„Weiß nicht, wann ich zum letzten Mal so viel Spaß hatte“: SSV Jahn überzeugt gegen die Löwen

Mit einer leidenschaftlichen und spielstarken Vorstellung hat Fußball-Drittligist SSV Jahn Regensburg im Duell mit dem TSV 1860 München ein Ausrufezeichen gesetzt. Beim klaren 4:0-Heimsieg vor ausverkauftem Haus überzeugte die Mannschaft von Interimscoach Munier Raychouni auf ganzer Linie – und sorgte im Jahnstadion für ausgelassene Jubelstimmung.
Die Freude bei den Jahn-Profis und Verantwortlichen kannte im Kabinentrakt keine Grenzen. „Völlig losgelöst“, dröhnte Peter Schillings Major Tom aus der Kabine der Oberpfälzer. Und tatsächlich fasst das die Vorstellung der Regensburger gegen die Münchner Löwen ganz gut zusammen. Einen solchen Auftritt hat das Jahnstadion lange nicht mehr gesehen. „Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal so viel Spaß hatte“, kramte auch ein lächelnder Noel Eichinger in seinem Privatarchiv. Eichinger zählte einmal mehr zu den überragenden Akteuren bei den Regensburgern.
Ich war schon ein bisschen nervös, dass wir so viele Torchancen nicht genutzt haben.Wimmer-Vertreter Munier Raychouni über die erste Halbzeit
Besonders die Art und Weise, mit der die Oberpfälzer die Gäste, die vor wenigen Monaten an selber Stelle ein Testspiel noch genauso klar und verdient mit 4:0 gewonnen hatten. Von Beginn an zeigte der Jahn einen hochmotivierten Auftritt und kam durch Benedikt Bauer schon in der 2. Spielminute zum ersten Abschluss. Nach fünf Minuten hatte das Team von Munier Raychouni, der den gesperrten Michael Wimmer an der Seitenlinie vertrat, schon die erste Großchance. Toll eingesetzt von Noel Eichinger machte Lucas Hermes zunächst vieles richtig, vergab aber letztlich. Nach zehn Minuten klatschte dann ein Versuch von Benedikt Bauer an die Latte. „Ich war schon ein bisschen nervös, dass wir so viele Torchancen nicht genutzt haben“, gab Raychouni, der Wimmer auch nach dem Spiel weiter vertrat, unumwunden zu. Im Nachhinein unbegründet.
Dosenöffner Hermes
Nach 32 Minuten brach Lucas Hermes, der wenige Minuten zuvor schon aus dem Abseits heraus ein Tor erzielt hatte, endlich den Bann. Vorangegangen war ein schönes Zusammenspiel von Sebastian Stolze und Noel Eichinger, der Hermes dann bediente. „Wir hätten es uns nicht besser vorstellen können, als 4:0 zu gewinnen. Abgesehen vom Ergebnis, also, dass es so deutlich ausgegangen ist, fand ich, dass wir wirklich ein überragendes Spiel gemacht haben, vor allem in der ersten Halbzeit“, sagte Dosenöffner Hermes nach dem Spiel. Nach ihm trafen Leopold Wurm nach einer Ecke(75.), Noel Eichinger per Elfmeter (81.) und Joker Philipp Müller (86.).
Wir haben das Spiel mit einem Liveticker begleitet. Sie finden ihn hier zum Nachlesen.
Von den Löwen hingegen kam über das ganze Spiel wenig. In der ersten Halbzeit waren ein Abschluss von David Philipp nach einem Konter (19.) und ein Schuss von Marvin Rittmüller, der deutlich drüberflog, die einzig wirklich nennenswerten Offensiv-Versuche der Gäste. In Halbzeit zwei hatte der Jahn Glück, dass Sigurd Haugen nach einer Ecke nur die Latte traf (61.), gefährlicher wurde es aber auf Seiten der Gäste nicht.
Vor allem nach so einem Spiel letzte Woche tut es jedem Einzelnen unfassbar gut, so ein deutliches Ergebnis an den Tag zu legen.Noel Eichinger über die Bedeutung des klaren Sieges
Und so steht unter dem Strich etwas, das man nach einem redlich erkämpften 3:2-Heimsieg gegen den VfB II und einer bitteren Niederlage gegen Erzgebirge Aue als Befreiungsschlag bezeichnen kann. „So ein Spiel ist für die Kabine natürlich super, für uns als Team super“, so Raychouni. Noel Eichinger pflichtete ihm bei: „Es war keine leichte Phase die letzten Wochen. Vor allem nach so einem Spiel letzte Woche tut es jedem Einzelnen unfassbar gut, so ein deutliches Ergebnis an den Tag zu legen.“
Angesprochen auf die besondere Situation an der Seitenlinie sagt Eichinger, dass es zwar anders sei, wenn nicht Cheftrainer Michael Wimmer außen stehe, aber keineswegs schlechter: „Wir werden über die ganze Woche schon top eingestellt und dann setzen wir das einfach um. Egal, wer an der Seitenlinie steht“, so Eichinger.
Neues Erfolgsmodell?
Dennoch: Zwei Spiele – einmal krank, nun gesperrt – musste Wimmer von der Tribüne beobachten, zwei Mal gewann der Jahn unter der Ägide von Munier Raychouni. Ein Erfolgsmodell? Der Wimmer-Co antwortet mit einem Lächeln gekonnt an der Frage vorbei: „Man sieht ja ganz klar, dass wir gut arbeiten, gut trainieren und dass es einfach auch stimmig ist im Trainerteam“, so Raychouni, der ergänzt: „Dann ist es einfach auch so, dass wir uns so gut vorbereiten, dass es am Ende für mich dann auch nicht mehr schwer ist.“
Ich weiß es noch nicht, aber ich denke mal, das ist alles nicht so schlimm.Munier Raychouni mit Blick auf die ausgewechselten Bene Saller und Robin Ziegele
Zwei kleine Wermutstropfen gab es beim Jahn, der am Freitag im Landespokal bei Ligakonkurrent FC Ingolstadt (18.30 Uhr) ran muss. Robin Ziegele und Benedikt Saller mussten verletzt ausgewechselt werden. „Ich weiß es noch nicht, aber ich denke mal, das ist alles nicht so schlimm“, gibt Raychouni unter Vorbehalt Entwarnung.