Schwandorf leidet unter Leerständen – Hier drückt den Händlern am meisten der Schuh

Dass über die Leerstände in Schwandorf diskutiert wird, ist nicht neu. Jetzt hat die Debatte durch gleich zwei Veranstaltungen neuen Schwung bekommen. Erst am Montag beschäftigte sich der Stadtrat in einer aktuellen Stunde mit den Leerständen. Und am Donnerstag gab es in der Spitalkirche eine Diskussion zu diesem Thema mit Klaus Holetschek, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag. Dabei wurden mehrere Probleme angesprochen, unter denen Händler und Gewerbetreibende in der Innenstadt leiden.
Problem 1: Vor allem den Gastronomen fehlt das Personal
Hans Brunner von der gleichnamigen Patisserie am Marktplatz bestätigte, dass das fehlende Personal ein Hauptproblem für Gastronomen sei. Bei ihm sei eine Bewerberin gewesen, die statt 40 nur 25 Stunden in der Woche und auch nicht an den Wochenenden arbeiten wolle. Am Samstag haben die Brunners aber von 9 bis 17 Uhr und Sonntag von 12 bis 17 Uhr offen. Man könne auch „keine utopischen Gehälter zahlen“, so Brunner. Zuletzt hatten in Schwandorf das Restaurant Ganesha und die Pizzeria Portofino wegen Personalmangels geschlossen.
Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von MZ-Redakteur Jan Lange: Er findet, dass es in der Diskussion um die Leerstände in der Schwandorfer Innenstadt zu wenig Lösungsansätze gibt.
Problem 2: In Schwandorf sind die Mieten vielerorts zu hoch
Für Schwandorf gibt es keinen Mietspiegel. Jeder Vermieter könne die Miethöhe selbst festlegen, erklärte Immobilienmaklerin Sabriye Atas. Das habe oft zu hohe Mieten zur Folge, so ihre Einschätzung. Abhängig sei die Miethöhe von Zustand und Größe des Ladens, von der Ausstattung und von der Lage. Zwischen acht und zwölf Euro pro Quadratmeter könne man für Ladenlokale in guter Lage und der richtigen Größe verlangen, ist ihr Maklerkollege Michael Müllner überzeugt. In Einzelfällen könne der Quadratmeterpreis auch darüber oder darunter liegen.
Atas wünscht sich ein Umdenken der Eigentümer in Sachen Mieten. Denn es gebe viele Start-Ups, die gerne einen Laden anmieten würden, sich aber die Mieten nicht leisten könnten. „Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich die Leerstände sehe“, so Atas. Wenn ein Geschäft leer stehe, sei dies auch nicht von Vorteil für das gesamte Gebäude, das dadurch an Wert verliere.
Problem 3: In der Innenstadt müssten viele Gebäude modernisiert werden
Um neue Nutzer für leerstehende Geschäfte zu finden, müssten viele Gebäude modernisiert werden. Bekanntestes Beispiel ist das Meierhofer-Anwesen, das auch bei den beiden Veranstaltungen zur Sprache kam. Während Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) in der Stadtratssitzung keine Aussagen zum aktuellen Sachstand treffen konnte, erklärte sein Stellvertreter Andreas Wopperer (CSU) am Donnerstag, dass er vom Eigentümer der Immobilie erfahren habe, dass es seit Jahren keinen Kontakt mit der Stadt gegeben habe. „Das ist nicht ideal“, stand für den 2. Bürgermeister fest.
Wopperer wies darauf hin, dass es ein kommunales Förderprogramm gebe, mit dem Sanierungs- und Gestaltungsmaßnahmen in der Innenstadt unterstützt werden sollen. Das jährliche Budget in Höhe von 150 000 Euro werde aber laut Wopperer „nicht ansatzweise ausgeschöpft“. Michael Müllner kann die Zurückhaltung verstehen: Für viele Eigentümer würden Aufwand und Nutzen einer solchen Förderung in keinem Verhältnis stehen.

Problem 4: Viele Immobilien befinden sich in privater Hand
Der Stadt sind in vielen Fällen die Hände gebunden, da sich die Immobilien in privatem Eigentum befinden. Einem Ankauf von Immobilien durch die Stadt erteilte Wopperer ein klares Nein. Die Schulden der Stadt seien schon jetzt hoch. Durch anstehende Projekte wie die neue Feuerwache, das Mittelschulzentrum oder der Umbau des Schmidt-Bräu-Areals werden noch weitere Schulden dazukommen. Während Schulen und Feuerwehren zu Schwandorfs Pflichtaufgaben gehören, sei der Ankauf von Immobilien keine Aufgabe der Stadt.
Stadt und Privateigentümer müssten mehr miteinander reden, wünschte sich Sabriye Atas. Wenn man etwas Positives machen wolle, dann müsse man das zusammen machen, lautete ein Appell von Andreas Wopperer in Richtung der Einzelhändler.
Problem 5: Zu viel Verkehr in der Innenstadt ist schlecht für die Aufenthaltsqualität
Seit Jahren wird in Schwandorf über eine Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße diskutiert. Befürworter finden, dass unter dem vielen Verkehr in der Innenstadt die Aufenthaltsqualität leiden würde. 2024 sollte es eine Testphase geben, die aber durch einen Mehrheitsbeschluss des Bauausschusses im Jahr zuvor verschoben wurde. Viele Einzelhändler halten eine Fußgängerzone für nicht zweckführend. So meinte Hans Brunner, dass der Durchgangsverkehr zwar „gefährlich“ sei, ein Dichtmachen hält der Gastronom aber für „noch gefährlicher“.