Kommt die Bundeswehr zurück nach Langquaid? Muna zählt zur strategischen Reserve

Von Alexandra Nurtsch · 30. Oktober 2025 um 19:00

Die Bundeswehr braucht Platz – und rückt alte Standorte wieder in den Fokus. Auch Langquaid (Landkreis Kelheim) ist betroffen: Das frühere Muna-Gelände zählt nun zur strategischen Liegenschaftsreserve. Die Entscheidung kam für Langquaids Bürgermeister nicht überraschend.

Video ansehen

Der Langquaider Teil des ehemaligen Munitionshauptdepots (Muna) rückt wieder in den Fokus der Bundeswehr: Das Gelände wurde in die strategische Liegenschaftsreserve aufgenommen – und zählt damit zu bundesweit 187 Standorten im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die künftig wieder militärisch genutzt werden können. Darüber wurde Bürgermeister Herbert Blascheck am Dienstag in einem Schreiben informiert.

„Der Kommandeur des Landeskommandos Bayern der Bundeswehr hat uns mitgeteilt, dass durch den erforderlichen Aufwuchs der Streitkräfte Bedarfe an Liegenschaften entstehen, die auch kurzfristig gedeckt werden müssen“, sagt Blascheck. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Liegenschaften des ehemaligen Munitionshauptdepots Eichbühl für eine mögliche Nutzung geeignet seien.

Lesen Sie dazu auch: Tief im Wald lauert der Hinterhalt: Feldjäger liefern sich bei Übung in Siegenburg Feuergefecht

Gebäude und Hallen

Dort befinden sich unter anderem die einstigen Stabsgebäude, Werkstätten, Fahrzeughallen, der einstige Truppenspeisesaal, Unterkunftsgebäude und einige Bunker.

Fast 100 Bunker sind auf dem 176 Hektar großen Gelände verteilt. - Foto: MZ-Archiv

Wirklich überrascht war Blascheck über das Schreiben der Bundeswehr nicht. „Man hat mit so etwas rechnen können“, sagt er und verweist auf die veränderte Sicherheitslage. Die Bundeswehr reagiert darauf und soll, wie es aus dem Bundesverteidigungsministerium heißt, bis 2030 um 80.000 Soldaten wachsen. Dafür braucht sie Platz. Bundesweit müssen nun Kommunen umplanen, die ehemalige militärische Liegenschaften umgestalten wollten und beispielsweise Gewerbeflächen, Wohnbebauung oder Schulstandorte geplant hatten.

Langquaid hatte für seinen Teil des rund 176 Hektar großen Muna-Geländes, das zu etwa 70 Prozent auf Schierlinger und zu 30 Prozent auf Langquaider Gemeindegebiet liegt, keine Pläne. Nach dem Abzug der Bundeswehr und dem Ende der militärischen Nutzung 2009 war das noch anders. Damals verfolgte der Markt eine „sanfte“ zivile Nutzung, bei der insbesondere die vorhandenen Gebäude genutzt werden sollten, erklärt Blascheck. So gab es beispielsweise einen Interessenten, der dort nachhaltig Obst und Gemüse produzieren wollte.

Starker Widerstand der BI

Wegen des starken Widerstands der Bürgerinitiative „Freunde des Muna-Waldes“ gab der Markt seine Pläne auf und verzichtete auch auf sein Vorkaufsrecht für eine sieben Hektar große Fläche. Dies wurde 2022 im Marktrat einstimmig beschlossen. „Wir haben keine Nutzung und sehen auch keine“, sagte Blascheck damals in einer Sitzung des Schierling-Langquaider Planungsverbands Veno 4.0 und kündigte an, per Flächennutzungsplan festzusetzen, „dass jegliche bauliche Entwicklung dort ausgeschlossen wird. Der Bereich soll als Wald- beziehungsweise Grünbereich festgelegt werden.“

Einst vor allem als Tarnung aufgeforstet, haben sich am ehemaligen Muna-Areal längst ausgedehnte Waldflächen entwickelt. - Foto: Stefan Satzl/Archiv

Der Planungsverband war 2016 von den beiden Gemeinden gegründet worden, um das Muna-Areal gemeinsam zu überplanen. Hier sei man noch ganz am Anfang, sagt Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl, der in diesem Jahr den Vorsitz des Planungsverbands innehat. Auch er hat am Dienstag von den Plänen der Bundeswehr erfahren. „Die Frage ist nun, welche Überlegungen es für den anderen Teil des Muna-Geländes gibt“, sagt Kiendl. Schließlich brauche die Bundeswehr auch Lagerflächen.

Bund hat Planungshoheit

Regensburgs Bundestagsabgeordneter Peter Aumer (CSU) habe zugesagt, sich ans Verteidigungsministerium zu wenden. Dann werde es sich zeigen, ob die Gemeinden hier noch Möglichkeiten hätten, sagt Kiendl. Schierling hätte sich auf seinem Teil des Geländes durchaus eine alternative Nutzung vorstellen können – etwa für Photovoltaik oder für Windkraft. Jedoch sei noch offen, ob in dem Bereich Windkraft überhaupt möglich sei.

Mit der Aufnahme des Langquaider Teils in die strategische Liegenschaftsreserve liegt die Planungshoheit wieder beim Bund. Langquaid beziehungsweise der Planungsverband sind Zuschauer in dem Prozess. Einst war die Bundeswehr ein wichtiger Arbeitgeber und Auftraggeber für die Firmen in der Region. Nun heißt es abwarten, welche Pläne die Bundeswehr mit dem einstigen Munitionshauptdepot hat.

Die Geschichte der Muna

• Anfänge: 1936 wurde mit dem Bau der Munitionsanstalt (Muna) begonnen, 1938 wurde sie in Betrieb genommen.

• Zweiter Weltkrieg: Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier 12.000 Tonnen Giftgas gelagert. Im April 1945 wurde die Muna kampflos an die amerikanischen Truppen übergeben.

• 1955 bis 2009: Die Bundeswehr nutzte die Muna als Munitionshauptdepot. Mehr als 200 Leute waren hier beschäftigt. Seit ihrem Abzug ist das Gelände ein „Lost Place“