„ProTherme“: Zweckverband ist nicht raus – Abbachs Bürgermeister weist Vorwurf der Falschinformation zurück

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach im Landkreis Kelheim wird privatisiert – der Zweckverband als öffentlicher Träger ist Ende 2026 raus. So lautet die beschlossene Sachlage. Das entspreche aber nicht den Tatsachen, erklärt die Aktionsgruppe „ProTherme“, die den Erhalt in öffentlicher Hand fordert. Bürgermeister Grünewald habe falsch informiert, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Bürgermeister weist dies zurück.
Das nächste Kapitel im Verkaufspoker um die Kaiser-Therme wird am Dienstag, 15. Juli, in einer nichtöffentlichen Sitzung des Bad Abbacher Marktgemeinderats aufgeschlagen. Inhalt der Sitzung ist das Vergabeverfahren, in dem potenzielle Investoren ihr Angebot für Therme, Tiefgarage und umliegende Grundstücke abgeben können. Aus rechtlichen Gründen finde die Zusammenkunft hinter verschlossenen Türen statt, hatte Bürgermeister Benedikt Grünewald gegenüber unserer Zeitung erklärt.
„ProTherme“ – das sich selbst jetzt als BI (Bürgerinitiative) bezeichnet – hat im Vorfeld der „geheimen“ Sitzung die Thematik Kaiser-Therme „intern diskutiert", erklärt Sprecher Ralph Schäfer aus Bad Abbach. Aus der Runde kommt auch eine klare Aussage zur angepeilten Auflösung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach mit Ende 2026. Dieses Aus nach dem Übergang an einen Investor hatten die Träger – Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Kommune Bad Abbach – im Vorjahr beschlossen.
Weiterhin „Verantwortung für den Standort“
Die Aktionsgruppe sieht es anders: „Ein Zweckverband kann nur aufgelöst werden, wenn alle ungeklärten Altlasten und ungeklärte Grundstücksfragen eindeutig geklärt worden sind“, schreibt „ProTherme“. Worin diese Altlasten und Grundstücksfragen bestünden, erläutert Schäfer indesnicht. Gegenüber unserer Zeitung erklärt Bürgermeister Grünewald, „es gibt im Zusammenhang mit dem Verkauf der Therme keine ,ungeklärten Altlasten‘ oder ,ungeklärte Grundstücksfragen‘“.
Die BI ist ferner überzeugt, dass „der Zweckverband auch nach Ende 2026 weiterhin Verantwortung für den Gesundheitsstandort Bad Abbach für viele weitere Jahre übernehmen“ muss. Hier, so der Vorwurf, habe Bürgermeister Grünewald „alle Beteiligten falsch informiert“.
Dieser widerspricht auch in diesem Punkt: „Wie beschlossen wird der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach bis spätestens 30.9.2026 aufgelöst“ und danach abgewickelt. Bis zur Auflösung sei noch „eine Reihe weiterer, formeller Beschlüsse in den verschiedenen Gremien (Marktgemeinderat, Kreistag, Bezirksausschuss, Bezirkstag und Verbandsversammlung) erforderlich“ seien. All dies stehe aber „einer Übernahme und dem Weiterbetrieb durch einen Investor nicht entgegen“, so Grünewald.
„ProTherme“ taxiert Wert der Therme auf 27 Millionen Euro
„ProTherme“ bohrt auch beim Wertgutachten nach, das der Zweckverband in Auftrag gab. Dieses „ist überfällig“, sagt der Sprecher. Bei der außerordentlichen Bürgerversammlung im November 2024 habe der Bürgermeister die Expertise schon angesprochen. „Aber sie liegt bis heute nicht vor.“
Die Gruppe um Schäfer hat bei ihrem Treffen selbst eine Wertanalyse vorgenommen. „Zwei unabhängige Experten waren da“, so der Sprecher. Nach ihren Angaben hätten Kaiser-Therme und Tiefgarage einen Wert von 27,3 Millionen Euro. „Nicht eingerechnet sind die Grundstücke im Umfeld.“
„ProTherme“ fordert „die Rücknahme aller Beschlüsse und mehr Transparenz.“ Die Kaiser-Therme sei mit Steuermitteln erbaut worden, wird hinzugesetzt. „Einen seriösen Investor wird es nicht geben“, prophezeit die Aktionsgruppe.