Neue oder amtierende Bürgermeister in und um Cham? – Diese Kandidaten gehen ins Rennen

Von Johannes Schiedermeier · 10. November 2025 um 19:00

Wer tut sich hart mit der Listenaufstellung? Wer hat zu viele Kandidaten? Wer wagt es, gegen den amtierenden Bürgermeister anzutreten? Wo ist schon klar, dass ab März ein Neuer im Sessel sitzen wird? All diese Fragen haben wir in und um Cham gestellt. In der Kreisstadt selbst und in den Gemeinden Waffenbrunn, Willmering, Pemfling, Traitsching, Schorndorf und Runding.

■ Cham: In Cham hat einer ganz früh klargestellt, dass an ihm kein Weg vorbeiführen wird: Wer in Cham Bürgermeister werden will, muss gegen den amtierenden Martin Stoiber (CSU) antreten. Gegenwind aus der größten Gruppierung – der Chamlandfraktion – wird es dabei nicht geben. 2. Bürgermeister Walter Dendorfer bestätigt, dass es in seiner Fraktion keine Überlegungen gibt, einen Kandidaten gegen Stoiber zu schicken. Dendorfer führt seine Liste in Tierlstein an und hofft, dass auch die anderen Ortsteillisten wieder Kandidaten in den Stadtrat bringen, die sich ihm anschließen. Der 2. und 3. Bürgermeister wird in Cham vom Stadtrat gewählt.

Martin Stoiber, Bürgermeister von Cham, hat früh klargemacht, dass er antritt. - Foto: Johannes Schiedermeier/Archiv

Die Freien Wähler werden einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken, sagt deren Fraktionssprecher Frank Aumeier. Die Stadtratsliste sei aufgestellt, Namen will er noch nicht nennen. Insider tippen auf Stadtrat Andreas Geiling.

Die SPD bringt eine Stadtratsliste, grübelt aber noch. Fraktionssprecherin Claudia Zimmermann drückt es so aus: „Ein Bürgermeister-Kandidat wäre demokratisch wünschenswert, ist aber noch in Arbeit.“

Hier finden Sie weitere Informationen zur Kommunalwahl 2024 im Landkreis Cham.

Tom Kager ist der einzige Grünen-Stadtrat in Cham und tritt nicht mehr an. „In Cham war es für uns schon immer schwer und es wird immer schwieriger“, sagt er. Er setzt seine Hoffnung auf eine weitere Sitzung: „Es haben Gespräche stattgefunden, aber es gibt noch keine Liste und keinen Bürgermeisterkandidaten.“

■ Waffenbrunn: In Waffenbrunn tritt Josef Ederer (CSU) wieder an. Die Freien Wähler sind nach Aussage ihres Ortsvorsitzenden Phillipp Schießl mitten in der Meinungsfindung; „Wir erstellen eine Liste und hätten auch einen Kandidaten oder eine Kandidatin, aber eine offizielle Entscheidung, die wir verkünden könnten, gibt es noch nicht.“

Josef Ederer, Bürgermeister Waffenbrunn, tritt wieder an. <?ZE?> - Foto: Hans Schmelber/Archiv

■ Willmering: In Willmering tritt der amtierende Bürgermeister Hans Eichstetter (CSU) wieder an. Die Freien Wähler haben Karin Braun gegen ihn ins Rennen geschickt. Beide Parteien haben bereits eine Gemeinderatsliste.

Hans Eichstetter, Bürgermeister Willmering, will sein Amt wieder antraten. - Foto: Hans Schmelber/Archiv

■ Pemfling: In Pemfling steht jetzt schon fest, dass es einen neuen Bürgermeister geben wird. Josef Haberl hat seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen erklärt. Die Liste, so Haberl, sei so gut wie fertig, aber: „Der Bürgermeister-Kandidat ist noch nicht spruchreif. Das klären wir aber zeitnah ab.“

Franz Haberl, Bürgermeister von Pemfling, tritt aus gesundheitlichen Gründen ab. - Foto: Werner Weiß/Archiv

Für die Freien Wähler hat Ortsvorsitzender Winfried Steinmann ebenfalls eine Liste in petto und schöpft aus dem Vollen: „Wir haben aktuell zwei Kandidaten und werden zeitnah bekanntgeben, für wen wir uns entschieden haben“, sagt er.

■ Traitsching: In der größten Umlandgemeinde Traitsching tritt Bürgermeister Josef Marchl (CSU) aus Altersgründen nicht mehr an. Seine Partei hat bereits bekanntgegeben, dass Markus Sölch ins Rennen gehen wird. Er ist bereits seit 2020 für die Freien Wähler im Gemeinderat.

Josef Marchl, Bürgermeister von Traitsching, tritt aus Altersgründen ab. - Foto: Christoph Klöckner/Archiv

Die Freien Wähler sind in Traitsching noch auf der Suche. „Die Liste ist auf einem guten Weg. Gegenkandidaten sind aber nicht spruchreif. Da sind wir noch in der Findungsphase“, sagt FW-Ortsvorsitzender Tobias Schmidt.

■ Schorndorf: In Schorndorf tritt der amtierende Bürgermeister Max Schmaderer für die Freien Wähler nicht mehr an. Die Freien Wähler werden voraussichtlich Gemeinderat und 2. Bürgermeister Martin Bauer ins Rennen schicken. Die offizielle Nominierung als gemeinsamer Kandidat von Freien Wählern und Parteifreier Wählerschaft soll in einer öffentlichen Versammlung erfolgen, die am Freitag, 21. November, um 19 Uhr im Landgasthof Baumgartner stattfindet. Die CSU will sich ebenfalls noch im November festlegen. Ortsvorsitzender Karl Steinkirchner jun. bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass er sich als Kandidat zur Verfügung stellen wird, wenn sein Ortsverband das wünscht. Die Liste sei so gut wie fertig.

Max Schmaderer, Bürgermeister Schorndorf, bekommt einen Nachfolger. - Foto: Christoph Klöckner/Archiv

■ Runding: In Runding amtiert der einzige SPD-Bürgermeister des Landkreises Cham. Geht es nach Franz Kopp, soll das auch so bleiben: „Ich trete wieder an. Die Aufstellungsversammlung ist noch nicht terminiert, wird aber spätestens Anfang Dezember stattfinden. Bei der Liste haben wir wegen der Reihung Mann-Frau ein paar selbst gemachte Probleme, weil es nicht genug Frauen gibt. Das ist aber das einzige Hindernis“, sagt Kopp.

Franz Kopp, Bürgermeister Runding, will wieder ins Amt.<?ZE?> - Foto: Holder Hierl/Archiv

Die CSU um Ortsvorsitzenden Markus Griesbeck hatte bei der Aufstellung der Liste ein Heimspiel. „Wir hatten fast schon zu viele Interessenten“, sagt Griesbeck. Doch in Sachen Bürgermeister-Kandidaten sei die CSU derzeit noch in der Meinungsfindung. Die Nominierungsversammlung ist für Mitte Dezember vorgesehen.

Kommentar von Johannes Schiedermeier: Zeit für mehr Respekt

Demokratie wird an der Basis hautnah erlebbar. Deswegen ist die Bedeutung von Kommunalwahlen riesig. Die Aufstellung von Kandidaten eignet sich gut, um die Fieberkurve der Lokalpolitik zu diagnostizieren. Es ist schwieriger geworden, Menschen zu finden, die sich an die Spitze einer Liste stellen wollen, oder gar einer Kommune.

Nicht deswegen, weil man dann in die Verantwortung genommen wird. Dafür, dass es den Menschen im Dorf gut geht, dass sich die Stadt weiterentwickelt. Denn das war immer schon so.

Trotzdem sind sich viele Lokalpolitiker einig, dass es schwieriger geworden ist. Weil manche Mitbürger an allem etwas auszusetzen haben, weil die Stimmung schnell hitzig wird, und weil manche Zeitgenossen sich von Unzufriedenheit geradezu ernähren. Meist sind es die, die für die Gemeinschaft nichts leisten und sich nicht in die Verantwortung nehmen lassen. Nicht einmal, wenn sie selbst gewählt worden sind.

Wenn wir es nicht erleben wollen, dass niemand mehr Bürgermeister, Stadtrat oder Gemeinderat werden will, dann wird es Zeit. Zeit für mehr Respekt. Und das ist etwas, für das jeder in seinem Umfeld selbst verantwortlich ist.

In einer ersten Fassung des Textes hatten wir berichtet, dass Martin Bauer schon als Bürgermeisterkandidat in Schorndorf nominiert worden sei. Das ist aber erst am 21. November geplant.