So könnte Klardorf vor extremen Hochwasser geschützt werden

Wenn es ein extremes Hochwasser gäbe, dann wäre mindestens ein Drittel von Klardorf überflutet. Damit es nicht dazu kommt, plant das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden einen Hochwasserschutz für den Schwandorfer Ortsteil. Eine mögliche Variante wurde jetzt den Bürgern präsentiert. Bis die allerdings umgesetzt ist, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen.
Es waren nur wenige Klardorfer, die am Montagabend den Weg in den Konrad-Max-Kunz-Saal in der Oberpfalzhalle gefunden hatten. Und von denen, die da waren, hatte bisher niemand ein Hochwasser erlebt, bei dem die Häuser im Ort überflutet worden wären.
Das letzte extreme Hochwasser liegt mehr als 100 Jahre zurück. 1909 wurde der Ort zuletzt von Wasserfluten heimgesucht. Dass dies keine Garantie ist, dass das nicht wieder passieren könnte, dessen sind sich Wasserwirtschaftsamt und Stadt bewusst. Deshalb wird ein Hochwasserschutz geplant, der Klardorf vor einer möglichen Überflutung schützen könnte. Nach Abwägung mehrerer Möglichkeiten gibt es nun eine Vorzugsvariante. So könnte das Konzept aussehen.
Wolferlohgraben soll verlegt werden
Der Wolferlohgraben durchzieht Klardorf – Ortslage Zielheim – von Nordosten nach Südwesten und mündet schließlich in den Büchellohgraben. Künftig soll der Wolferlohgraben auf kürzesten Weg in den Büchellohgraben geleitet werden. Dafür soll der Verlauf unterhalb der Zielheimer Straße verändert werden. Es soll auch ein Schöpfwerk gebaut werden, um die Binnenentwässerung zu gewährleisten und einen Rückstau des Grabens zu verhindern.

Am bisherigen Verlauf des Wolferlohgrabens im Bereich der Mandelgasse soll eine Spundwand errichtet werden. Das Wasserwirtschaftsamt sieht darin die beste Möglichkeit, die Wohnhäuser an der Mandelgasse vor den Naab-Fluten zu schützen. So müssten auch die Bäume, die direkt am Graben stehen, nicht gefällt werden. Das WWA rechnet deshalb auch kaum mit Widerstand von Naturschützern. Für einen Deich bräuchte man deutlich mehr Fläche, erläuterte Matthias Haselbauer vom Ingenieurbüro Werner Consult.
Am Ortsausgang Brückenweg ist ein Deich vorgesehen
Während das WWA am Unterlauf des Wolferlohgrabens eine Spundwand bevorzugt, soll unterhalb der Einmündung in den Büchellohgraben ein Deich entstehen. Dort gibt es ausreichend Fläche, weshalb die Behörde auf die kostengünstigere Maßnahme setzt. Der Deich soll über den Brückenweg bis etwa zum Roidlweg führen. Das Bauwerk wird gut eineinhalb Meter höher sein als der jetzige Brückenweg, der in diesem Zuge erhöht werden soll.

Von dem früher geplanten mobilen Hochwasserschutz am Brückenweg hat das WWA Abstand genommen. Denn eine solche Barriere ist nach Einschätzung der Fachbehörden „kein hochwertiger Schutz“.
Straße Am Mühlgraben soll erhöht werden
Die Straße Am Mühlgraben soll im Bereich Roidlweg erhöht werden. Am Auslauf des Kammerweihergrabens, über den die zu erhöhende Straße führt, ist ebenfalls ein Schöpfwerk notwendig, um einen Rückstau zu vermeiden und die Binnenentwässerung zu gewährleisten.

An der Kreisstraße SAD2 soll es einen Bedarfsgraben geben
Geplant ist zudem ein Bedarfsgraben entlang der Kreisstraße SAD2, der bei Hochwasser oder Starkregen als Überlauf des Wolferloh- sowie des Ochsenweidgrabens dienen soll. Die Wassermassen würden dann entlang der Kreisstraße bis zum Büchellohgraben umgeleitet.

So sieht das weitere Vorgehen aus
Anfang 2026 soll der Vorentwurf baufachlich von der Regierung der Oberpfalz geprüft werden. Mit der Entwurfsplanung, also dem nächsten Planungsschritt, werde erst nach der Freigabe durch die Regierung begonnen. Laut WWA wird erst im Frühjahr klar sein, ob die dafür notwendigen Gelder zur Verfügung stehen.
In einem nächsten Schritt sollen die angedachten Maßnahmen präzisiert und mit jedem Hauseigentümer gesprochen werden. „Im Hinblick auf die knappen Finanzen und die Priorisierung im Stadtgebiet ist in Klardorf nicht mit einer zügigen Umsetzung zu rechnen“, sagte SPD-Stadtrat Andreas Weinmann. Die geplanten Maßnahmen würden aber für viele Anwohner zu einer deutlichen Verbesserung führen, ist sich der SPD-Politiker sicher.