BI: Kaiser-Therme in Bad Abbach wird verscherbelt – Gutachten ruft 1,5 Millionen Euro auf

Von Martin Rutrecht · 26. Oktober 2025 um 19:00

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach im Landkreis Kelheim hat ohne Investor keine Zukunft. Per Ausschreibung wird derzeit nach einem neuen Eigentümer gesucht. Die BI „ProTherme“ lanciert jetzt Auszüge aus einem Gutachten: Die Therme soll für rund 1,5 Millionen Euro zu haben sein, umliegende Grundstücke würden unter Wert verkauft. Der aktuelle Träger ordnet die Zahlen anders ein.

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Dass es ein Gutachten zum Wert des Kurbads und des Areals gibt, ist seit längerem bekannt. Aber der aktuelle öffentliche Träger, der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach, sowie auch Bürgermeister Benedikt Grünewald erklärten mehrfach, man dürfe Zahlen nicht nach außen geben. Dies hänge mit rechtlichen Vorgaben zusammen. Würde man dies missachten, wäre der gesamte Verkaufsprozess gefährdet.

Über die Ausschreibung, die Anfang Oktober EU-weit veröffentlicht wurde, ist laut „ProTherme“ der Zugang zu Zahlen möglich. „Der Wert der Kaiser-Therme wird ohne ihre Grundstücke mit 1,56 Millionen Euro zum Verkauf beziffert“, erklärt BI-Sprecher Ralph Schäfer mit Blick auf diese Unterlagen. In einem „Verfahrensbrief“ in den Dokumenten wird der Verkehrswert mit „1.526.000 Euro netto“ beziffert. Das sei ein „Schleuderpreis“, sagt Schäfer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die 1,526 Millionen Euro bestätigen Zweckverbands-Geschäftsführerin Katrin Landes und Bürgermeister Grünewald auf Anfrage. „Der Wert wurde durch einen unabhängigen, vereidigten Sachverständigen ermittelt.“ Die Summe stelle ein Mindestgebot dar. Der anzubietende Gesamtpreis „muss mindestens den durch das Verkehrswertgutachten ermittelten Preis betragen“, zitieren sie aus dem „Verfahrensbrief“. Ein darunter liegendes Angebot „ist nicht zulässig und wird nicht berücksichtigt“. Errichtet wurde die Therme vor 30 Jahren für 60 Millionen D-Mark (ca. 30 Millionen Euro).

BI-Sprecher: „Man will die Therme einfach weg haben“

Schäfer wirft Zweckverband und Bürgermeister vor: „Sie wollen die Therme billig weg haben.“ Es werde ohnehin schwierig, einen Investor zu finden, denn er müsse Unsummen in die Sanierung des Heilbads stecken. Wie mehrfach berichtet sieht der aktuelle Träger einen Sanierungsbedarf von 50 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren. Das bewog den Zweckverband auch zum Ausstieg mit September 2026 – weil das aus öffentlicher Hand nicht finanzierbar sei.

Angeboten werden in der Ausschreibung auch unbebaute Grundstücke der Marktgemeinde rund um die Therme. Ein Investor kann sie kaufen, muss aber nicht, so die Offerte. Auch hier legt „ProTherme“ Zahlen offen. „Bei Berücksichtigung der zum Wertermittlungsstichtag gültigen Bauleitplanung kostet der Quadratmeter 212 Euro, bei Überplanung mit einer Änderung des Bebauungsplans wird der Quadratmeter für 276 Euro angeboten“, heißt es in einer Mitteilung der BI. „Diese Werte sind skandalös, denn die Bodenrichtwerte für Baugrund liegen zum Beispiel in Peising bei 450 und in Bad Abbach bei 700 Euro“, sagt Schäfer.

Auf den Gundstücken ist keine Wohnbebauung möglich. Deswegen können die Werte nicht mit Wohnbauland verglichen werden.“Katrin Landes, Geschäftsführerin Zweckverband

Immobilien-Internetportale rufen Baugrundstücke in der Marktgemeinde zu Preisen von 386 bis 672 Euro pro Quadratmeter auf, ergab eine Recherche unserer Zeitung. „Die Lage rund um die Therme ist eine der schönsten in ganz Bad Abbach. Und dann werden solche Billigpreise in die Ausschreibung reingenommen.“

Auch hier bestätigen Landes und Grünewald die genannten 212 bzw. 276 Euro. Weil auf den Grundstücken allerdings „keine Wohnbebauung ausgewiesenen und möglich ist, können die Bodenwerte nicht mit dem Wert von Wohnbauland verglichen werden“, stellen sie klar. Der Bewertung liege kein allgemeines Wohngebiet, sondern ein Sondergebiet für Kur- und Fremdenverkehrseinrichtungen zu Grunde.

Vorgabe: Mitarbeiter müssen übernommen werden

Im laufenden Vergabeverfahren „konnten wir bisher eine hohe Zahl an Aufrufen der Veröffentlichung verzeichnen“, sagen Geschäftsführerin und Bürgermeister zur aktuellen Ausschreibung. Zur Anzahl ernsthafter Interessenten könne man noch keine Aussage treffen. Die Übernahme der rund 50 Mitarbeiter sei auf Basis von Paragraf 613a im Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtend vorgegeben.

Für „ProTherme“, das einen Erhalt der Einrichtung in öffentlicher oder genossenschaftlicher Form befürwortet, zeichnet sich ein Scheitern der Investoren-Suche ab. „Auch wenn der Kauf relativ günstig ist, warten dann erst die Attraktivierung der Therme und der Bau eines Hotels oder von Appartements. Welches Unternehmen kann sich das heute noch leisten?“, fragt Schäfer.

Er plädiert mit seinen Mitstreitern für eine „markteigene Genossenschaft“ als Betreiber. „Bad Abbach hat eine Marktentwicklungsgesellschaft. Ähnliches sollte für die Kaiser-Therme machbar sein.“ Bürger und Firmen, denen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter am Herzen liege, könnten sich einbringen, so der BI-Sprecher.

Bald ist Abgabeschluss

Ausschreibung: Der „Verkauf der Kaiser-Therme Bad Abbach“ ist auf der Internet-Plattform „Aumass“ seit Anfang Oktober veröffentlicht. Interessenten können sich das Objekt auch ansehen.

Frist: Bis 3. November 2025 können potenzielle Investoren Angebote abgeben. Über Bewertungskriterien wird der Zweckverband sie dann prüfen.