Osram-Chef ist „hoffnungsvoll“, dass Beschäftigte aus Schwaben nach Regensburg umziehen

Bei der Quartalspressekonferenz am Dienstag hat sich der Vorstandsvorsitzende von ams Osram, Aldo Kamper, auch zur Verlagerung einer Abteilung in die Oberpfalz geäußert. Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert die Pläne.
Eigentlich war der Halbleiterhersteller ams Osram zuletzt wieder in etwas ruhigere Fahrwasser geraten. Zwar schreibt der Konzern weiter Verluste, die Tendenz ist aber durchaus positiv. Das geht auch aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal hervor. Eine geplante Werksschließung in Bayern sorgt aber für Proteste der Arbeitnehmervertreter – betroffen ist davon auch der Standort Regensburg des deutsch-österreichischen Unternehmens.
Wie der Konzern vor etwa einem Monat mitgeteilt hatte, soll das Osram-Werk in Schwabmünchen im Landkreis Augsburg bis Ende 2027 geschlossen werden. Der Schritt sei „leider unvermeidlich“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Aldo Kamper, am Dienstag in der Quartalspressekonferenz. Der Standort mit etwa 270 Beschäftigten produziert unter anderem spezielle Metallpulver für die Industrie. Ausschlaggebend für die Schließung seien Auftragsrückgänge sowie „ein zunehmender Kostendruck durch günstig produzierende Wettbewerber aus Asien“, hatte ams Osram im Oktober erklärt.
Kamper ist „hoffnungsvoll“
Für 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schwabmünchen bedeutet das Ende des Werks aber nicht unbedingt das Ende ihrer Arbeit für den Halbleiterkonzern. Die Entwicklung und Fertigung von LED-Leuchtstoffen – insbesondere Phosphor – soll nach Regensburg umziehen. „Das ist ein Bereich, der für uns dauerhaft wichtig ist“, sagte Kamper am Dienstag auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern. Regensburg gilt als Schlüsselstandort für das wichtige Leuchtdioden- und Lasergeschäft bei ams Osram. Eine Leuchtstoff-Abteilung gibt es dort bislang allerdings noch nicht.

Aktuell führe man Gespräche mit den Beschäftigten und versuche möglichst vielen den Umzug nach Regensburg schmackhaft zu machen. „Ich bin hoffnungsvoll, dass ein wesentlicher Teil der Mannschaft mitzieht“, sagte Kamper am Dienstag. Ihm zufolge setzt das Unternehmen unter anderem darauf, dass die Mitarbeiter auch die Chancen sehen, die die Einbindung ihrer Abteilung in ein großes LED-Werk bieten könne.
Kritik kommt von der Arbeitnehmerseite. In der vergangenen Woche hatten 150 Betriebsräte und Vertrauensleute verschiedener Standorte am Rande einer Aufsichtsratssitzung in München gegen die Pläne des Vorstands protestiert. Wie aus einer Mitteilung der IG Metall hervorgeht, erwarte man in Regensburg Stabilität und befürchte „eine weitere Überforderung des Standorts“. Mit Blick auf Schwabmünchen heißt es, das Unternehmen habe „zahlreiche Lösungsansätze des Betriebsrats und der Belegschaft zum Erhalt des Standorts ignoriert“.
Olga Redda, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg und Beauftragte der Gewerkschaft für den gesamten Konzern, sagte, man erkenne den Handlungsbedarf aufgrund der schwierigen Lage des Unternehmens an. „Doch die getroffenen Entscheidungen – insbesondere Standortschließungen und Stellenverlagerungen – gefährden aus unserer Sicht den gesamten Konzern und tausende Arbeitsplätze in Deutschland.“ Wie aus der Mitteilung der IG Metall hervorgeht, will das Unternehmen auch in Herbrechtingen bei Heidenheim in Baden-Württemberg 100 Stellen abbauen.
Goldpreis belastet Konzern
In Regensburg beschäftigt der Konzern aktuell 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Werk ist dem Unternehmen zufolge „der wichtigste Forschungs- und Entwicklungsstandort für optoelektronische Halbleiter in Europa“. Darunter fallen vor allem LEDs sowie Laser. Die entsprechende Sparte von ams Osram hat im dritten Quartal einen Umsatz von 365 Millionen Euro erzielt – allerdings ein Minus von vier Prozent zum Vorjahreszeitraum.
Auch insgesamt ist der Umsatz des Konzerns zurückgegangen: um drei Prozent auf 853 Millionen Euro. Damit lag der Wert aber in der oberen Hälfte der eigenen Prognose. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag im dritten Quartal wie auch im Vorjahreszeitraum bei 166 Millionen Euro.
Kamper sprach am Mittwoch von einem „guten Quartal“ in einem „weiterhin schwierigen Marktumfeld“. Für „Gegenwind“, wie der Vorstandschef es ausdrückte, hatten unter anderem der schwache US-Dollar und gestiegene Rohstoffkosten gesorgt. So bereitet aktuell der hohe Goldpreis dem Unternehmen Sorgen. Beispielsweise in Regensburg verbaue man „einiges an Gold“, sagte Kamper.