Hitziges Derby zwischen SSV Jahn und 1860 München hat ein gerichtliches Nachspiel

Von Philip Hell · 21. November 2024 um 09:00

Der Himmel über Regensburg war blau – und die Spannung mit Händen zu greifen. Im April gastierte der TSV 1860 München in der Domstadt. Dabei krachte es ordentlich, und das nicht nur auf dem Platz. Nun hatte die Partie ein gerichtliches Nachspiel.

Schon am Morgen des Spieltages sperrte die Polizei Teile der Gesandtenstraße, nachdem Jahn-Anhänger und Löwen-Fans aufeinandergetroffen waren. Die Polizei sah massives Konfliktpotenzial und kesselte die Jahn-Fans ein. Im Nachgang kritisierte die Fanhilfe das Vorgehen der Beamten in einer Stellungnahme. Nach dem Spiel, das nebenbei bemerkt 1:1 endete, kesselte die Polizei die Jahn-Fans erneut ein. Der Grund: ein Fan-Schal, der einem Löwen-Anhänger gestohlen worden sein soll.

Genau um diesen Schal ging es am Mittwoch vor Gericht. Einem 23-Jährigen wurde vorgeworfen, das Fanutensil geraubt zu haben. Der junge Mann stammt aus Linz und ist Fan des dortigen Clubs Blau-Weiß. Die Anhänger des oberösterreichischen Vereins pflegen enge freundschaftliche Kontakte zur Regensburger Fanszene und besuchen regelmäßig auch Jahn-Spiele – so auch der Angeklagte.

Linz-Fan klaute Löwen-Schal in Regensburg: Angeklagter gesteht Tat

Nach einem Rechtsgespräch räumte der 23-Jährige über seine Anwältin Sophie Spiegel ein, einem Löwen-Fan den Schal vom Hals gezogen zu haben. Das Gericht bot ihm für das Geständnis einen Deal an, wonach er nicht wegen Raubes, sondern wegen Nötigung verurteilt werden wird. So kam es dann auch.

Richter Killinger verurteilte ihn wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 1500 Euro. Einen Raub habe man dem Linzer schlussendlich nicht nachweisen können, so Killinger. Denn: Dafür hätte er die Absicht haben müssen, sich das Corpus Delicti dauerhaft anzueignen. „Er ist Blau-Weiß-Linz-Fan, was will er mit einem Löwen-Schal?“ Dennoch, betonte Killinger, sei die Tat keine Lappalie. „Jemandem den Schal wegzunehmen, ist nicht in Ordnung.“

Während der Himmel über Regensburg auch am Mittwoch blau war, war nach der der Verhandlung eher abfallende Spannung mit Händen zu greifen.