Der 7. Landrats-Kandidat für den Landkreis Cham ist nun im Rennen: der Grüne Sascha Kretz

Von Johannes Schiedermeier · 6. November 2025 um 21:07

Es gibt sie noch, die Überraschungen in der Kommunalpolitik. Die Grünen im Landkreis Cham haben gerade eine hinter sich. Zu Siebt waren sie in der Zirbelstube des Kolpinghauses gekommen, um ihren Landrats-Kandidaten zu nominieren. Doch es kam zu einer Kampfabstimmung. Sascha Kretz heißt am Ende der 7. Landrats-Kandidat für die Kommunalwahl am 8. März 2026.

Für Heiterkeit sorgt zunächst Andrea Leitermann, die etwas voreilig „den Landrat aufstellen“ will. „Wir sind halt selbstbewusst“, erklärt sie den Versprecher anschließend. Zunächst läuft alles ganz nach Drehbuch. Michael Doblinger übernimmt den Posten des Wahlvorstandes, Peter Bauernfeind und Stefan Zellner sollen auszählen, was Zeller angesichts der sieben Wahlberechtigten als „machbar“ einstuft.

„Sonst noch jemand...?“

Auf eine entsprechende Frage meldet sich Sascha Kretz und kündigt an, dass er sich zur Wahl stellen will. „Sonst noch jemand?“, fragt Doblinger. Da hebt Tomasz Konieczny die Hand. Andrea Leitermann zieht überrascht die Augenbrauen hoch, findet die Kandidatur aber gut. Damit hat der kleine Kreisverband der Grünen als einziger öffentlich zwei Kandidaten in die Abstimmung geschickt. Die Reihenfolge der Wahlreden wird per Münzwurf durch Stefan Zeller festgelegt. Sascha Kretz fängt an. Der 47-jährige Anwendungsentwickler aus Zell wählt schon seit 20 Jahren grün, ist aber erst seit etwas über zwei Jahren beim Kreisverband. Auf die Frage, warum er bei den Grünen ist, gibt er aber heute noch dieselben Antworten wie früher: „Weil wir nur eine Welt haben. Weil Tiere nicht leiden sollen. Weil ich die Luft in der Stadt atmen will, ohne zu husten. Weil ich eine Zukunft möchte.“

Allerdings hat sich die Welt für ihn verändert: Viele Menschen sind wütend und enttäuscht, fühlen sich übersehen. „Leider gibt es Kräfte, die solche Gefühle fördern und sie zur Spaltung nutzen“, sagt Kretz. Veränderung, so der Kandidat, entsteht aber nicht durch Hass: „Wo wir Ideen teilen und Lösungen gemeinsam suchen, dort entsteht echter Fortschritt.“

Veränderung beginnt im Landkreis

Veränderung entsteht hier im Landkreis, beginnt vor der Haustür, so Kretz. Wo Nahverkehr verbessert wird, geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern um Lebensqualität und Wirtschaftskraft. Wo die Energiewende in den Händen der Bürger liegt, bleibt die Wertschöpfung vor Ort. Klimaschutz, Hochwasserschutz, gesunde Wälder, nachhaltige Landwirtschaft – das ist seiner Überzeugung nach nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. „Wir müssen den Menschen klar machen, dass Klimaschutz wirtschaftlich ist. Alles was wir jetzt versäumen, werden wir später hundertfach bezahlen“, so Kretz.

Digitalisierung ernst zu nehmen, heißt laut Kretz, den Kindern den Weg zur Bildung, zu Wissen und zu Chancen zu ebnen: „Das ist die Grundlage für eine starke und moderne Region.“

Kretz appelliert an seine Wähler: „Ich möchte mit euch zusammenarbeiten und euch wirklich zuhören. Am Ende geht es nicht um Ideologien, sondern um Menschen. Lasst uns zeigen, dass Hass und Angst niemals stärker sein werden als Mut, Innovation und Zusammenhalt. Lasst uns gemeinsam gestalten, statt zu spalten – für einen Landkreis, der anpackt, statt abzuwarten.“ Dafür erhält er viel Applaus von seinen Zuhörern.

Der spontane Kandidat

Anschließend war Gegenkandidat Thomas Konieczny an der Reihe, der seine Bewerbungsrede spontan und ohne Manuskript hält. „Ich weiß nicht so viel über Kommunalpolitik und bin auch erst kurz wieder im Landkreis und den Grünen beigetreten“, räumt der 40-jährige aus Traitsching ein, der als Servicekraft arbeitet. Aber er will in einer Welt im Umbruch seinen Beitrag leisten, sagt Konieczny. Er glaubt fest daran, dass die erneuerbaren Energien nicht aufzuhalten sind und die Wirtschaft dringend auf diese Zukunft vorbereitet werden muss.

Wenn es nach Konieczny geht, dann soll künftig jeder Betrieb gefördert von Bund und Landkreis Photovoltaik auf dem Dach haben: „Das fördert die Unabhängigkeit von Energiepreisen.“ Auch die Autozulieferer will der Bewerber auf die E-Mobilität einschwören und vorbereiten. „Mit diesem Anspruch würde ich antreten“, schließt Konieczny und bekommt Beifall. „Diese spontane Kandidatur und die freie Rede waren etwas sehr Mutiges“, lobt ihn Kreisvorsitzende Andrea Leitermann.

Die anschließende Wahl ergibt ein klares Votum: 6:1 für Kretz. Er wird nun als Landrats-Kandidat für die Grünen ins Rennen gehen und stellt sich anschließend auch den Fragen der Presse. Windkraft und Regionalwerke sieht er positiv. Allerdings müssen seiner Ansicht nach Finanzierung und Aufbau in Bürgerhand bleiben: „Das ist mir wichtig.“

Nicht Verzicht – Innovation

Er versteht, dass für die Menschen Wirtschaft, Ängste und Sorgen für die Menschen gerade mehr Priorität haben als der Klimaschutz. Allerdings muss man den Leuten klar machen, dass Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz eben kein Gegensatz sind. „Wenn man irgendwann die Elementarschadens-Versicherung für sein Haus nicht mehr zahlen kann, dann trifft das jeden. Ich predige nicht Verzicht, sondern Innovation“, sagt Kretz. In der Krankenhausdebatte fordert er keine Rekommunalisierung, aber die Kontrolle der privaten Anbieter durch die Politik.

Am 28. Novermber werden die Grünen ihre Kreistagsliste aufstellen, berichtet Andrea Leitermann. Dann wird Kretz nicht Spitzenkandidat sein, weil die ungeraden Plätze traditionell den Frauen gehören. „Das halten wir durch bis Platz 60“, beteuert Leitermann.