Nach bald 36 Jahren als Gemeindeoberhaupt Schorndorfs: Max Schmaderer sagt Servus

Von Hans Kraus · 22. September 2025 um 13:15

Die Ära Max Schmaderer geht dem Ende entgegen. Nach 42 Jahren im Gemeinderat, davon 36 Jahre als Freier Wähler-Bürgermeister, nimmt einer der dienstältesten Bürgermeister Bayerns Abschied von der Gemeindepolitik. Sichtlich bewegt gab Schmaderer bei der Mitgliederversammlung seinen Entschluss bekannt, bei der Kommunalwahl 2026 nicht mehr anzutreten, und machte gleichzeitig den Weg frei für den möglichen Nachfolger, den 2. Bürgermeister Martin Bauer.

Mit langanhaltenden, stehenden Ovationen quittierten die anwesenden Mitglieder der Parteifreien Wählerschaft Schorndorf die zuvor vorgetragene Erfolgsbilanz ihres scheidenden Bürgermeisters.

Eine Vorzeigegemeinde

Er hat die Gemeinde in den zurückliegenden Jahrzehnten zu einer Vorzeigegemeinde gemacht, die in vielen Bereichen Vorreiter und Beispiel gebend für andere Kommunen geworden ist. Schorndorf ist in seiner Amtszeit eine dynamische, moderne und begehrte Gemeinde mit hoher Anziehungskraft und erstklassigem Image geworden. „Da will man daheim sein, da kann man sich wohlfühlen! Da ist alles am Ort, was das Herz begehrt“, so Schmaderer wörtlich.

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1990 wurde der damals 30-jährige Rodinger Verwaltungsangestellte nach sechs Jahren im Gemeinderat zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. 1918 Einwohner hatte die Kommune damals.

Zuwachs auf über 3000 Einwohner

Der Einwohnerzuwachs auf 3045 zur zweitgrößten Landgemeinde im Landkreis (11. Stelle unter den 39 Gemeinden, Märkten und Städten) mit allen nur denkbaren und notwendigen Infrastruktureinrichtungen spricht Bände. „Ich wurde für verrückt erklärt, als ich damals 3000 Einwohner gefordert habe, wohlwissend, dass nur so die Schule und die Einrichtungen der Daseinsvorsorge überhaupt erhalten werden konnten“, so Max Schmaderer. Zusammen mit der Nachbargemeinde Traitsching stieg man im Landesentwicklungsplan zum Grundzentrum auf.

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Heute bilden der viergruppige Kindergarten, zwei Kindertagespflegegruppen, die moderne Grundschule mit Offener Ganztagsschule, Bücherei und Turnhalle für die Kinder der Gemeinde optimale Startvoraussetzungen. Das Gemeindezentrum als Haus für Existenzgründer bietet mittlerweile über 50 Arbeitsplätze mitten im Ort. Fünf Feuerwehren sind bestens ausgestattet mit Gerätehäusern und Fahrzeugen auf dem neuesten Stand. Ebenso kann der gemeindliche Bauhof mit Topausstattung an Gebäuden und Fahrzeugen die nötige Effektivität entwickeln.

Tagespflege und Arztpraxis

Eine der größten Landarztpraxen mit fünf Fach- und Allgemeinärzten mit Notarztstandort, zwei Zahnärzte, Apotheke und Altenpflegeheim mit 62 Plätzen sowie einer ambulanten Tagespflege mit 20 Plätzen optimieren das Gesundheitswesen. Die Neue Soziale Ortsmitte, die Abwasserentsorgung mit zwei Kläranlagen und 97-prozentigem Anschlussgrad, die Sportanlagen mit Stockarena, 18 Kinderspielplätze, viele Kilometer Orts- und Gemeindestraßen in Topzustand dank jährlicher Deckensanierungen ohne Kostenbeteiligung der Anlieger machen das Leben in Schorndorf lebenswert.

Dank Laienbühne mit ihrem Theater auf der Burg, Schauerpreisverleihung und Burgfest, den zahlreichen Vereinsveranstaltungen sowie mit dem alljährlichen Christkindlmarkt und Faschingsumzug („mit mir als Oberkasper“, so Schmaderer schmunzelnd) könne man auch kulturell mit vielen anderen Kommunen mithalten. Mit PV-Anlagen auf gemeindlichen Gebäuden erwirtschafte man finanzielle Mittel, die unter anderem in die Dorferneuerung (seit 1990), den Bereitbandausbau und die Baugebietsausweisung fließen.

Gemeinde fast schuldenfrei

In diesem Zusammenhang würdigte Schmaderer die Bereitschaft der Grundstückseigentümer, geeignete Bauflächen an die Gemeinde abzutreten. Die Erfolgsbilanz seiner erfolgreichen Gemeindepolitik lässt sich auch in den Zahlen abbilden. So wurde das Anlagevermögen von 2,1 Millionen DM 1990 auf 30,32 Millionen 2024 gesteigert, die Rücklagen von 0,03 Millionen DM auf 2,44 Millionen Euro, Sonderrücklagen von 0 auf 0,411 Millionen Euro.

Der Schuldenstand beläuft sich trotz gigantischer Investitionen auf 1,008 Millionen Euro, so dass die Gemeinde praktisch schuldenfrei ist und sogar noch etwas auf der hohen Kante für die Bewältigung der Zukunftsprojekte hat. „Der Hof ist für die Übergabe gut bestellt!“, meinte der scheidende Rathauschef, ehe er sich bei allen seinen Unterstützern für die großartige Mit- und Zusammenarbeit sowie das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger bedankte. „Trotz aller Herausforderungen war es auch eine schöne Zeit, zwar anstrengend, aber erfolgreich!“

Nun an die Familie denken

Nun sei es an der Zeit auch mal an die Familie zu denken, die in den zurückliegenden Jahrzehnten stets den Kürzeren gezogen habe, so Schmaderer, der die gewonnene Zeit seiner Frau Marianne, den Töchtern und Enkeln widmen möchte.

In aller Bescheidenheit reimte Max Schmaderer abschließend: „So leise und unbedeutend wie ich gekommen bin, so werde ich auch wieder von dannen ziehn. Ich will zum Abschied keinen Dank und auch kein Lob, denn allen zu helfen war stets mein Gebot!“

Schamderer wirbt für möglichen Nachfolger

„Ich sehe mich aus meiner Verantwortung und aus meiner Erfahrung und Weitsicht heraus verpflichtet, einen geeigneten Nachfolger zu präsentieren, der die Gemeinde weiterhin in eine erfolgreiche Zukunft führen kann“ – mit diesen Worten schlug Bürgermeister Max Schmaderer nach seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur seinen Vize Martin Bauer als Knöbling als Kandidaten der Parteifreien Wählerschaft (PFW) für die Nachfolge vor.

Martin Bauer fungiert bereits seit zwölf Jahren als Stellvertreter Schmaderers. Er habe sich in den politischen Alltag eingebracht und Verantwortung übernommen und kenne das Tagesgeschäft somit aus dem Effeff. „Der gelernte Krankenpfleger hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er als führende Persönlichkeit in der Gemeinde zuverlässig, kompetent und weitsichtig handeln kann“, so Schmaderer weiter. Er sei tief verwurzelt in der Gemeinde, aktiv in vielen Vereinen und genieße vollstes Vertrauen des Gemeinderats, der Verwaltung und der PFW. Er bringe viel Engagement, Weitsicht und Teamarbeit und werde in der Lage sein, die positive Entwicklung Schorndorfs fortzuführen und dabei neue Akzente zu setzen.

„Junger und fähiger Nachfolger“

Schmaderer bat schon jetzt die Wählerinnen und Wähler, Martin Bauer, das Amt des ersten Bürgermeisters anzuvertrauen, „damit die Arbeit in der Gemeinde Schorndorf von einem jungen und fähigen Nachfolger weitergeführt werde, der wie ich immer das Wohl der Gemeinde im Blick haben wird“.

Er soll die Nachfolge antreten: Martin Bauer, der schon lange stellvertretender Bürgermeister ist. - Foto: H. Kraus

Martin Bauer bedankte sich für die Vorschusslorbeeren und zeigte an dem „emotionalen, historischen Abend“ gleichzeitig großen Respekt vor der Lebensleistung Max Schmaderers, der stets voller Energie Vordenker und Stratege in der Gemeinde war. Er sei außerdem die „leibhaftige Datensicherung der Gemeinde“. Warum tue er sich das an, stellte er als Frage in den Raum und gab auch gleich die Antwort darauf: „Mir liegt Schorndorf am Herzen, und ich brenne für meine Heimat!“

Er stelle sich der Herausforderung und wisse durch seine bisherige Arbeit genau, was auf ihn zukomme. Positiv sei für ihn, dass seine Frau voll dahinterstehe und er sich vom Vertrauen des gesamten Teams getragen weiß. Dies bewies auch die einstimmige Nominierung durch die Versammlung. Bürgermeister Schmaderer ergänzte, dass Martin Bauer das Amt weiterhin ehrenamtlich ausführen und so der Gemeinde jährliche Kosten von rund 50 000 Euro sparen werde. Aufgrund der Einwohnerzahl über 2500 stehe der Gemeinde mittlerweile eigentlich ein hauptamtlicher Bürgermeister zu.