Klare Vorgabe: Investor muss Kaiser-Therme erhalten – und die Mitarbeiter übernehmen

Von Martin Rutrecht · 27. Juli 2025 um 19:00

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) steht vor der Privatisierung. „Der Investor muss die Therme weiter betreiben und die Mitarbeiter übernehmen. Das ist nicht verhandelbar“, stellt Bürgermeister Benedikt Grünewald namens des noch öffentlichen Trägers im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern klar. Aktuell gebe es „drei, vier seriöse Interessenten“ – alle führen schon mindestens eine Therme.

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Die Zeit tickt. Ende September 2026 löst sich der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach (gehalten von Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und der Marktgemeinde) auf. Wird bis dahin kein privater Investor gefunden, steht die Kaiser-Therme vor dem Ende. Die öffentliche Hand kann und will eine 52 Millionen Euro teure Sanierung nicht mehr schultern. Deshalb verabschiedet sich der Zweckverband aus dem Kurbad.

Mitte 2024 wurde dieser Weg in verschiedenen Gremien beschlossen – einschließlich eines Verkaufsprozesses. „Das Vergabeverfahren wurde jetzt von uns vorbereitet. Im Grunde könnten wir es sofort zünden“, so Grünewald in Anwesenheit von Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich und Landrat Martin Neumeyer, die zu dritt den Zweckverband vertraten. Man habe „klare, gute Kriterien für den Verkauf entwickelt“. Im Vergabeverfahren können Interessenten Angebote für die Therme und das umliegende Areal abgeben.

„Keine Geheimniskrämerei“, sondern Sorge vor Verstößen

Scharf gestellt wird es am 30. September 2025. „Wir wollen noch die Haupturlaubszeit abwarten.“ Ab dem Tag könnten alle potenziellen neuen Betreiber über eine Vergabeplattform sowie eine Veröffentlichung im europaweiten Amtsblatt die Ausschreibung einsehen. „Dass wir die Kriterien nicht vorher benennen, ist keine Geheimniskrämerei. Ich würde selbst gerne manches erklären“, sagte Grünewald. Aber würde ein Interessent früher von Ausschreibungsinhalten erfahren als ein anderer, „läge ein vergaberechtlicher Verstoß vor. Und bei einem Einspruch könnte der Verkauf scheitern – und 50 Arbeitsplätze wären in Gefahr.“

Auch das Wertgutachten, dessen Veröffentlichung die BI „ProTherme“ seit Wochen fordert, werde man „nicht zu Markte tragen“. „Ich verrate einem Käufer doch nicht vorab, wie viel ich höchstens verlangen kann.“ Der Zweckverband dürfe, ergänzte Heinrich, nicht unter Wert verkaufen. Die Expertise, die Therme und Grundstücke taxiert, sei „über 150 Seiten dick“, so Grünewald.

Einen Weiterbetrieb bis in alle Ewigkeit können wir nicht verlangen.

Benedikt Grünewald, Bürgermeister Bad Abbach

Er, Heinrich und Neumeyer unterstrichen eines deutlich: „Der Investor ist verpflichtet, die Kaiser-Therme als öffentliches Bad im Sieben-Tage-Betrieb weiter zu führen, ebenso muss er die Mitarbeiter übernehmen.“ Dies sei „nicht verhandelbar“. Unkenrufe, potenzielle Geldgeber würden das Kurbad abreißen lassen und nur auf die Grundstücke setzen, seien fehl am Platz. „Wir verkaufen ein Unternehmen, keine Immobilie“, machte der Bürgermeister klar. „Ad infinitum“, also bis in alle Ewigkeit, könne man einen Weiterbetrieb nicht verlangen. „Das kann heutzutage weder ein öffentlicher noch ein privater Geldgeber zusichern.“

Keine „Glücksritter“ anziehen

„Glücksritter“ im Verkaufsprozess wolle man ausschließen. „Jeder Bieter muss Referenzen im Betrieb einer Therme und betriebswirtschaftliche Kompetenz nachweisen. Zudem verlangen wir ein Bauprogramm für die Sanierung.“ Von den bislang drei, vier seriösen Interessenten „betreibt jeder mindestens schon eine Therme, in der Regel als Familienunternehmen“.

Bis zum 30. November können Interessenten ihre Angebote abgeben. „Diese werden wir prüfen, dann treten wir in Verhandlungen ein“, so Grünewald. Bis Sommer 2026 soll der Verkauf über die Bühne gehen. Die Marktgemeinde will dem neuen Betreiber mit 1,8 Millionen Euro Förderung beispringen (siehe dazu Info-Kasten ganz unten).

Zweckverband geht in Liquidation über

Der Bürgermeister ging auch auf das Gerücht ein, der Zweckverband bestehe über Ende September 2026 hinaus. „Der Betrieb der Therme wird eingestellt.“ Indes löse sich der Zweckverband „nicht in Nichts auf“. „Er geht in Liquidation über. Was auch gut ist, weil wir so weiter die Rechte des Verkäufers gegenüber dem neuen Eigentümer geltend machen können.“

Grünewald merkte zum Verkaufsprozess noch an, „dass uns manche unglaublich wenig Vertrauen entgegen bringen und immer etwas Negatives finden wollen“. Was an die Öffentlichkeit dringen dürfe, habe er unter anderem in zwei Bürgerversammlungen auch preisgegeben. „Noch einmal: Unser Ziel ist der Erhalt der Kaiser-Therme – nichts anderes.“

Sieben Millionen Euro Zuschuss – noch ist nichts da

Geldmittel: Als „Strukturausgleich“ haben Bezirk Niederbayern (5,25 Mio.) und Landkreis Kelheim (1,75 Mio.) dem Markt Bad Abbach sieben Millionen Euro zugesichert. „Bislang ist davon noch nichts geflossen“, erklärte Bürgermeister Benedikt Grünewald.

Rechtmäßigkeit: Unter anderem im Kreistag kamen Zweifel an der Zulässigkeit der Zuwendung auf, da das Gebot der „Sparsamkeit“ ignoriert werde. „Das Bayerische Innenministerium hat den Zuschuss für rechtens erklärt“, so Olaf Heinrich.

Verwendung: Der Bezirk will noch heuer 1,75 Millionen Euro überweisen. Die weiteren Mittel folgen in den nächsten Jahren. Mit 1,8 Millionen Euro will Bad Abbach den neuen Investor unterstützen, 800.000 davon über staatliche Fördertöpfe wieder refinanzieren.