Regensburger revolutionierte die Volksmusik: Günther Behrle und sein Hit „Patrona Bavariae“

Vor 35 Jahren schrieb Günther Behrle einen religiösen Hit. Die Idee kam ihm am Pool in den USA. Das Lied verkaufte sich 27 Millionen Mal. Ausgerechnet Franz-Josef Strauß lieferte ihm die zündende Idee für den Text.
Günther Behrles Tonstudio in der Luitpoldstraße wirkt wie ein Museum: An den Wänden wechseln sich goldene Schallplatten mit solchen aus Platin ab. Viele werden sich auch noch an das Format der Single-Schallplatte erinnern: An einer Wand in Behrles Studio hängen die Cover der Singles dicht an dicht gedrängt. Das Who-is-Who der Schlagerwelt ist dort präsent: Peter Alexander lächelt ebenso von gleich mehreren dieser Tonträger-Hüllen auf den Betrachter, Rex Gildo, Tony Marshall und Karel Gott geben sich dort ein Stelldichein. Heinos Haupthaar leuchtet semmelblond, das von Peggy March ebenso.
Für all diese Stars hat Behrle schon geschrieben. Doch ein Hit ist es, der den Regensburger Produzenten bis heute schwärmen lässt: „Patrona Bavariae“. Vor 35 Jahren rauschte das Lied in die deutschen Volksmusik-Charts – und brach alle Rekorde. „Das Lied allein wurde 27 Millionen Mal verkauft“, schwärmt Behrle noch heute. Dabei musste der Regensburger, der sich seine Ideen gerne bei zahlreichen Trips in den USA holte, gegen große Widerstände kämpfen.
Idee kam von Strauß-Flyer
„Ich lag am Pool in Kalifornien und habe in der Zeitung gelesen, dass religiöse Lieder im Kommen sind. Da dachte ich mir: Das mache ich auch“, sagt Behrle. „Und wenn Du eine Idee hast, musst Du auch den Mut haben, sie umzusetzen“, habe sein Freund Siegfried zu ihm immer gesagt – Behrle meint den legendären Magier Siegfried Fischbacher, der mit seinem Partner Roy Horn und den berühmten weißen Raubkatzen in Las Vegas eine legendäre Show aufführten. Behrle nahm sich den Mut.
1988 war Behrles Schicksalsjahr – aber nicht nur seines. Auf seinem Nachtkästchen lag ein Prospekt der CSU. Der damalige Landesvater Franz-Josef Strauß warb dort mit der Patrona Bavariae, der bayerischen Muttergottes, für seine Politik. Nachts ist ihm dann der Text zum Millionen-Hit eingefallen. Plötzlich war er da. „I hob amal a Madel g'habt/Des hat mi nimmer wolln/Koa Telefon, koa Brief von ihr/A Andrer hat mer's g'stohl'n“, so schrieb er es auf. Helfen sollte dem armen Verlassenen aus dem Lied dann eben jene „Patrona Bavariae“, die auch Strauß beschwor.
Wolfgang Edenharder und Will Seitz, das Original Naabtal Duo, kannte Behrle aus seinem Studio. Vor allem die tiefe Stimme Edenharders habe zu der Melodie des Liedes gut gepasst. Der Text war schon da – komponieren wollte die Musik dazu aber keiner. „Man hatte große Vorbehalte gegen religiöse Lieder“, erzählt Behrle heute. Er schrieb also auch die Musik zu dem Lied. Sein Ziel: Der Grand Prix der Volksmusik. Die Teilnahme des Lieds an dem Wettbewerb war aber nicht selbstverständlich. Die Aufnahme wurde rechtzeitig fertig, aber Behrle hatte vergessen, sie zur Post zu bringen. „Die Post am Bahnhof hat am Wochenende mittags geschlossen. Viertel vor 12 habe ich meine Frau losgeschickt, das Band bei der Post aufzugeben.“ Es stand Spitz auf Knopf. Doch das Band landete schließlich in der Post.
Beim deutschen Vorentscheid kam das Naabtal-Duo unter die ersten fünf. Beim Wettbewerb am 9. Juli in der Schweiz setzte sich das Lied des Regensburgers durch: Die Telefon-Abstimmung fiel für die Oberpfälzer und ihren Komponisten und Texter aus.„Patrona Bavariae wurde zum erfolgreichsten Lied in der Geschichte des volkstümlichen Schlagers“, heißt es bis heute im Wikipedia-Eintrag des Original Naabtal Duos. Dann ging es rasant: Bei Frank Elstner im ZDF sang das Duo jenes Lied. Die Platten gingen weg wie warme Semmeln. Die erste goldene Schallplatte für das Lied feierte der Produzent mit den Musikern im Bischofshof. Für die erste Million, die davon verkauft wurde, ging es zu Alfons Schuhbeck nach München.
Religiöse Lieder gefragt
Behrle ist bis heute im Geschäft, hat jetzt wieder eine neue CD mit seinem Projekt „Captain Hook“ aufgenommen. „Musik ist mein Leben“, sagt Behrle. Übrigens glaubt der Regensburger bis heute, dass die Menschen gerne Lieder mit religiösen Themen hören würden. „Aber die Musikindustrie ist da dagegen“, glaubt er. Da stimmt Behrle den berühmten Refrain an: „Patrona Bavariae, hoch überm Sternenzelt ...“

