Kriminalität und Migration: So sind die Zahlen im Raum Neunburg

Erst am vergangenen Mittwoch gab es in Neunburgs Gemeinschaftsunterkunft eine körperliche Auseinandersetzung zwischen einem Asylbewerber und zwei Security-Mitarbeitern. Und jüngst stand ein anderer Flüchtling aus Neunburg in Amberg wegen eines Messerangriffs vor Gericht. Die Vorfälle werfen die Frage auf, ob es sich bei den Taten um Einzelfälle handelt oder ob sie im Raum Neunburg (Landkreis Schwandorf) auf der Tagesordnung stehen.
Die Polizeistatistik zeigt, dass die Zahl der von Asylbewerbern begangenen Straftaten im Vergleich zur Anzahl der Flüchtlinge gering ist. Mehrere Hundert Asylbewerber waren 2024 im Bereich der Polizei Neunburg registriert, 25 davon wurden im Vorjahr straffällig. Die meisten Flüchtlinge leben in der großen Gemeinschaftsunterkunft auf dem Plattenberg, einige weitere sind dezentral in Wohnungen untergebracht.
Das sagt die Polizeiinspektion Neunburg
Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt sieht „proportional kein Problem mit Asylbewerbern“. Bei der letzten Begehung der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Plattenberg im Mai seien beispielsweise keine Beanstandungen festgestellt worden. Mindestens einmal im Jahr schauen sich Neunburgs Polizisten dort genauer um. Diese Kontrollen werden vorher nicht angekündigt.
Die Beamten der PI Neunburg sind natürlich öfter in der Gemeinschaftsunterkunft im Einsatz – vom 1. Januar bis 31. August 2025 war dies insgesamt 20 Mal der Fall. Von diesen Einsätzen hätten aber 15 keine strafrechtliche Relevanz gehabt, betont Schmitt.
Neunburgs Polizeichef will nicht verschweigen, dass es auch Flüchtlinge gibt, die sich nicht an die Regeln halten. So auch Täter und Opfer des Messerangriffs, der jüngst in Amberg vor Gericht verhandelt wurde. Beide würden dem Alkohol massiv zusprechen, wie die Neunburger Polizeibeamten in der Verhandlung aussagten. Und auch Markus Schmitt kann dies bestätigten. Es handele sich dabei aber um Einzelfälle, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar.
Die Neunburger Polizei arbeitet sehr gut mit der Heimleitung zusammen, sagt Schmitt. Bewohner, die immer wieder Ärger machen, könnten auch verlegt werden. In Neunburg besteht die Unterkunft aus insgesamt drei Gebäuden. Da die Belegung in den vergangenen Monaten abgenommen hat, besteht beispielsweise die Möglichkeit, den betroffenen Asylbewerber in einem anderen Haus unterzubringen. Hilft das nicht, könnte er auch in eine andere Kommune gebracht werden. Davon wurde in der Vergangenheit schon Gebrauch gemacht.
Die Verantwortung für die Gemeinschaftsunterkunft liegt bei der Regierung
Die große Gemeinschaftsunterkunft auf dem Plattenberg liegt in der Verantwortung der Regierung der Oberpfalz. Aktuell sind hier 83 Personen untergebracht. Anfang 2025 seien es noch 101 Flüchtlinge gewesen. „Die Belegungszahlen haben in den vergangenen Monaten langsam, aber stetig abgenommen“, teilt Kathrin Kammermeier, Pressesprecherin bei der Regierung mit. Insgesamt stehen im Neunburger Heim 150 Plätze zur Verfügung.
Die Betreuung der Bewohner erfolgt zunächst durch das eigene Personal der Regierung. Das sind ein Heimleiter und drei Hausmeister. Diese kümmern sich neben der Gemeinschaftsunterkunft in Neunburg zusätzlich um sieben weitere, kleinere Heime im Landkreis Schwandorf. Zudem ist die Flüchtlings- und Integrationsberatung des Landratsamts Schwandorf für die Bewohner zuständig, hier findet zweimal wöchentlich eine Sprechstunde vor Ort statt. Außerdem sind auch Ehrenamtliche aus Neunburg tätig, die die Bewohner bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben unterstützen, wenn es nötig sein sollte. In der Neunburger Unterkunft ist zur Zeit auch ein Sicherheitsdienst die ganze Woche rund um die Uhr mit zwei Personen im Einsatz, der außerhalb der Zeiten der Verwaltung auch als Ansprechpartner in Notfällen zur Verfügung steht.
Bürgermeister Martin Birner lobt die Integrationsarbeit
In Neunburg werde eine gute Integrationsarbeit geleistet, findet Bürgermeister Martin Birner (CSU). Er lobt die Arbeit der Ehrenamtlichen, die die Flüchtlinge beispielsweise in Deutschkursen betreuen. Sie würden dort nicht „bemuttert“, sondern „gefördert und gefordert“. Die Flüchtlinge müssten auch zeigen, dass sie gewillt sind, sich zu integrieren, meint der Rathauschef. Birner ist allen Betrieben dankbar, die Migranten beschäftigen und damit einen Beitrag zur Integration leisten würden. Die Stadt geht dabei als gutes Beispiel voran: Im Marienheim, das von der städtischen Spitalstiftung betrieben wird, werden laut Bürgermeister Flüchtlinge beschäftigt. Anfangs habe es auch Bedenken gegeben, räumt Birner ein. Aber mittlerweile seien mehrere Geflüchtete eingestellt worden.
Im Stadtrat habe es auch Stimmen gegeben, Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Der Bürgermeister sieht in einer zentralen Unterkunft aber einen großen Vorteil. Dort gebe es qualifiziertes Personal, das von der Regierung der Oberpfalz gestellt werde. Bei einer dezentralen Unterbringung müsse die Betreuung von der Kommune übernommen werden, erklärt der Bürgermeister.
Integrationsbeauftragte Elke Reinhart ist die Brücke zu den Ehrenamtlichen
Seit 2016 ist Elke Reinhart Integrationsbeauftragte in Neunburg. Sie sieht sich als Brücke zwischen Verwaltung und Ehrenamtlichen. Aus ihrer Sicht müsste jede Kommunen einen festen Mitarbeiter für Integration haben. Je größer der Anteil der Migranten sei, desto mehr Stunden sollte sich die Verwaltung um dieses Thema kümmern, findet sie. Denn die Migranten hätten andere Bedürfnisse und Probleme, wenn sie fremd in einem Land seien.
Dass Kommunen nur auf die Ausländerämter verweisen, kann sie nicht verstehen. Denn dabei würde es sich ja nur um Verwaltungen handeln. Behörden könnten nur die Rahmenbedingungen setzen, aber keine Integration leisten. Flüchtlinge zu integrieren, könne aus ihrer Sicht nur gelingen, wenn der ganz normale Bürger offen sei, das Thema anzugehen. Dazu zähle beispielsweise die Akzeptanz, dass äthiopische Pfleger im Altenheim tätig sind oder syrische Frauen an der Kasse im Supermarkt sitzen. Dass die Integration in Neunburg scheinbar besser gelingt als andernorts schreibt Reinhart dem andauernden Willen der Bürger, Vereine und Unternehmen zu, sich für die Migranten einzusetzen.
Blick in den Sicherheitsbericht
• Tatverdächtige: Von den im vergangenen Jahr insgesamt 245 ermittelten Tatverdächtigen in Neunburg hatten 93 keinen deutschen Pass (38 Prozent). Im Jahr 2023 waren es 76 nichtdeutsche Personen von 248 ermittelten Tatverdächtigen. Der Anteil der ausländischen Straftäter ist damit leicht angestiegen.
• Asylbewerber: Von den ermittelten Tatverdächtigen waren im Vorjahr 25 Asylbewerber, 2023 waren es 21 Asylbewerber von insgesamt 248 Tatverdächtigen.
• Straftaten: Die aufgefallenen Asylbewerber haben im Vorjahr 29 Straftaten begangen, 2023 waren es bei 21 aktenkundigen Asylbewerbern 30 Straftaten.
• Hauptdelikte: Sechs gefährliche Körperverletzungen, vier Vermögensdelikte (Betrug, Erschleichen von Leistungen, Unterschlagung) und jeweils drei einfache Körperverletzungen sowie Ladendiebstähle gingen beispielsweise auf das Konto der beschuldigten Asylbewerber. Im Jahr 2023 waren die häufigsten Straftaten Ladendiebstahl (sechs), Rauschgiftdelikte mit Cannabis (vier), einfache Körperverletzung (vier) sowie jeweils zwei Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohungen, Vermögensdelikte (Betrug) und Beleidigungen.