Vom Ex-Militärgebiet in Schierling und Langquaid ist wenig zu hören – das könnte sich ändern

Von Martina Hutzler · 30. Januar 2024 um 15:00

Seit anderthalb Jahren ist es ruhig geworden in Sachen „Muna“-Gelände. Die aktuelle Debatte um die Energiewende könnte das rund 176 Hektar große ehemalige Militär-Areal in Schierling und Langquaid wieder ins Rampenlicht bringen.

Vor 15 Jahren endete die militärische Nutzung des Muna-Geländes; seither wird diskutiert, was auf dem großteils bewaldeten Areal passieren soll. Vom kombinierten Gewerbe- und Grünflächen-Konzept eines Regensburger Unternehmers über die Gebäude-Nutzung als Notunterkunft für Geflüchtete bis hin zum Bio-Obst- und -gemüse-Anbau entstanden und verschwanden die Pläne. Mittlerweile sind einige Leitplanken fürs Areal konkret.

Nach wie vor ist das ehemalige Muna-Gelände komplett in Bundes-Eigentum – und beim „Großteil“ der 176 Hektar soll es dabei „perspektivisch“ auch bleiben, bestätigt Thorsten Grützner auf Anfrage unseres Medienhauses. Grützner ist Pressestellen-Leiter der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), die die Liegenschaft verwaltet. Das großteils naturnahe Gelände, das vom Bundesforst betreut wird, sei vorgesehen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen des Bundes. „Aktuell lässt die Autobahn GmbH des Bundes als Bedarfsträgerin in Abstimmung mit dem Bundesforst ein Pflege- und Entwicklungskonzept für diesen Bereich erstellen“, teilt der BImA-Sprecher mit.

Denn auch der Staat muss Naturschutz-Flächen ausweisen oder ökologisch aufwerten, wenn er, etwa für einen Straßenbau, Naturflächen rodet und versiegelt. Das könnte zum Beispiel bei einem Weiterbau der B15-neu der Fall sein.

Den Marktgemeinden Langquaid und Schierling hatte die BImA stets eine Kaufoption für kleinere Anteile in Aussicht gestellt. Langquaid, auf dessen Gemeindegebiet etwa 30 Prozent der Muna-Fläche liegen, hätte dort eine Kauf-Option für sieben Hektar.

Langquaid hat abgewunken

Wegen des starken Widerstands, den die Bürgerinitiative „Freunde des Muna-Waldes“ unter anderem gegen die Gemüseanbau-Pläne bekundete, zog aber der Marktgemeinderat im Herbst 2022 einen Schlussstrich: In nicht-öffentlicher Sitzung beschloss man, die sieben Hektar nicht zu kaufen. „„Wir haben keine Nutzung und sehen auch keine“, sagte Bürgermeister Herbert Blascheck damals in einer Sitzung des Schierling-Langquaider Planungsverbands Veno 4.0 und kündigte an, per Flächennutzungsplan festzusetzen, „dass jegliche bauliche Entwicklung dort ausgeschlossen wird. Der Bereich soll als Wald- beziehungsweise Grünbereich festgelegt werden.“

Schierling hält sich hingegen die Kaufoption für rund 35 Hektar bis heute offen, bestätigt der dortige Bürgermeister Christian Kiendl. „Wenn wir so große Flächen bekommen können, schnappen wir zu“, denn mittlerweile sei es schwierig, überhaupt noch irgendwo Grundstücke zu erwerben. Klar sei, dass dies die „Utopie“ erzeuge, die Gemeinde plane dort ein Gewerbegebiet, sagt Kiendl – und weist diese Absicht zurück. Demgegenüber „sehr fragwürdig“ findet er, dass derzeit der Bund bereits Immobilien zur Nutzung verpachtet habe.

Sehr wohl prüfenswert ist aus Schierlinger Sicht die Option „Windenergie“ am Muna-Gelände, bestätigt der Bürgermeister. Dies Das habe ein gemeindlicher Workshop gezeigt. Kein Wunder, denn wie alle anderen Kommunen war Schierling im Zugzwang.

Gemeinden im Zugzwang

Der Regionale Planungsverband Regensburg feilt nämlich derzeit für sein Gebiet (Landkreise Regensburg, Kelheim, Neumarkt, Cham und Stadt Regensburg) an der Ausweisung von „Vorranggebieten“ für die Windenergie-Nutzung. Denn bis 2027 müssen 1,1 Prozent der bayerischen Landesfläche solche Vorrangflächen sein (bzw. 1,8% bis 2032); andernfalls würden gesetzliche Steuerungs-Möglichkeiten teils wegfallen und ein „Wildwuchs“ an Windrädern drohen.

Also hat sich auch Schierling, mit der Energieagentur Regensburg, über die Gemeindekarte gebeugt und insgesamt sogar rund fünf Prozent Fläche identifiziert, auf denen man sich Windkraft vorstellen kann und die nicht von vornherein aussichtslos sind (weil z.B. zu nah an der Bebauung). Auch über dem potenziellen Muna-Schnäppchen liegt so eine Ellipse, die – noch sehr vage und unscharf – dem Wind den Weg weist. „Wir haben auch der BImA mitgeteilt, dass wir darüber nachdenken“, ergänzt Kiendl.

Freilich klebt auf allen Schierlinger Flächenvorschlägen – wie übrigens auch auf fast allen im Landkreis Kelheim – der Unsicherheitsfaktor „Militär“: Nach wie vor ist unklar, ob und wie weit insbesondere der Militärflughafen Manching sämtliche Windräder verhindert.

So lange sich die Bundeswehr hierzu in Schweigen hülle, „können wir nicht in Vorleistung gehen“ und konkrete Pläne für die Muna entwickeln, bedauert Bürgermeister Kiendl.

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Einst vor allem als Tarnung aufgeforstet, haben sich am ehemaligen Muna-Areal längst ausgedehnte Waldflächen entwickelt. Foto: Satzl