Friseurin mit Leib und Seele: Martina Wellner betreibt seit 30 Jahren Salon in Neunburg

Wie vielen Kunden sie schon zu einer schönen Frisur verholfen hat, kann Martina Wellner nicht sagen. Nach 30 Jahren im eigenen Salon ist das auch kein Wunder. 1995 hatte sich die Neunburger Friseurmeisterin selbstständig gemacht – und seitdem viel erlebt.
Begonnen hat alles im Friseursalon Braun an der Kollerstraße. Dort lernte Martina Wellner Mitte der 80er Jahre den perfekten Umgang mit Kamm und Schere. Während Branchenkollegen gern von sich behaupten, dass sie nichts anderes werden wollten als Friseurin, ist es bei der heute 56-Jährigen ein bisschen anders.
Als ihren Traumberuf sah sie das Haareschneiden damals nicht. Sie habe überall nach der Möglichkeit einer Ausbildung gesucht, blickt sie auf die Zeit vor 40 Jahren zurück. Durch eine Anzeige wurde sie auf den Salon in Neunburgs Vorstadt, den es heute immer noch gibt, aufmerksam. Die Stelle habe ihr auch gefallen, weil sie den Arbeitsplatz gut von zuhause aus erreichen konnte.
Entscheidung nie bereut
Was 1985 also eher durch einen Zufall ins Laufen kam, würde Martina Wellner heute nicht anders machen. Denn schnell begann sie, ihren Beruf zu lieben. Inzwischen kann man sie zweifellos als Friseurin mit Leib und Seele bezeichnen. Im Nachhinein betrachtet, habe sie die Entscheidung nie bereut, meint die Friseurmeisterin.

Das Gleiche gilt auch für Entschlüsse, die sie bezüglich ihres eigenen Salons getroffen hat, so wie beispielsweise den Umzug in die Bürgermeister-Sarg-Straße. An der Ecke zur Neukirchner Straße, in Nachbarschaft zum früheren Neunburger MZ-Büro, entstand 2019 ein Neubau mit vier Wohnungen und Friseurgeschäft im Erdgeschoss. Innerhalb von nicht einmal einem Jahr war das Gebäude fertiggestellt und die Wohnungen konnten als erstes bezogen werden. An Corona und einen wochenlangen Lockdown dachte zu diesem Zeitpunkt noch keiner.
Corona-Zwangspause für Umzug des Salons genutzt
Als die Friseure wenig später, im Frühjahr 2020, schließen mussten und auch Martina Wellner keine Haare mehr schneiden oder färben durfte, entschied sie sich, die Zwangspause für den Umzug ihres Salons zu nutzen.
Gott sei Dank habe ich gebaut, als die Preise noch niedrig waren.Martina Wellner
Eigentlich wollte sie erst etwas später einziehen, aber nun kam der Standortwechsel eher als gedacht. Es habe in dieser schweren Zeit durchaus auch Zweifel an der Entscheidung gegeben, sagt Martina Wellner. Aber heute ist sie mehr als froh, den Neubau vor sechs Jahren realisiert zu haben. „Gott sei Dank habe ich noch gebaut als die Preise niedriger waren“, meint sie mit Blick auf die mittlerweile stark angestiegenen Baukosten.
Fläche hat sich enorm vergrößert
Der Umzug in die Bürgermeister-Sarg-Straße war für die Friseurmeisterin bereits der zweite Ortswechsel. Ihren ersten eigenen Salon hatte sie in der Bahnhofstraße 1 betrieben. Dort waren Mitte der 90er Jahre eine Physiotherapie und ein Kosmetikstudio entstanden – und deren Betreiber suchten noch jemanden, der im gleichen Gebäude einen Friseursalon eröffnen wollte.
Da sich Martina Wellner schon einige Zeit mit dem Gedanken trug, etwas Eigenes aufzubauen, sah sie hier ihre Chance. 15 Jahre blieb sie in der Bahnhofstraße 1, 2010 wechselte sie dann in die Katzdorfer Straße 5. Mit dem damaligen Umzug hatte sich die Fläche ihres Salons fast verdreifacht – 140 statt wie vorher 50 Quadratmeter war er nun groß.
Mittlerweile gibt es sieben Mitarbeiter
Der jüngste Standortwechsel hatte weniger mit einer erneuten Vergrößerung zu tun, sondern vielmehr damit, dass sie mit ihrem Salon keine Mieterin mehr sein, sondern ihn im eigenen Haus betreiben wollte. Auf das passende Grundstück für den Neubau war sie durch eine Annonce gestoßen.
Auch Wellners Team wurde in der Zwischenzeit größer: Von anfangs einer Mitarbeiterin, die auch ihr 30-jähriges Betriebsjubiläum feiern kann, ist die Zahl der Angestellten auf sieben angewachsen. Zu den Mitarbeiterinnen gehört ebenso ihre zwölf Jahre jüngere Schwester, die bei ihr auch gelernt hat.
Viele ihrer Kunden haben die Umzüge mitgemacht und sind ihr die gesamten 30 Jahre treu geblieben. Dafür möchte sich Martina Wellner anlässlich des Geschäftsjubiläums mit einer Verlosung bedanken.
Endlich wieder Lehrlinge
Ihre Schwester war nicht die Einzige, der sie die Liebe zum Haareschneiden vermittelt hat. In den zurückliegenden 30 Jahren hat Martina Wellner einer Reihe Azubis das Rüstzeug für den Beruf des Friseurs mitgegeben. Gern hätte sie noch mehr junge Menschen ausgebildet, doch viele Jahre fand sie keinen Lehrling. Erst vor drei Jahren gab es wieder eine Bewerberin, die heuer ihre Ausbildung abgeschlossen hat und von der Neunburger Friseurmeisterin übernommen wurde. Im Sommer startete dann eine neue Auszubildende ihre Lehre.
Mal ist etwas mehr los im Salon, mal ist es etwas ruhiger. Mit ihrem Team könne sie dies gut ausgleichen, sagt die 56-Jährige. Auch in Neunburg würde es immer weniger Friseure geben – bei gleichzeitig steigender Einwohnerzahl.