Von der Kartlerkneipe zum Sternelokal: Der junge Wilde vom Roten Hahn feiert Jubiläum

Von Christian Eckl · 16. November 2025 um 10:00

Seit 450 Jahren gibt es in diesem Haus ein Wirtshaus. Und seit drei Generationen heißt der Wirt Maximilian mit Vornamen und Schmidt mit Nachnamen. Doch der Rote Hahn hat sich in diesen 75 Jahren verändert. Dass Maximilian Schmidt nunmehr der Dritte sein würde, der das Hotel und die Gastronomie im Herzen Regensburgs betreibt, das war nicht immer klar. „Aber ich liebe, was ich tue“, sagt der Koch, der den dritten Stern nach Regensburg gebracht hat.

Video ansehen

Video Stand Oktober 2021

„Das Haus atmet Geschichte, da war schon viel Leben“, erzählt Maximilian Schmidt. Kein Wunder, denn das Gasthaus „rothen Hahn“ gab der Roten-Hahnen-Gasse ihren Namen. Schon ab 1577 wurde hier kräftig gefeiert. Zur Zeit der Immerwährenden Reichstage ab 1663 dürfte der Rote Hahn auch eine Adresse gewesen sein, in der es so mancher Gesandte so richtig krachen ließ.

Als Maximilian Schmidt, der erste dieses Namens als Gastwirt, das Haus 1950 erwarb, sah Regensburg noch völlig anders aus. Während des Zweiten Weltkriegs war Schmidt senior, Jahrgang 1919, noch Wirt im Augustiner gewesen. Um das Haus von der Brauerei Kuchlbauer, die damals Geld brauchte, kaufen zu können, verkaufte Schmidts Großvater damals seine Wiesen in Regenstauf – dort, wo heute die Eckert-Schulen stehen.

Über Regensburg, mit Liebe: Dieses dicke Werk würdigt die schönste Stadt der Welt

Viele Wohnungen hatten im Nachkriegs-Regensburg keine eigenen Toiletten, die gab es nur etagenweise. Auch im Hotel, heute undenkbar, war das so. „Meine Großeltern hatten Fremdenzimmer, meine Oma hat das Frühstück gemacht. Da gab es genau abgezählte Semmeln und Butter.“ Man kann sich die Rauchschwaden kaum noch vorstellen, die über den dunklen Gaststätten-Möbeln schwebten. Damals war der Rote Hahn eine Gaststätte, in der sich vor allem die Kartenspieler getroffen haben. Der ein oder andere „Bierdimpfel“ wird damals schon dabei gewesen sein. „Als mein Vater 1983 übernahm, das hat er mir mal erzählt, musste er auch einige vor die Türe setzen, die dem Alkohol allzu sehr zugesprochen haben“, schmunzelt der junge Schmidt heute.

Sonntags saß man im Hahn

Die Ära seiner Eltern war geprägt von einer gutbürgerlichen Küche. Der Rote Hahn war eines jener Lokale, in das man gerne sonntags ging, um einen Schweinsbraten zu essen. Die Trennung der Eltern überlebte der Hahn. Monika Schmidt war lange Jahre das Gesicht der Gastgeber, während ihr Mann und spätere Ex-Mann die Küche schmiss. Zwei einschneidende Entscheidungen trafen die Eltern des heutigen Wirts: Zum einen bauten sie das Catering aus. Ein Durchbruch kam auch mit der Hochzeit von Maria Theresia von Thurn und Taxis mit ihrem heutigen Ehemann Hugo Wilson auf Schloss Garatshausen am Starnberger See. „Das war schon eine Nummer damals“, sagt der junge Schmidt heute. Bis heute ist das Catering ein wichtiges Standbein.

So sah der Eingang des Roten Hahns bis zur Sanierung im Jahr 2001 aus. - Foto: Familie Schmidt

Das Antico hat eröffnet – Neues Gastro-Herz für die Arch am Regensburger Haidplatz

Monika Schmidt, „früher eine fleißige Kirchgängerin“, wie ihr Sohn berichtet, kam durch den damaligen Pfarrer von St. Emmeram auf die Idee, zu catern. „Der Pfarrer sagte, sie hätten ein Treffen und bräuchten etwas zu essen – meine Mum sagte, das ist kein Problem.“

Zum zweiten ließen sie das Gebäude sanieren. „Für Archäologen muss das wirklich ein Paradies hier gewesen sein“, sagt Schmidt. Da steht er gerade im Keller und sucht eine der Magnum-Flaschen Wein für die Feier – oder im konkreten Fall eher für das Pressefoto – aus. Denn die Archäologen stießen bei den Sanierungsarbeiten damals auf die römischen Fundamente. Das Haus selbst geht auf das zehnte Jahrhundert zurück. Dass es 28 Hotelzimmer sind, sieht man dem Gebäude an der Front nicht an. Es wirkt kleiner.

Der kleine Max als Koch: Die Übernahme des Hahns war ihm in die Wiege gelegt. - Foto: Familie Schmidt

Der Stern zieht Hotelgäste an

Zum 70. Jubiläum der Familie Schmidt im Roten Hahn übernimmt die dritte Generation. Zuvor war der junge Koch durch Asien gereist und hatte sich in Sterneküchen angesehen, was es bedeutet, auf diesem Niveau zu kochen. Mit dabei war seine spätere Frau Laura. Heute hat das Paar eine kleine Tochter. „Sollten wir einen Sohn bekommen, dann werde ich die Tradition wohl fortsetzen“, sagt der Gastronom, der das früher mal etwas seltsam fand, dass es einen Maximilian in der Familie gibt, der den Betrieb übernimmt. „Heute finde ich das cool“, sagt Schmidt. 30 Mitarbeiter hat der Betrieb zwischenzeitlich, das ist etwas mehr, als seine Eltern dam als angestellt hatten.

Maximilian Schmidt übernahm den Roten Hahn 1983. Seine damalige Frau Monika lernte er im Bischofshof kennen. Heute ist das frühere Paar immer noch eng mit dem Roten Hahn verbunden. - Foto: Familie Schmidt

Aber mit dem Stern, den er sich erkochte, kamen natürlich auch ein paar Mitarbeiter hinzu. Einige davon arbeiteten auch bereits unter seinen Eltern im Roten Hahn. Dass es neben Schmidt noch mit dem Storstadt und dem Aska zwei weitere Sterne-Restaurants gibt, findet Schmidt super: „Das zieht noch mehr Leute nach Regensburg“, findet er. Konkurrenz sieht er nicht.

Am 22. November wird im Lokal gefeiert. Es sind noch Plätze frei für das spezielle Menü. Dafür, verspricht Schmidt, wird er die Küche seines Großvaters und seines Vaters ebenso servieren wie seine eigene.