Hochrisiko-Duell in Regensburg: Polizei rüstet sich für Löwen-Gastspiel am Sonntag

Zugegeben: Fußballerisch ist es oft kein Leckerbissen, wenn der Jahn und der TSV 1860 München aufeinandertreffen – und dennoch sorgt das bayerische Traditionsduell für Stimmung auf den Rängen. Am Sonntag gastiert der Kult-Club aus Giesing in Regensburg. Das letzte Pflichtspiel der Löwen in der Domstadt sorgte nicht nur für einen riesigen Polizeieinsatz, sondern auch für Ärger in der Fanszene – und einen Prozess. So bereiten sich Behörden und Verein auf den Besuch aus der Landeshauptstadt vor.
Kurzer Rückblick: Mitte April 2024, ein schöner Frühlingssonntag. Am Nachmittag spielen die Löwen in Regensburg – und schon am Vormittag ist das Polizeiaufgebot in der Stadt groß. In der Gesandtenstraße werden Jahn-Fans eingekesselt, zuvor war es beinahe zu einem Zusammenstoß mit Sechzig-Anhängern gekommen.
Nach Sechzig-Gastspiel in Regensburg: Österreicher landet vor Gericht
Es blieb nicht der einzige Einsatz der Beamten an diesem Tag. Im Nachgang kritisierte die Jahn-Fanhilfe das Vorgehen der Polizei. Die zuständige Polizeiinspektion Regensburg Süd verteidigte das Vorgehen der Uniformierten. Für einen Fan hatte die Partie sogar ein Nachspiel vor Gericht: Der Österreicher hatte einem Löwen-Anhänger einen Schal geklaut. Dafür gab es eine Geldstrafe von 1500 Euro.
Anderthalb Jahre nach dieser durchaus denkwürdigen Partie im April 2024 tritt der TSV 1860 München nun erstmals wieder zu einem Pflichtspiel in Regensburg an. Ein Freundschaftsspiel vor Saisonbeginn blieb friedlich, die Polizei zeigte dennoch massiv Präsenz, beispielsweise rund um den Bahnhof.
Polizei vor Jahn-Spiel gegen Sechzig: Mit „angemessenen Kräften“ im Einsatz
Bei der Partie am Sonntag handelt es sich laut Tobias Spangler, Polizeihauptmeister und Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd, um ein Spiel mit hohem Risiko. Heißt: Es werden mehr Polizisten als üblich in der Stadt unterwegs sein. Wie viele genau, möchte Spangler allerdings nicht verraten. „Die Polizei befindet sich mit angemessenen Einsatzkräften im Einsatz, um auf jede Situation entsprechend reagieren zu können.“ Auch wo genau diese Polizisten eingesetzt werden, gibt der Polizeisprecher mit Verweis auf „Sensibilität und Komplexität der Einsatztaktik“ nicht bekannt. Spangler betont: „Die Polizei wird jedoch alle erforderlichen Maßnahmen treffen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und für die Sicherheit aller Beteiligten und Anwohner zu sorgen.“ Die Beamten rechnen laut Spangler mit rund 4000 Gästefans.
Welche Rolle spielt die Eskalation beim vergangenen Gastspiel der Löwen vor rund anderthalb Jahren bei der Vorbereitung der Polizei auf das Spiel? Spangler antwortet eher allgemein. Nach relevanten Einsätzen finde eine Einsatznachbereitung statt. „Hier werden getroffene Maßnahmen geprüft und für zukünftige Einsatzlagen abgestimmt.“ Darüber hinaus finde vor jedem Risikospiel ein Gespräch mit allen beteiligten Akteuren statt, betont Spangler.
Mehr Aufwand für Heimverein: Das bedeutet ein Risikospiel für den SSV Jahn Regensburg
Dabei freilich auch mit am Tisch: der SSV Jahn Regensburg. Sprecher Hannes Liedl betont auf MZ-Anfrage: „Die Einstufung der Partie als Heimspiel mit hohem Risiko bringt eine noch engere Abstimmung aller in die Spieltagsorganisation involvierten Parteien und Sicherheitsträger mit sich.“
Der Jahn verkündete schon vor Wochen, dass das Heimspiel gegen 1860 ausverkauft ist. Auch die Zahl der Zuschauer spielt eine Rolle bei der Vorbereitung des Spieltags, betont Liedl. „Der Austausch mit dem Gästeverein gestaltet sich aufgrund des ausverkauften Gästebereichs intensiver als bei Heimspielen mit einer geringeren Anzahl an Gästefans.“ Das alles diene auch dazu, mögliche Zusammenstöße zwischen den Fanlagern zu verhindern.
Ob das klappt, wird sich am Sonntag zeigen. Sicher ist: Langweilig wird es rund um das Jahnstadion nicht – schon in wenigen Wochen steht das nächste Risikospiel auf dem Spielplan. Am 30. November gastiert Hansa Rostock in der Domstadt.