„Absoluter Glücksfall“ für den Jahn und Regensburg: Edelfan blickt auf zehn Jahre Stadion-Geschichte

Zehn Jahre wird das Jahnstadion Regensburg in diesen Tagen alt. Einer, der kaum ein Spiel dort verpasst hat, ordnet die Wichtigkeit der Arena für den SSV und auch ganz Regensburg ein.
Ob die auch in Riedlhütte waren? Diese Frage stellt sich Gerhard Schnurrer oft, wenn er die jugendlichen Hardcore-Fans sieht, die so tun, als seien sie die einzigen wahren Unterstützer des SSV Jahn. In Riedlhütte waren die natürlich nicht. Denn als der Jahn 1998 in derselben Liga wie dieser Bayerwald-Dorfverein gekickt hat, waren die meisten Wortführer von heute noch gar nicht auf der Welt. Schnurrer aber hat den SSV dort (verlieren) gesehen, ebenso wie in Kötzting oder auch in Kiel. Denn er ist seit Jahrzehnten ein „Allesfahrer“, egal in welcher Spielklasse.
„In den ersten drei Ligen fehlen mir aktuell nur der neue Tivoli in Aachen und das Eilenriedestadion in Hannover, wohin TSV Havelse für seine Heimspiele ausweichen muss. Aber die lerne ich ja beide in der neuen Saison kennen“, sagt der frisch gebackene Rentner. Er weiß also über jede relevante Fußball-Arena in Deutschland Bescheid – wo ordnet er in diesem Zusammenhang das Jahnstadion Regensburg ein, das in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag feiert?
„Entgegenkommender als die Stadt kann man nicht sein“
Zur Beantwortung dieser Frage muss Schnurrer zwangsläufig den Vergleich mit dem alten „Jahnplatz“ an der Prüfeninger Straße heranziehen: „Hier hätte Profi-Fußball in Regensburg niemals auf Dauer eine Chance gehabt. Man konnte sich immer nur mehr schlecht als recht durch die 3. Liga mogeln, weil die Möglichkeiten im Hinblick auf Sponsoren- und Zuschauereinnahmen einfach begrenzt waren.“
Erst mit dem neuen Stadion, in dem er seit der Eröffnung keine fünf Spiele verpasst hat, sei die wirtschaftliche Konsolidierung und gesellschaftliche Etablierung des einstigen Chaos-Klubs möglich geworden. „Insofern ist der Bau natürlich ein absoluter Glücksfall“, legt sich der 65-Jährige fest und weiß auch, wem dies zu verdanken ist: „Entgegenkommender als die Stadt Regensburg kann man gar nicht sein. Erst mit der Entscheidung für den Bau, jetzt mit den Mietkonditionen. Andere Städte wie Offenbach, Essen, Duisburg oder Aachen machen es da ihren Vereinen deutlich schwerer.“
Da kann man bauen, was man will – doch am Ende entscheidet ein einziges Tor über alles.
Gerhard Schnurrer, Edelfan
Doch dieses Engagement für den Profi-Fußball bringt etwas, davon ist Schnurrer überzeugt. Er verweist dazu auf die oft 2000 oder mehr Auswärtsfans, die nach Regensburg kommen. Weil sich auch in der 3. Liga reichlich Traditionsvereine mit reisefreudigem Anhang tummeln, wird der jüngste Abstieg nicht viel daran ändern. „Und diese Leute lassen ja massig Geld hier, vor allem in der Gastronomie. Viele übernachten auch. Ich glaube daher schon, dass sich der Rückfluss sehen lassen kann.“
Aber was ist jetzt mit dem zehn Jahre alten Stadion selbst, gefällt es ihm? „Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, würde ich eine Drei plus nehmen“, sagt er. Das klingt jetzt nicht gerade euphorisch. Aber man muss dazu wissen, dass Schnurrer erstens ein kritischer Mensch ist und sich zweitens als „Nostalgiker“ bezeichnet. Sein Maßstab sind die alten, oft direkt an Wohnhäuser angrenzenden Grounds in England oder die weltberühmte „Bombonera“ in Buenos Aires. Zu diesem Sehnsuchtsort aller Fußball-Liebhaber ist er erst im April gepilgert.
Ein atmosphärischer Quantensprung
Wirklich faire Vergleiche lassen sich zu den zahlreichen anderen kleinen bis mittelgroßen Arenen ziehen, die überall im Land ungefähr zeitgleich mit dem neuen Jahnstadion entstanden sind. Und da muss sich der Regensburger Bau „auf keinen Fall verstecken“, betont der Edelfan. Vor allem atmosphärisch überzeugt ihn die Oberislinger Sportstätte, denn das typische Dauergranteln von der Prüfeninger Straße ist nicht hierhin mit umgezogen. „Die Leute aus ganz Ostbayern stehen jetzt unwahrscheinlich hinter dem Jahn. Sogar in der letzten Katastrophensaison gab es mehr Wohlwollen als Protest und der Zuschauerschnitt war so hoch wie nie.“
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Schnurrer weiß noch genau, wann diese Zuneigung erstmals ihre ganze positive Wucht entfaltet hat: am 29. Mai 2016 in der Drittliga-Relegation gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg. Wenn dieses wohl wichtigste Spiel in der jüngeren Vergangenheit des SSV nicht 2:0, sondern 2:1 ausgegangen wäre, wäre der Jahn in der Regionalliga versauert und würde heute vielleicht gar nicht mehr in seiner gewohnten Form existieren. Das nagelneue Jahnstadion wäre damit eine zig Millionen schwere Investitionsruine geworden.
„Da kann man bauen, was man will – doch am Ende entscheidet ein einziges Tor über alles“, denkt Schnurrer an diesen schicksalhaften Tag zurück. Er ist froh, dass es damals gut ausgegangen ist. Und er freut sich schon auf die neue Saison. Wie immer seit 1985 hat er eine Dauerkarte, für seinen Stammplatz im Block W3.