Beim Neunburger Kleiderladen Emma wird Nachhaltigkeit gelebt

Von Jan Lange · 18. Oktober 2025 um 11:00

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 entstanden, kann der Kleiderladen Emma in Neuburg (Landkreis Schwandorf) nun sein zehnjähriges Bestehen feiern. Für sein Jubiläum, das am Sonntag beim Kirchweih- und Schmankerlmarkt begangen werden soll, hat sich das Emma-Team eine besondere Aktion einfallen lassen: Die Kunden können sich von 13 bis 16 Uhr eine Emma-Stofftasche mit Kleidung füllen und zahlen dafür nur einen kleinen Preis.

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Und Bekleidung gibt es bei Emma reichlich: An den Ständern hängen Blusen, Hemden und T-Shirts in allen Farben und Größen. Auch eine große Auswahl an Schuhen ist im Laden vorhanden. Für die Herren ist das Angebot allerdings etwas kleiner als für die Damen. „Männer tragen ihre Sachen oft so lange es geht, Frauen räumen dagegen gern mal ihren Kleiderschrank auf“, vermutet Elke Reinhart, die zu den Initiatoren der sozialen Einrichtung gehört.

Bei den Kleidungsstücken handelt es sich um gebrauchte Sachen – nach dem Motto: Einfach Mode mehrmals anzieh‘n. Aus den Anfangsbuchstaben dieses Mottos setzt sich auch der Name Emma zusammen.

Soziales Projekt startete 2015 in der Neunburger Vorstadt

Im Herbst 2015 öffnete der Emma-Laden erstmals seine Türen – damals noch in der früheren Bäckerei Bauer in der Vorstadt. Das Angebot war eine Reaktion auf die große Anzahl an Flüchtlingen, die vor zehn Jahren auch in Neunburg ankam. Auf die Frage, was der größte Bedarf sei, wurden vor allem Kleidung und ein Fahrdienst genannt.

Einfach nur Kleidersäcke in der Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Kasernengelände abzuladen, war für die freiwilligen Helfer keine adäquate Lösung. Vielmehr sollte es koordinierter ablaufen, erinnert sich Elke Reinhart. Und so wurde die Idee eines Kleiderladens geboren. Einem Bekannten von Elke Reinhart gehörte das Gebäude der Bäckerei Bauer – und so war relativ schnell ein Ort für den Kleiderladen gefunden.

Mit der Hilfe von Geflüchteten – unter anderem aus Syrien, dem Irak oder Äthiopien – und vielen Engagierten aus Neunburg und Schwarzhofen wurde der Laden renoviert und eingerichtet. Einige der damaligen Helfer tragen bis heute entscheidend zum Gelingen des Projektes bei. Taysir Zeino war von Beginn an tatkräftiger Helfer und Dolmetscher. Seine Frau Amal Daher war rasch nach ihrer Ankunft in Deutschland ebenfalls ehrenamtlich aktiv – und steht noch heute regelmäßig an der Kasse. Und Emma Reiml erfuhr vom Laden durch einen Zeitungsartikel. „Mein Name – tolles Konzept, ich helfe mit“, dachte sie sich. So begann auch ihr Engagement – immer wieder montags im Laden.

Im Hintergrund wirken unter anderem Myriam Becher, Christian Voith, Andreas Köppl und Manuela Zach. Sie sind bei größeren Aktionen, Events und organisatorischen Arbeiten stets zur Stelle. Die Fäden in der Hand haben Angela Gruber und Elke Reinhart, die auch die beiden Vorsitzenden des 2017 gegründeten gemeinnützigen Emma-Vereins sind. Der Verein wurde damals vom Rotary Club Oberpfälzer Wald/Oberviechtach aus der Taufe gehoben und wird heute noch von ihm unterstützt.

Ohne das unermüdliche Engagement der Freiwilligen würde es Emma nicht geben.Elke Reinhart, Initiatorin des Projektes und Neunburgs Integrationsbeauftragte

Schnell zeigte sich, dass das Angebot nicht nur für Geflüchtete wichtig war, sondern ebenso für andere Bürger. Die Initiatoren entwickelten schon in der Planungsphase ein Modell, das alle Menschen erreichen sollte – unabhängig davon, ob sie einen Fluchthintergrund haben oder sich in materieller Not befinden. Alle Helfer unterstützen den Laden auf ehrenamtlicher Basis. Das funktioniert seit zehn Jahren auch in einer Kleinstadt wie Neunburg. Genauso wie das Spenden der Bekleidung. Es gebe viele Stammspender, die regelmäßig Sachen vorbeibringen, berichtet Elke Reinhart. Die Spenden werden im Laden abgegeben, der immer montags und freitags jeweils von 16.30 bis 18 Uhr geöffnet hat.

Ein Grundsatz des Emma-Teams ist, keine anonymen Spenden anzunehmen. Wer nur eine Tüte mit Kleidung vor dem Laden abstellt, muss damit rechnen, dass sie vernichtet wird. Darauf haben Elke Reinhart und ihre Mitstreiter immer wieder hingewiesen. „Anfangs kam es schon mal vor, dass uns Tüten vor die Tür gestellt wurden“, blickt sie zurück. „Aber heute ist das nur ganz selten der Fall.“ Wenn die Spender direkt im Laden vorbeikommen, dann würden sie gleich sehen, wer hier alles einkauft, meint Reinhart, die auch Neunburgs Integrationsbeauftragte ist.

Ein weiterer Grundsatz ist, dass die Bekleidung nicht bei den Spendern abgeholt wird. Solche Anfragen gebe es immer wieder mal – sie werden aber abgelehnt. Es wäre logistisch nicht leistbar, steht für Elke Reinhart fest, wenn die Spenden abgeholt werden müssten. Dennoch ist es den Neunburger Initiatoren gelungen, über die zehn Jahre stets ein ausreichendes Spendenaufkommen zu generieren. Die Unterstützer kommen dabei nicht nur aus der Pfalzgrafenstadt, sondern aus der gesamten Region, zum Beispiel aus Schwarzenfeld, Oberviechtach oder Rötz.

Mittlerweile gibt es drei Standorte: Neunburg, Schwandorf, Gera

Weil das Gebäude der ehemaligen Bäckerei in der Vorstadt verkauft wurde, musste sich der Kleiderladen 2019 neue Räumlichkeiten suchen. Die fand er in einem früheren Bioladen in der Hauptstraße. „Der Standort ist herrlich. Er ist mitten in der Innenstadt. Wir werden gesehen. Wir sind froh, dass wir hier sind“, so Reinhart.

Nach dem Start in Neunburg kam schnell die Idee auf, das Konzept zu multiplizieren. So eröffnete 2018 die zweite Emma in Schwandorf. 2024 wurde Emma Gera gestartet – in Kooperation mit der Firma Horsch, die eine Produktionsstätte nahe Gera betreibt. An allen drei Standorten sind zusammen gut 60 Ehrenamtliche aktiv.

Das Ehrenamt ist das Herzstück von Emma. „Ohne das unermüdliche Engagement der Freiwilligen würde es Emma nicht geben“, betont Reinhart. Wenn die Läden Überschüsse erwirtschaften, werden diese an soziale Projekte gespendet – in Schwandorf zuletzt 1500 Euro an das lokale Hilfswerk für Kinder. Oder in Neunburg wurden Schultaschen gekauft für Kinder, die nichts haben.

Rund um das Neunburger Projekt

• Standort: Hauptstraße 59 (ehemaliger Bioladen) in Neunburg

• Öffnungszeiten: Montag und Freitag jeweils von 16.30 bis 18 Uhr

• Preise: Obdachlose und besonders Notleidende zahlen gar nicht. Die Preise für Bedürftige liegen zwischen 0,75 und 4 Euro. Alle anderen Kunden zahlen mehr – für sie kostet beispielsweise ein T-Shirt 1,50 Euro und eine Winterjacke 8 Euro.