Trotz Automobilkrise: Weltweites Interesse an Osrams Digitalem Licht

Von Franziska Mahler · 17. September 2025 um 13:35

Fast ein Jahr ist es her, dass die Regensburger Osram-Forscher Dr. Norwin von Malm und Stefan Grötsch in Berlin den Deutschen Zukunftspreis vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier entgegen genommen haben. Mit dem Digitalen Licht haben sie eine vielseitig einsetzbare Technologie geschaffen, an der die Automobilindustrie trotz schwieriger Lage großes Interesse zeigt.

Rückblick: Zusammen mit Dr. Hermann Oppermann vom Fraunhofer IZM haben von Malm und Grötsch eine LED-Lichtquelle entwickelt, deren Licht man präzise und digital steuern kann. Damit das möglich ist, muss ein LED-Halbleiter-Chip in sehr viele kleine Segmente – sogenannte Pixel – unterteilt werden. Jeder Pixel muss einzeln ansteuerbar sein, um diesen an- und auszuschalten.

Mehr Licht, mehr Sicherheit auf der Straße

Anwendung findet die Technologie heute bei Autoscheinwerfern – genauer gesagt beim Eviyos System von ams Osram. Nachts ist man mit permanentem Fernlicht unterwegs. Kommt jemand entgegen, wird der Bereich, der den Gegenverkehr blenden würde, automatisch abgeschaltet. Außerdem ist es möglich, Symbole auf die Fahrbahn zu projizieren. Fängt es zum Beispiel an zu schneien, erkennen das die Sensoren des Fahrzeugs und es erscheint eine Schneeflocke als Frostwarnung auf der Straße.

Vergangenes Jahr hieß es, dass das Eviyos System in über 50 Automodellen eingeplant sei und ams Osram in den kommenden Jahren summiert einen Umsatz von 450 Millionen Euro einbringen werde. Doch wie sieht die Lage heute aus, zu einer Zeit, in der die Automobilbranche immer noch in einer Krise steckt?

Weltweit sind Automobilhersteller interessiert

Die Technologie habe „großen Anklang“ in der Autoindustrie gefunden, sagt Volker Gieritz, Pressesprecher von ams Osram. „Wir arbeiten derzeit an der nächsten Generation, die die aktuellen Erfahrungen der Autohersteller berücksichtigt. Weltweit sind Automobilhersteller an der Technologie interessiert.“

Regelmäßig werden neue Modelle mit dem System ausgestattet, so Gieritz. Schon jetzt sei es in Fahrzeugen auf dem europäischen und chinesischen Markt integriert: im VW Tiguan und Touareg, Opel Grandland sowie im Nio ET9.

„Wir retten damit Leben“

Von Malm zeigte sich anlässlich der Nominierung gegenüber der Mediengruppe Bayern zuversichtlich, dass die Scheinwerfer-Technologie für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen wird. „Wir retten damit Leben.“ Doch noch sei es zu früh, Auswirkungen im täglichen Fahrverhalten auszuwerten, so Gieritz. Aber beim ET9 von Nio verlängert die Technologie durch ihre hohe Leuchtkraft und den breiten Ausleuchtungsbereich zum Beispiel die Projektionsreichweite der Scheinwerfer von bisher 350 bis 400 auf 500 Meter. Das verbessere die Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten deutlich, sagt Gieritz.

Ebenso betont der Pressesprecher, dass das Digitale Licht durch Modelle wie dem Opel Grandland oder dem VW Tiguan mittlerweile im mittleren Marktsegment angekommen ist.

Die Technologie bietet aber auch Einsatzmöglichkeiten im Augmented- und Virtual-Reality-Bereich sowie in der optischen Datenkommunikation. Bis es entsprechende Angebote auf dem Markt gibt, werde es Gieritz zufolge noch ein paar Jahre dauern.

Stellenabbau bei ams Osram ist weitestgehend abgeschlossen

Doch der Gewinn des Zukunftspreises im vergangenen Jahr wurde auch von unschönen Nachrichten überschattet: Im November wurde klar, dass beim Halbleiterhersteller 500 Jobs gestrichen oder verlagert werden sollen. In Regensburg sollen 133 Arbeitsplätze wegfallen – neben der Verwaltung auch im Bereich der Entwicklung, Forschung und IT. Mittlerweile sei der angekündigte Stellenabbau weitestgehend abgeschlossen, so Gieritz.