Geld, Weltpolitik und andere Hürden sollen Energiewende im Kreis Kelheim nicht stoppen

Der Landkreis Kelheim will zugunsten des Klimaschutzes loskommen von fossilen Brennstoffen – aber da tun sich aktuell einige technische und finanzielle Hürden auf.
Der Wind wäre neben der Sonne die zweite große Energiequelle, mit der sich auch im Landkreis Kelheim viel Strom erzeugen ließe: 40 bis 50 Windkraftanlagen wären angestrebt. In ganz Bayern herrscht aber noch ziemliche Flaute; „Windkümmerer“ sollen mittlerweile helfen, die im konkreten Fall meist unbeliebten Windkraftanlagen (WKA) populärer zu machen und die Gemeinden bei der Planung unterstützen. Um elf Kommunen im Kreis Kelheim wind-kümmert sich die Energieagentur Regensburg (EAR): Bad Abbach, Painten, Saal, Ihrlerstein, Teugn, Riedenburg, Langquaid, Siegenburg, Wildenberg, Mainburg und Volkenschwand wollen grundsätzlich WKA-Standorte ausloten. Doch weltpolitischer Gegenwind bremst derzeit, wie EAR-Geschäftsführer Ludwig Friedl jetzt im Kreis-Umweltausschuss erläuterte.
Per Radar können Kontrollstellen vom Boden aus Flugzeuge und Co. lotsten. In bestimmten Zonen ist dies auch vorgeschrieben. Dort gelten dann eine Mindest-Flughöhe für die Luftfahrzeuge („Minimum Vectoring Altitude“, MVA) und Höhenbeschränkungen für Bauwerke; letztere gelten sogar darüber hinaus – als „Sicherheitspuffer“ – in einem Umkreis von acht Kilometern. Weite Teile des nördlichen und mittleren Landkreises Kelheim liegen in militärischen) MVA-Zonen, resultierend aus dem Flughafen Manching, sagte EAR-Chef Friedl.
Unrentabel unterm Radar
Er schilderte ein Rechenbeispiel für den Bereich Ihrlerstein: Dort dürften Bauwerke maximal 128 Meter hochragen. Die Rotorblätter einer modernen WKA jedoch recken sich bis zu 260 Meter in die Höhe; bis zu 300 Meter seien irgendwann denkbar, so Friedl. Eine Halbierung der Höhe käme einem massiven Wirtschaftlichkeitsverlust solcher Anlagen gleich. Im Landkreis-Süden und -Südosten wäre das MAV-Problem nicht so gegeben, aber dort ist die „Windhöffigkeit“ und damit Rentabilität von WKA geringer.
Wo sich militärische Sperrriegel abzeichnen, müsste auch jeder konkret geplante Standort für eine WKA mit dem Verteidigungsministerium abgeklärt werden. Das hat sich unter anderem im Nachbarlandkreis Neumarkt schon als schwieriges Unterfangen erwiesen.
Allerorten hoffen Planer zwar, dass sich bei den bereits laufenden Gesprächen zwischen Landesregierung und Bundesverteidigungsministerium Vereinfachungen ergeben. Aber schnelle Lösungen seien „aufgrund der aktuellen militärischen Sicherheitsstufe nicht erwartbar“, dämpfte Friedl die Hoffnungen.
Auch die Stadt Kelheim musste, wie berichtet, schon die Erfahrung machen, dass die Bundeswehr gerne mal bislang unbekannte WKA-Einschränkungen im Luftraum hervorholt und höchst schmallippig auf Anfragen und Anträge hierzu reagiert: etwa beim geplanten Windpark im Stadtwald bei Ihrlerstein.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bei der Windplanung ist das Vorgehen der Bayerischen Staatsforsten. Die Anstalt des öffentlichen Rechts hält zwar bis zu 500 WKA in den Staatswäldern für möglich. Aber aktuell sind ihre Vergabekriterien für Investoren noch umstritten. Die Kommunen fürchten, dass sie zugunsten von auswärtigen Investoren außen vor bleiben. Jetzt überlegten die BaySF, selbst ein Windkraft-Unternehmen zu gründen. Ob das für die Kommunen gut oder schlecht wäre, müsse sich noch zeigen, sagte Ludwig Friedl. Er rechnet damit, dass Bewegung ins Thema kommt, sobald die Koalitionsverhandlungen beendet und CSU und FW die Besetzung der Ministerien für Landwirtschaft und für Wirtschaft geklärt haben.
Energieagentur legt Machbarkeitsstudie vor
Unterdessen hat sich der Landkreis Kelheim vorgenommen, seine eigenen Liegenschaften bis Ende des Jahrzehnts unabhängig zu machen von importierten fossilen Brennstoffen und sie zur „bilanziellen Klimaneutralität“ zu führen. Unter dem Eindruck des beginnenden Ukraine-Kriegs und der drohenden Energieknappheit hatte der Kreis-Umweltbeauftragte Peter-Michael Schmalz (ÖDP) im Februar 2022 mehr Tempo für dieses Vorhaben gefordert und einen „Masterplan“ beantragt. Daraufhin hat der Umweltausschuss bei der Energieagentur eine Machbarkeitsstudie für die Landkreis-Liegenschaften – hauptsächlich das Landratsamt mit seinen Nebenstellen und die kreiseigenen Schulen; ohne die Kreis-Kliniken in Auftrag gegeben. EAR-Projektingenieur Anton Dechant stellte dem Ausschuss nun die Studie auszugsweise vor – samt Kostenvoranschlag.
Schrittweise sanieren
Rund 14,4 Millionen Euro müsste demnach der Kreis investieren, wollte er alle vorgeschlagenen Maßnahmen investieren. Als Entscheidungshilfe ermittelte die EAR einen „priorisierten Maßnahmenkatalog“, der Kosten-Nutzen-Rechnung, CO2-Einsparung und bauphysikalische Gegebenheiten berücksichtigt. Mit Blick auf den angespannten Kreishaushalt könne man in der Tat nur schrittweise vorgehen, sagte Landrat Martin Neumeyer. Auf seine Anregung hin soll die Reihenfolge in einer Fraktionsführerbesprechung festgelegt werden.
Zu tun gibt es noch einiges. Zwar wird die Hälfte der kreiseigenen Gebäude bereits regenerativ beheizt, zumeist basierend auf Holz und Biomasse. Aber die andere Hälfte stößt mit ihrer erdgas-basierten Wärmeerzeugung immerhin knapp 1200 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus. Das entspreche etwa 10 Millionen Fahr-Kilometern eines Benzin-Autos, erklärte Ingenieur Dechant. Unter den den „fossilen“ Gebäuden ragen drei große Verbraucher heraus: der Komplex Realschule/Gymnasium Mainburg, die Realschule Abensberg und das Berufliche Schulzentrum Mainburg.
Neben einer Umstellung auf regenerative Quellen schlägt die Studie auch einschlägige die energetische Sanierung von Gebäuden und das Nachrüsten mit Photovoltaik vor.