Wusste davon nichts: Regensburger Schlagerstar 40 Jahre nach Grand-Prix-Erfolg wieder im TV

In den 80ern Deutschlands Grand-Prix-Held und Mädchenschwarm, später Selfmade-Millionär und „Friseurkettenkönig“ in Amerika: Der Regensburger Rainer Hoeglmeier hat schon viel erlebt. Anfang der Woche flimmerte seine Geschichte über den Fernsehbildschirm – doch davon hat der Auswanderer gar nichts mitbekommen. Ein Anruf in den Staaten.
Ein Hallo, dann bricht es schon aus Hoeglmeier raus: „Regensburg fehlt mir.“ Schnell schwelgt er in Erinnerungen. Der 63-Jährige erzählt von seiner Konditor-Lehre in Regensburg und seiner eigenen Gürtelfabrik in Haslbach, von frühen Kontakten zu Ralph Siegel und Günther Behrle – und natürlich vom großen Coup 1985.
Aber warum jetzt ein Anruf aus Regensburg? „Sie haben Goodbye Deutschland gesehen?“, ahnt er. So ist es. Am Montag zeigte VOX Hoeglmeier bei seinem Versuch, in Amerika noch einmal als Schlagerstar durchzustarten. Ganz taufrisch wirken die Aufnahmen nicht. Kein Wunder: „Oh, das ist schon länger her. Das Leben hat sich seitdem sehr geändert hier“, sagt Hoeglmeier. Es lief also eine Wiederholung.
Goodbye Deutschland: Regensburger will bei VOX noch einmal durchstarten
Erstmals wurde die Sendung im Jahr 2015 ausgestrahlt. „In der Region rund um Buffalo, wo die Niagara-Fälle die USA und Kanada verbinden, leben rund eine Million Menschen – unter ihnen ein deutscher Auswanderer, der Musikgeschichte geschrieben hat“, so moderierten die Fernsehmacher den Auswanderer aus Regensburg damals an.
Im Mai 1985 war Hoeglmeier im Alter von 23 Jahren quasi über Nacht zum Star geworden. Als Leadsänger der Castingband Wind vertrat er damals Deutschland beim Grand Prix in Göteborg – und sang sich vor 160 Millionen Zuschauern an den TV-Geräten mit dem Lied „Für alle“ überraschend auf Platz zwei. Ein neuer Stern am Schlagerhimmel. Hoeglmeier selbst war es, der ihn untergehen ließ. Zwei Monate nach dem Überraschungserfolg lernte er im Mexiko-Urlaub Kathy kennen. „Liebe auf den ersten Blick“, wie er bei VOX schwärmt.
Im September 1985 besuchte die Grundschullehrerin Hoeglmeier in Deutschland, begleitete ihn auf Tour. „Im Dezember waren wir verlobt, im März drauf verheiratet“, sagt er der MZ. Das erste Kind der beiden kam in Regensburg zur Welt. 1988 wanderte Hoeglmeier mit seiner jungen Familie aus. „Kathy wollte mich nur heiraten, wenn ich herziehe. Wenn man verliebt ist, fällt so ein Schritt nicht so schwer.“

Hoeglmeier ließ seine Karriere in Deutschland hinter sich, baute sich in Amerika eine andere auf. In den 90ern gründete er eine Internetfirma, arbeitete zudem jahrzehntelang für einen Haarkosmetik-Hersteller und stampfte später die Friseurkette „Bängs“ aus dem Boden. Als VOX den Auswanderer an Thanksgiving 2014 eine Woche lang begleitete, eröffnete der im Fernsehen als Millionär und „Friseurkettenkönig“ vorgestellte Hoeglmeier gerade seine sechste Filiale.
Ex-Schlagerstar bei Goodbye Deutschland: Dreh in Buffalo und Regensburg
Der Aufhänger für den Dreh war aber ein anderer. Hoeglmeier, der die Musik nie aufgegeben hat, arbeitete damals an einem neuen Album. Goodbye Deutschland? Eine gute Werbung, befand die Promoterin des Schlagersängers. Und so erzählt die Doku-Soap die Geschichte eines Geschäftsmanns, der noch einmal zurück will auf die ganz große Bühne. „Das war schon dick aufgetragen“, sagt Hoegleier heute und lacht. Gesehen hat er die Sendung übrigens nie.

Auch in Regensburg haben VOX und Hoeglmeier gedreht. Er besuchte das Grab seiner Mutter, sprach mit TVA über seine neue CD, machte in einem Trachtenladen Werbung für seine Person und traf in München einen alten Wind-Bandkollegen wieder. Am Ende der Sendung zeigt VOX Hoeglmeiers „großes Comeback“: In einem Brauhaus gibt er vor etwa 200 Leuten in seiner markant hohen Stimme das neue Lied „Bleib wie du bist“ zum Besten.
Grand-Prix-Held aus Regensburg: So lebt der Auswanderer heute
Und heute? „In der Region rund um Buffalo bin ich bekannt. So lange ich Fans habe, die mich hören wollen, mache ich weiter Musik“, sagt Hoeglmeier zur MZ. Auch sonst wirkt der 63-Jährige, ein dreifacher Opa, ziemlich zufrieden. „Meine ganze Familie wohnt bei uns in der Straße“, freut er sich.
Im Beruf – welcher das auch genau sein mag – bleibt der Regensburger umtriebig. Zwar hat sich die Friseurkette, die nunmehr aus drei Filialen besteht, halbiert; dafür hat Hoeglmeier zusammen mit seiner Frau eine Immobilienfirma aufgemacht. „Langweilig wird’s mir nie“, sagt er.
Das gilt auch in Sachen Musik. Kürzlich hat Hoeglmeier ein Weihnachtsalbum und zwei Singles aufgenommen. In Regensburg will er eines der Musikvideos drehen. Auf den Besuch daheim freut er sich schon.