Wenn keiner mehr reinpasst: Schulbus zu voll – Mittelschüler bleiben am Chamer Floßhafen zurück

Von Christoph Klöckner · 12. November 2025 um 05:00

Nicht nur die Schule, sondern auch der Transport nach Hause sollte sicher sein – vor allem für Minderjährige. Das war zuletzt mehrfach bei der Chamer Schulbuslinie Richtung Traitsching nicht mehr der Fall. Das Problem: Der Bus war zu klein. Ein Teil der Schüler blieb am Floßhafen zurück. Die Eltern gehen auf die Barrikaden.

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Eltern mussten sie dann in Cham abholen und nach Hause bringen. Mehrfach hätten Eltern daraufhin in der Gemeinde angerufen, um sich darüber zu beschweren, sagt Bürgermeister Josef Marchl. Er kann den Ärger der Erziehungsberechtigten verstehen.

Shuttlebus kommt zu spät

Zumal es in der Regel die Traitschinger Mittelschüler waren, die nicht mehr mitfahren konnten, weil kein Platz mehr im Schulbus war. Denn die Mittelschüler werden per Shuttlebus von ihrer Schule im Quader zum Floßhafen gebracht, um dort dann in die Schulbuslinie nach Traitsching einzusteigen. Der Shuttlebus kommt jedoch erst dann am Omnibusbahnhof am Floßhafen an, wenn die Realschüler und Gymnasiasten, die nach Unterrichtsende zu Fuß hierher laufen, bereits im Bus sitzen. „Die stehen dann mitten in der Stadt und müssen warten, bis sie einer abholt!“, erläutert Marchl.

Er habe daraufhin mehrfach beim Landratsamt angerufen, in dessen Auftrag hier gefahren werde, und auch vom Busunternehmen die vertraglichen Vereinbarungen eingefordert. Die sehen auf der Linie einen dreiachsigen Bus vor, der genügend Kapazitäten hat, um alle Schüler aufzunehmen. Gefahren worden sei aber oft nur mit einem Zweiachser-Bus, so Marchl – er weiß das, da ihm der Bus oft am Mittag begegnet. Der sei kleiner und müsse Schüler deshalb zurücklassen. Das sollte nicht vorkommen, betont Marchl. Auch weil die Schüler – anders als die Realschüler oder Gymnasiasten – nicht einfach zu ihrer Schule zurücklaufen können, da der Weg weit ist.

Seitens des Landkreises wird auf den vertragsgemäßen Einsatz des Großraumbusses gepocht und die vertraglichen Konsequenzen zur Durchsetzung genutzt.Fabian Koller, Sprecher des Landratsamts

Für Josef Marchl wäre das Problem einfach zu lösen: Der Bus solle gleich die Mittelschule im Quader anfahren und dort die Schüler einsammeln, anstatt sie per Shuttle in die Mitte Chams zu bringen. Komme dann kein Bus oder einer, der schon voll sei, könnten sie zur Sicherheit zurück in ihre Schule. Das Landratsamt betont wie schon der Bürgermeister, hier auf die Erfüllung des Vertrags mit dem Busunternehmen zu pochen.

„Seitens des Landkreises wird auf den vertragsgemäßen Einsatz des Großraumbusses gepocht und die vertraglichen Konsequenzen zur Durchsetzung genutzt“, teilt Landratsamtssprecher Fabian Koller auf Nachfrage mit. Und weiter: „Wir stehen im intensiven Austausch mit dem Busunternehmen. Das Busunternehmen hat sich mittlerweile für den mehrfachen falschen Buseinsatz in der Vergangenheit entschuldigt und zugesagt, dass dies in Zukunft nicht mehr vorkommt.“

Die Mobilitätszentrale des Landkreises habe jedoch nun ein besonderes Augenmerk auf dieser Linie. Sollte es wieder zu Problemen kommen, könnten diese gleich dem Team der Mobilitätszentrale gemeldet werden (Telefonnummer 09971/ 78 480 oder per E-Mail: oepnv@lra.landkreis-cham.de).

Aktuell gebe es keine weiteren Versäumnisse auf anderen Linien. Die Busunternehmer bedienten demzufolge die anderen Schulbuslinien mit großer Sorgfalt. „Die Busfahrer leisten hervorragende Arbeit“, betont das Landratsamt.

Vor allem sie standen zuletzt im Feuer, denn es finden sich immer weniger Busfahrer für die Firmen. Daher wird es eng, wenn einer ausfällt oder sich gar für ganze Linien, die ausgeschrieben werden, keine Unternehmen mehr bewerben.

Auf Nachfrage, woran es denn nun liege – am fehlendem Personal oder am fehlenden Bus – gibt es keine klare Antwort des Auftraggebers Landratsamt. „Beides ist beim Busunternehmen vorhanden. Besonders die Fahrer trifft keine Schuld“, heißt es als Antwort. Wobei offensichtlich mehrfach der falsche Bus für die Linie gewählt wurde. Platzmäßig gibt es zwischen einem Zweiachser- und einem Dreiachserbus durchaus erhebliche Unterschiede. Je nach Bustyp können im Dreiachser zwischen acht und 16 Fahrgastplätzen mehr zur Verfügung stehen als in der Zweiachserversion.

Die von Bürgermeister Marchl angedachte Lösung, die Kinder gleich an der Mittelschule abzuholen, damit sie nicht mitten in Cham stehen und bei Ausfall zurück in die Schule können, sei nicht machbar. „Unsere Mobilitätsexperten haben natürlich auch diese Alternative geprüft. Sie ist aber nicht umsetzbar“, lautet die Antwort dazu.

Busbahnhöfe zu eng

Das ÖPNV-Netz sei eng getaktet, um allen Schülerinnen und Schülern einen pünktlichen Schulstart sowie eine zeitnahe Rückfahrt nach Schulende zu ermöglichen. Eine Verlängerung der Linie würde dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler wiederum ihre Anschlussbusse nicht erreichen würden. Zudem würde ein weiterer zusätzlicher Bus auf den bereits äußerst beengten Busbahnhöfen an der Jahnstraße und der Mittelschule die Pünktlichkeit anderer Busse stark beeinträchtigen, so die ÖPNV-Experten.