichts mehr signifikant ändern werde. Demnächst wolle das Landratsamt auf ihrer Homepage Animationen veröffentlichen, die zeigen, wie die Landschaft mit den Windrädern aussehen werden. Außerdem soll dort künftig eine Karte mit den Standorten der Windräder abrufbar sein.

Animation mit Blick in die Zukunft: So könnte es aussehen, wenn die geplanten Windräder installiert sind. Weitere Bewegtbilder aus verschiedenen Blickwinkeln will das Landratsamt bald bereitstellen. - Foto: Theresa Baumann

Fragen bei der Bürgerversammlung:

Wie laut sind die Windräder?

Karl Heinz Aschenbrenner von der Abteilung Bauwesen des Landratsamts Cham erklärt, dass vor Baubeginn diverse Gutachten durchgeführt werden müssten. Damit werde sichergestellt, dass der Schall der geplanten Windkraftanlagen für die Anwohner tragbar sei. Dabei dürften die Grenzwerte von 60 Dezibel am Tag und 45 Dezibel in der Nacht nicht überschritten werden.

Werden die bisher geplanten vier Windparks später unter Umständen noch erweitert?

Die bisher 14 geplanten Windräder sollen bis zum Jahr 2032 auf 20 bis 25 Anlagen aufgestockt werden. Allerdings sei auf den ausgewählten Standorten für das erste Bauvorhaben kein Platz für Nachverdichtung, stellt Martin Ritt ,Vorstand der Regionalwerke im Landkreis Cham, klar. Landrat Franz Löffler fügt hinzu: „Wir haben das Stand heute in diesem Gebiet nicht vor.“

Wie geht es weiter, wenn die 25 Jahre Laufzeit der Windkraftanlagen auslaufen?

Ritt erklärt: „Die Anlagen haben eine Laufzeit von 25 bis 30 Jahren. Danach müssen die Anlagen sogar zurückgebaut werden.“ Dabei werde nicht nur der „Turm“ sondern auch das Fundament, der Weg und die Leitungen komplett zurückgebaut. Dafür legt die Betreibergesellschaften der Windparks Geld zur Seite, um den Rückbau sicherzustellen.

Wie hoch ist der Wind-Verschleiß der Rotorblätter?

„Überall da, wo natürlich mechanische Beanspruchung da ist, findet Abrieb statt“, bestätigt Windkümmerer Sebastian Zirngibl von der Energieagentur Regensburg. Pro Anlage sei mit einem Abrieb von 2,74 Kilogramm zu rechnen. Bei einer Hochrechnung für alle 30 000 Anlagen in Deutschland komme er so zu einer Summe von 75 bis 80 Tonnen bei regelmäßige Wartung. Aber allein die Emissionen durch den Abrieb der Autoreifen verursachten in Deutschland pro Jahr 100 000 Tonnen.

Muss ein neues Umspannwerk in Marketsried gebaut werden?

Ritt erklärt: „Die Anlagen müssen an die Hochspannungsleitung angeschlossen werden.“ Dafür bestimme das Bayernwerk, ob die Leitungen diese Zusatzleistung aufnehmen könne. Klar ist, dass nicht alle elf Anlagen an das Umspannwerk in Rötz angeschlossen werden könnten. Deshalb hätten sie eine Alternative finden müssen, wo sie in das Netz reinkönnen. Dafür komme nur ein gewisser Bereich infrage mit sogenannten Eckmasten, weil diese statisch anders ausgebildet seien. Ritt bestätigt: „Es ist angedacht in diesem Bereich ein Einspeise-Umspannwerk zu errichten.“ Dennoch werden Alternativstandorte weiterhin geprüft.