„Hauen alles kaputt“: Löwen-Fans verwüsten Jahnstadion – Unterwegs mit dem Hausmeister

Daniel Dianow ist Hausmeister im Jahnstadion. Nach dem Hochrisiko-Duell des SSV Jahn Regensburg gegen die Münchner Löwen hat er alle Hände voll zu tun. Herausgerissene Sitzschalen müssen wieder eingebaut werden. Die Sanitäranlagen sehen übel aus. Wir haben Dianow bei der Arbeit begleitet.
Mit einem Handgriff öffnet Daniel Dianow die Dachluke. Er klimpert die Metalltreppe hoch und schon steht er da. Auf dem Dach des Jahnstadions. Neben Dianow türmt sich ein Alu-Monster aus Lüftungsschächten, Rohren und Kabelgeflechten auf. „Viel Technik. Hier bin ich gern“, sagt der 40-Jährige und blickt in die Ferne. Die Wolken hängen tief. „Sonst siehst du viel weiter. Bis nach Österreich, sag ich immer.“ Dianow lacht – und schaut Richtung Bayerwald. „Hier oben mache ich am liebsten Pause.“ Die Biertischgarnitur, die unter dem Vorsprung der Stadionfassade auf den Frühling wartet, zeugt davon.
„Vorsicht. Langsam runterfallen“, scherzt Dianow auf dem Weg nach unten. Er muss bei Wind und Wetter hoch aufs Dach. Er ist Stadionmeister – und hier oben ist nicht nur die Heizzentrale verbaut; das Notstromaggregat, das an Spieltagen sicherheitshalber läuft, muss für jeden Tagesbericht überprüft werden. „Sehen, riechen, hören“, darauf kommt es bei den täglichen Rundgängen an. Und natürlich auf Zählerstände, im Traforaum, in der Brandmeldezentrale und wo nicht überall.

Dianow, ein gelernter Elektriker, ist Mann der ersten Stunde. Als er seinen Dienst antrat, befand sich das Jahnstadion Regensburg (pardon, die Continental Arena, wenn nicht gar die Arena Regensburg) noch im Rohbau. „Ich bin ein Jahr lang über die Baustelle gelaufen und habe alles fotografiert“, erinnert sich der 40-Jährige, während er unten in der Hausmeister-Werkstatt am PC Platz nimmt.
Er kennt das Jahnstadion Regensburg wie seine Westentasche
Von seinem Fotoarchiv, feinsäuberlich abgespeichert, profitiert Dianow heute noch. Ein paar Klicks, und er weiß ganz genau, wo und wie Kabel oder Rohre in diesem oder jenem Raum verlegt worden sind. Das half beispielsweise, als die Rasenheizung mal ein Leck hatte.
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Flutlicht, Heizung, Jalousien oder eben Rasenheizung: Am Rechner in der kleinen Werkstatt lässt sich nahezu die komplette Technik im Jahnstadion steuern. „Alarmfrei“, checkt er kurz. „Das ist schon mal gut.“

Aber zurück zum Rasen: „Da mache ich ohne Absprache gar nichts. Der ist heilig“, sagt Dianow. Er ist heilfroh, dass sich die Greenkeeper des SSV Jahn Regensburg um das Geläuf kümmern. „Das ist eine Kunst für sich.“
Ob er denn Jahn-Fan ist? Die Frage drängt sich auf, schließlich klebt an der Werkstatttür ein HSV-Sticker. Dianow lacht. Den Aufkleber habe er für einen neuen Kollegen da hingepappt. „Natürlich bin ich Jahn-Fan!“ Muss er an Spieltagen nicht arbeiten, findet man ihn auch mal auf der Hans-Jakob-Tribüne. Mit dem ersten Drittel der Saison hadert er. „Schwierig, schwierig, schwierig.“ Der Kampf habe gefehlt. Nach der Gala gegen die Löwen sieht das natürlich anders aus. „Endlich mal der alte Jahn!“

Die Sechzger haben Dianow viel Arbeit eingebrockt. „Die hauen alles kaputt“, prophezeit er vor dem Hochrisiko-Duell. Und so kommt es auch: In den Sanitäranlagen ist alles, was nicht niet- und nagelfest ist, von der Wand getreten. Auf den Rängen mussten 32 Sitzschalen dran glauben. „Aber das hatten wir schon schlimmer.“
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Für die ganz Üblen hat die Polizei direkt am Stadion ein paar Zellen. „Als das Gebäude komplett neu war, hatte die Polizei noch keine Schlüssel. Da musste ich die Zellen immer aufsperren“, erzählt Dianow. Jetzt bekomme er da nicht mehr so viel mit.
Besondere Stellenausschreibung: „Held hinter den Kulissen“ gesucht – und gefunden
Anfangs war Dianow der einzige Stadionmeister, mittlerweile hat er vier Kollegen – und bekommt noch einen. Kürzlich hatte das Stadtwerk eine Stellenausschreibung online, suchte einen weiteren „Held hinter den Kulissen“. Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk berichtet von einer „Vielzahl an guten Bewerbungen“. Am 1. Dezember wird Dianows neuer Kollege seinen Dienst antreten.
Zu bereden wird es viel geben. Dianow hat in den zehn Jahren, die er in Oberisling arbeitet, einiges erlebt, weiß Gott nicht nur bei Jahn-Spielen. Die Arena an der A3 beherbergt täglich Veranstaltungen: Kongresse, Feiern, Messen oder Betriebsversammlungen. Einmal, als es bei einer Veranstaltung einen medizinischen Notfall gegeben hat, sei mitten auf dem Spielfeld ein Hubschrauber gelandet. „Ich glaube, das war so nicht ausgemacht“, sagt Dianow. Wie gesagt: Der Rasen ist heilig.

Heute sind mehrere Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu Gast. Die Stadionmeister betreuen die Veranstaltungen, organisieren Auf- und Abbau.
Jeder Tag ist anders. Jeden Tag sind andere Leute im Haus. Ich fahre immer noch jeden Tag gern hier her.Stadionmeister Daniel Dianow
Stippvisite. Dianow macht sich auf den Weg in den ersten Stock. Durch den Trakt, in dem der Jahn seine Büroräume hat, geht es vor zum Haupteingang. Ein kurzes Servus für SSV-Neuzugang Nicolas Oliveira, dann die Treppe hoch. Dort findet gerade eine Elektrotechnik-Messe statt. „Rednerpult, Verkabelung, Leinwand: Alles muss funktionieren“, erklärt Dianow.
Draußen, vor einer der Logen, fachsimpeln Männer in Anzügen. Auch Dianow geht auf die Tribüne und lässt den Blick schweifen. „Jeder Tag ist anders. Jeden Tag sind andere Leute im Haus. Ich fahre immer noch jeden Tag gern hier her“, sinniert der Undorfer, der mittlerweile in Schwandorf heimisch geworden ist. „Einen schöneren Arbeitsplatz gibt es nicht.“