Neunburg will frühere Kaserne reaktivieren – So reagiert das Verteidigungsministerium

Aufgrund der verschärften Bedrohungslage in Europa infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine will die Bundesregierung ihre Sicherheits- und Verteidigungspolitik neu ausrichten. Das schließt eine Stärkung der Bundeswehr ein – zum Beispiel durch einen neuen Wehrdienst. Die Pläne werden in Neunburg (Landkreis Schwandorf) aufmerksam verfolgt – nicht ohne Eigeninteresse. Denn in der Stadt gibt es Bestrebungen, die frühere Pfalzgraf-Johann-Kaserne zu reaktivieren.
Mit einem entsprechenden Vorschlag hatte sich die Rathausspitze bereits im Frühjahr 2024 an die damalige Ampel-Regierung in Berlin gewandt. Auf dem Plattenberg sei ein großes Gelände vorhanden, das sich für militärische Zwecke nutzen ließe. Die Antwort damals sei lapidar gewesen, meint Bürgermeister Martin Birner (CSU).
Für den Rathauschef war das Thema damit aber nicht gestorben. Durch die aktuelle Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht schwappte auch die Idee, die Neunburger Kaserne zu reaktivieren, wieder nach oben. Die Stadt wandte sich erneut an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Kaserne war über Jahre fester Bestandteil
Der Bürgermeister und seine Stellvertreterin Margit Reichl (CSU) erinnerten in dem neuen Schreiben daran, dass Neunburg „über Jahrzehnte fester Bestandteil der militärischen Infrastruktur der Bundeswehr“ gewesen sei. Bis 2007 waren verschiedene Bataillone in der Pfalzgrafenstadt stationiert. „Die Bevölkerung stand über all diese Jahre geschlossen und mit großer Selbstverständlichkeit hinter der Bundeswehr“, hieß es in dem Schreiben der Stadt.
Die Rathausspitze warb mit der verkehrsgünstigen Lage, den bestehenden Gebäuden, Flächenreserven und dem größeren Abstand zur Wohnbebauung für das ehemalige Kasernengelände. Aus Sicht der Stadt seien es „ideale Voraussetzungen für eine kurzfristige Reaktivierung“. Der Standort sei laut Stadt prädestiniert für Aufgaben wie die Grundausbildung, Reserveübungen oder den Aufbau von Infrastruktur zur Wehrerfassung und Musterung.
Der Bürgermeister und seine Stellvertreterin versprechen sich von einer Reaktivierung der Kaserne auch „viele Vorteile“ für die Stadt. So könnten lokale Unternehmen Aufträge erhalten und neue Arbeitsplätze entstehen. Zudem könnten auch Gewerbetreibende von den Soldaten vor Ort profitieren – was letztlich zu mehr Gewerbesteuer für die Stadt führen würde. Ebenso könnte vorhandene Infrastruktur wie beispielsweise der Bahnhof in Bodenwöhr im Zuge einer Reaktivierung der Kaserne verbessert werden.
Europcar hat sich aus Neunburg zurückgezogen
Dass sich Neunburg überhaupt mit dem Vorschlag, die alte Kaserne wieder zu nutzen, an das Verteidigungsministerium gewandt hatte, lag an einer Entscheidung von Europcar. Der Autovermieter und Eigentümer des Areals zog sich im März 2024 „aus betriebswirtschaftlichen und strategischen Gründen“ aus Neunburg zurück. Seitdem steht das rund 33 Hektar große Gelände zum Verkauf. Nach MZ-Informationen gab es Interessenten für die Fläche auf dem Plattenberg, doch ein Verkauf kam bisher nicht zustande. Die Stadt Neunburg und Europcar stehen in einem regelmäßigen Austausch, erklärt Bürgermeister Birner. So sei das Unternehmen auch über die Idee informiert worden, das Gelände an den Bund verkaufen zu können. Der Handlungsspielraum sei nach Einschätzung der Stadt aber zeitlich begrenzt. Denn auch vonseiten der Wirtschaft gebe es nach wie vor Interesse an dem Areal.
Der Stadt liegen auf ihr Schreiben inzwischen Antworten aus dem Verteidigungsministerium vor. Staatssekretär Nils Hilmer informierte, dass man bei den Untersuchungen zum Aufwuchs der Bundeswehr „insbesondere die Flächen der Liegenschaften im Bestand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ betrachte.

Aber auch Angebote Dritter – vor allem Liegenschaften, die früher bereits militärisch genutzt worden seien – würden in diese Überprüfung einbezogen, teilte Hilmer der Stadt weiter mit. Der Staatssekretär bat um Verständnis, dass er „dem Ergebnis dieser ressortübergreifenden Infrastrukturplanungen nicht vorgreifen möchte“. Über eine mögliche Reaktivierung der Pfalzgraf-Johann-Kaserne könne er deshalb auch noch keine Aussage treffen.
Bürgermeister will weiter dranbleiben
Parallel hatte auch die Schwandorfer Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) an Verteidigungsminister Pistorius geschrieben und eine Antwort erhalten. Der SPD-Politiker nennt darin auch einen Ansprechpartner im Ministerium. Mit dem will Bürgermeister Birner zeitnah das Gespräch suchen. Auch aktive und ehemalige hochrangige Militärs sollen dabei eingebunden werden. Wichtig ist Birner, dass das Thema jetzt nicht im Sande verläuft.
Auch bei der jüngsten Nominierungsveranstaltung der Neunburger CSU wurde das Thema Reaktivierung der Kaserne angesprochen. Birner versprach auch hier, weiter dranzubleiben. Gleichzeitig betonte der Bürgermeister, dass man zweigleisig fahren müsse, da es eben auch in der Wirtschaft weiterhin Interesse an einer Nutzung des Geländes gebe.
Und nicht nur Neunburg will vom geplanten Aufwuchs der Bundeswehr profitieren. Auch die Oberviechtacher CSU hat sich an das Verteidigungsministerium mit dem Vorschlag gewandt, ein zusätzliches Bataillon in der Grenzlandkaserne zu stationieren und damit die Anzahl der Soldaten vor Ort auf 1000 zu erhöhen.
Geschichte des Neunburger Bundeswehrstandortes
• 1961: Die Bauarbeiten für die Neunburger Kaserne begannen.
• 1963: Im März 1963 zogen die ersten 56 Soldaten des Panzerbataillons 114 ein. Einige Wochen später folgte das Feldartilleriebataillon 115.
• 1980: Die Kaserne wurde erweitert.
• 2004: Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) entscheidet sich für die Schließung des Standortes
• 2007: Die Bundeswehr gab die Nutzung der Pfalzgraf-Johann-Kaserne auf.
• 2008: Das Kasernengelände wird an die Autovermietung Buchbinder verkauft, die später von Europcar übernommen wird.
• 2024: Europcar zieht sich vom Standort Neunburg zurück.