Schneller unterwegs als erlaubt – Was Neunburg gegen Raser tut

Von Jan Lange · 26. Oktober 2025 um 17:00

Zu hohe Geschwindigkeiten sind eine der häufigsten Ursachen für Unfälle. Regelmäßige Radarkontrollen sollen für mehr Verkehrssicherheit sorgen. In Neunburg wird die Einhaltung der Tempo-Regeln nicht nur von der Polizei überwacht, sondern auch vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz. Thomas Gräml, Leiter fließender Verkehr, zog nun Bilanz im Neunburger Stadtrat.

Laut Thomas Gräml hat der Zweckverband im vergangenen Jahr insgesamt 77 Messungen in Neunburg durchgeführt. Dabei wurde die Geschwindigkeit von 28.145 Fahrzeugen kontrolliert und 1139 Verstöße festgestellt. Heuer gab es bis zum Stichtag 25. September insgesamt 45 Messungen. 15.975 Fahrzeuge wurden dabei gemessen und 626 Verstöße registriert.

51 km/h zu schnell auf der Rötzer Straße unterwegs

Als Gefahrenschwerpunkte haben sich die Rötzer Straße und der Klosterberg herauskristallisiert, erklärte Gräml auf Nachfrage des FW-Fraktionsvorsitzenden Martin Scharf. In der Rötzer Straße habe es auch einen der größten Tempoverstöße gegeben: Ein Autofahrer war hier mit 101 km/h statt der erlaubten 50 km/h unterwegs. Dafür gab es eine Geldstrafe von 560 Euro, zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg und ein zweimonatiges Fahrverbot.

Auf der Rötzer Straße war ein Autofahrer 51 km/h schneller als erlaubt unterwegs. - Foto: Jan Lange

Eine derart hohe Überschreitung habe es laut Gräml in einer 50er-Zone aber nur einmal gegeben. Ein anderer Autofahrer hatte es auf der Industriestraße immerhin auf 95 km/h bei erlaubten 50 km/h gebracht. Bei ihm lag die Geldstrafe bei 400 Euro plus zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot.

Neunburger Polizei ist Situation in der Rötzer Straße bekannt

Auch Neunburgs Polizei kennt die Situation in der Rötzer Straße. Aufgrund der relativ geraden Straßenführung könne mancher Autofahrer dazu verleitet werden, innerorts mit mehr als 50 km/h unterwegs zu sein, so eine Vermutung der Polizei. Anwohner hätten immer mal wieder berichtet, dass in der Rötzer Straße schneller gefahren werde als erlaubt, sagt Polizeihauptkommissar Markus Schlegel, der bei der Neunburger Polizei für den Verkehrsbereich zuständig ist. Er und seine Kollegen würden aber seltener auf dieser Straße kontrollieren – auch in dem Wissen, dass der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit hier öfter die Geschwindigkeit misst.

Der Zweckverband kontrolliere laut Schlegel nur innerorts, während die Neunburger Polizei im gesamten Dienstbereich, zu dem auch die Gemeinden Bodenwöhr, Schwarzhofen, Neukirchen-Balbini, Dieterskirchen und Thanstein gehören, ein wachsames Auge habe.

Wie der Polizeihauptkommissar berichtet, wurden beispielsweise in Mitteraschau, Erzhäuser oder wiederholt auch auf der B85 Tempo-Verstöße festgestellt. Schwerpunkte, sozusagen Raserstrecken, gebe es aus seiner Sicht im Raum Neunburg aber keine. In Mitteraschau hatte der Zweckverband übrigens am Freitag erneut die Geschwindigkeit gemessen.

Die Stadt Neunburg hat derzeit 15 Stunden pro Monat beim Zweckverband gebucht. Diese Stundenanzahl sei ausreichend und müsse weder reduziert noch erhöht werden, sagte Gräml auf Nachfrage eines Neunburger Stadtrates. Er empfahl dem Gremium aber, die Kontrollstandorte noch zu priorisieren. Darüber wurde dann im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung weiter diskutiert.

Klosterberg bleibt Gefahrenschwerpunkt

Im Blick hat der Zweckverband vor allem Bereiche vor Schulen, Kitas oder Altenheimen, in denen in der Regel 30 km/h gilt. So auch am Klosterberg vor dem Theresia-Gerhardinger-Haus mit der dortigen Kindertagesstätte. Der Klosterberg sei laut Gräml auch heuer noch ein Gefahrenschwerpunkt, während sich die Situation auf der Rötzer Straße etwas entspannt habe.

Als Gefahrenschwerpunkt gelten Straßen, auf denen eine bestimmte Anzahl an Verkehrsverstößen festgestellt wurde.

In den Tempo-30-Abschnitten hatte der Zweckverband nach Grämls Angaben vom 1. Januar 2024 bis zum 25. September 2025 insgesamt 379 Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt – davon 241, die sechs bis zehn km/h schneller als erlaubt unterwegs waren. Die Geldstrafe lag in diesen Fällen bei jeweils 30 Euro.

Insgesamt habe der Zweckverband in den vergangenen Monaten mehr als 63.700 Euro an Verwarnungs- und Bußgeld eingenommen, so Gräml. Dem stünden Kosten in Höhe von knapp 61.200 Euro gegenüber.

Es gehe, so betonte der Verbandsvertreter, nicht darum, Reibach zu machen, es gehe vielmehr um Verkehrssicherheit. Dem stimmte auch FW-Fraktionschef Martin Scharf zu. „Jede Überschreitung ist eine Überschreitung zu viel“, meinte der 63-Jährige.

Messergebnisse der Geschwindigkeitskontrollen

• Zweckverband: 2024 gab es insgesamt 77 Messungen. Dabei wurden 28 145 Fahrzeuge gemessen und 1139 Verstöße festgestellt. 2025 lag die Zahl der Messungen bis zum 25. September bei 45. Dabei wurden 15 975 Fahrzeuge gemessen und 626 Verstöße festgestellt.

• Überschreitungen bei 30 km/h: In den Tempo-30-Zonen wurden 2024 und 2025 insgesamt 379 Verstöße festgestellt. 241 Fahrer waren dabei mit sechs bis zehn km/h zu schnell unterwegs, bei 91 lag die Geschwindigkeit zwischen 41 und 45 km/h und bei 35 zwischen 46 und 50 km/h.

• Überschreitungen bei 50 km/h: In den 50er-Zonen beliefen sich die Verstöße auf 1386, davon waren 877 mit sechs bis zehn km/h zu schnell unterwegs.

• Polizei: Die Neunburger Polizei führte im Vorjahr insgesamt 111 Geschwindigkeitsmessungen durch. Dabei kam es zu 146 Beanstandungen. In diesem Zuge mussten fünf Fahrverbote ausgesprochen werden.