Entscheidung im Herbst: Tritt Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer 2026 nochmals an?

Woanders im Landkreis sind die Würfel für 2026 schon gefallen. Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer lässt sich Zeit bis Herbst, um zu entscheiden, wie es bei ihm weitergeht Und so wie er dasitzt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, nimmt man ihm ab, was er sagt: „Ich strotze vor Kraft!“ Was fast schon nach einer Vorentscheidung für den Herbst klingt, sah vor einigen Wochen noch anders aus.
Da musste er eine Zwangspause einlegen – das Herz war massiv ins Wanken geraten. Ein Schuss vor den Bug – wie man so sagt, wenn alles noch einmal gut überstanden ist. Die sportlichen Lehren daraus hat er gezogen – ist nun mehrfach die Woche auf 16-Kilometertour durch seine Gemeinde.
Und auch das kommunalpolitische Tief mit dem Ausschluss eines Gemeinderats und dem Rücktritt eines weiteren – kurz nach der Gesundheitsattacke – hat Schmaderer offensichtlich ganz gut überstanden. Mit der Gesundung ist die Kraft zurückgekehrt – viel Zeit zum Luftholen bleibt nicht, angesichts seiner künftigen Aufgabenliste für die Gemeinde – und eigentlich bleibt auch wenig Platz für einen Gedanken, dass der Rathauschef 2026 seinen Platz räumt.
Zukunftsprojekte vor Augen
Die Familie dränge, er wolle auch mehr Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen, besser dann gehen, wenn im Bürgermeisteramt alles noch im Lot ist und er die Kraft dafür hat, führt er an. Um wenig später die nahen Zukunftsprojekte für Schorndorf auf dem Tisch zu präsentieren, die sein Wissen und sein Engagement ebenso brauchen. Da ist das etwa fünf Millionen Euro teure Großprojekt einer Krippe mit drei Gruppen und einer Ganztagsbetreuung, das neben der Schule bis 2026 umgesetzt werden soll. Eine Mensa mit Küche und auch 120 Quadratmeter für moderne Büchereiräume sollen entstehen. In der großzügig aufgestellten Schule gebe es zwar Räume dafür, doch sei ein Umbau so kompliziert, dass dies nicht lohne, sagt er. Aktuell werde geprüft, ob hier auch ein Privatinvestor oder ein Generalübernehmer des Auftrags infrage komme, wie etwa beim Kindergartenbau in Sattelbogen. Bei den zuständigen Ministerien laufe gerade die Prüfung, ob eine Generalübernehmer mit Förderung möglich sei, der das Projekt schlüsselfertig und mit Kostendeckel baue.
Eine „Riesenherausforderung“ sieht der Bürgermeister auch in der Sicherung der Energieversorgung der Gemeinde. Mit den Regionalwerken im Boot wolle man ein Windrad oberhalb Baierberg, auf der Höhe der Kalsinger Windkraftanlage, im Privatwald bauen, dazu seien einige PV-Freiflächenanlagen angedacht.
Ein Königsweg für ihn ist zudem die Nutzung landwirtschaftlicher Biogasanlagen, deren Gas durch die in der Gemeinde verlegten Gasleitungen fließen könne. Für ihn sei das eine Schlüsselenergie, doch politisch sei das nicht gewollt – „das gönnt man der Landwirtschaft nicht!“ Ansonsten sei Fernwärme ein Irrglaube und nie wirtschaftlich zu betreiben, ist er überzeugt. Und eine weitere Millioneninvestition sei die Ertüchtigung der Kläranlage: „Wir müssen das rechtzeitig machen!“ Es sei gut, dass er als Bürgermeister auch im Kreistag sitze und somit wisse, was im Landkreis laufe. Gleichzeitig hätten die Menschen hier vor Ort Vertrauen zu ihm, etwa um ihm Grund abzugeben fürs nächste Neubaugebiet.
Neues Baugebiet?
Ohne diese Nähe zu seinen Bürgern könne aus solchen Plänen keine Realität werden, meint er. „Du brauchst einen Zugang zu den Menschen, musst die Wege kennen, die du einschlagen musst“, sagt er. Und wo soll es hin, das neue Baugebiet? Das lässt er offen – möglich sei es in allen Außenbereichen des Ortes. „Der Bedarf ist da!“, hat er festgestellt. Im jüngsten Neubaugebiet Glockenhof seien nur noch fünf Parzellen zu haben. Ihm sei wichtig, dass gleich alle Bauplätze innerhalb weniger Jahre bebaut würden – damit entkomme die Gemeinde Klagen von Nachbarn wie es sie gerade gebe, weil in älteren Baugebieten nun nachverdichtet werde und in die Baulücken Mehrfamilienhäuser jetzt gebaut würden. Baurechtlich sei das wohl erlaubt, bringe aber viel Unmut in die Wohnbereiche.
Und wie geht‘s weiter im Hauptort mit dem Glasfaser? Leonet wolle im zweiten Quartal eigenwirtschaftlich Glasfaser verlegen. Das Unternehmen habe Ausbaudruck abbauen wollen und deshalb Schorndorf zurückgestellt – in anderen Chamer Gemeinden ist Leonet bereits fertig mit dem Ausbau. Er habe x-mal versucht, Telekom für den eigenwirtschaftlichen Ausbau des gesamten Hauptorts zu begeistern, wie die es einmal versprochen hätten. Doch nichts habe sich bewegt. Gleichzeitig habe das ehemalige Staatsunternehmen das Neubaugebiet Glockenhof mit eigenen Leitungen versorgt – vom Verteilerkasten ab der Hauptstraße bei Edeka seien Kabel für das Neubaugebiet entlang der dortigen Straße verlegt worden. Entlang des Weges seien 29 Häuser gelegen – doch die gleichzeitig anzuschließen, was ein Klacks gewesen wäre, weil die Gräben offen neben dem Gartenzaun waren, war für die Telekom trotz Bitten und Betteln nicht möglich. Schmaderer ist dem Weg gegenüber skeptisch, den der Landkreis mit den kostenlosen Anschlüssen bis ins Haus eingeschlagen hat. Im Durchschnitt koste das pro Gebäude 12 000 Euro.
Bald sechs Amtsperioden hinter sich
Laufbahn: Erst sechs Jahre Gemeinderat – dann doch überraschend Bürgermeister für die Freien Wähler, so war das bei Max Schmaderer. An 30. April 2026 ist er dann seit 36 Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde, dazu 30 Jahre im Kreistag. Im Herbst will er entscheiden, ob er 2026 noch einmal antritt. Man solle aufhören, wenn alles passt, sagt er .
Kraft: Und auch die Enkel warten auf den Opa, der im März 65 Jahre alt wird. Anderseits warten noch große Aufgaben auf den Macher – der Schulanbau, die Kläranlage, die Energieversorgung und anderes. Das brauche Kraft, aber auch viel Wissen, das er sich erworben habe. Da scheint das Interesse da zu sein, hier noch einmal sechs Jahre an die 36 dranzuhängen...
