Der Chef der Raiba Kelheim geht – und spricht offen über den frühen Tod seiner Frau

Von Martin Rutrecht · 23. Oktober 2025 um 19:00

Mit den Mitarbeitern ist er per „Du“, zu Kunden fährt er auch selbst raus: Christoph Schweiger passt nicht ins Bild des schnieken Bankers. Ende des Jahres tritt der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Kreis Kelheim ab. Als er begann, wurden Bankgeschäfte noch beim Wirt besiegelt. Offen spricht er über den frühen Tod seiner Frau.

„Bin gegenüber.“ Diese Worte prangten vor Jahrzehnten mitunter an der Tür der Raiba in Gundelshausen. „Wenn ein Bauer seine Banksachen erledigt hatte, lud er beim Wirt gegenüber zur Brotzeit ein“, erzählt Schweiger, der damals als Banker anfing. „Natürlich durfte ich keinen Alkohol trinken.“ Zuvor konnte es sein, dass er eben noch Futtermittel oder Dünger ausgegeben hatte. Eine Raiffeisenbank war stets verbunden mit einem Lagerhaus.

Heute wäre das undenkbar. Ebenso wenig, dass ein junger Angestellter nach Dienstschluss einem Kunden aus dem Lagerhaus „sechs Sackel Zement vorbei bringt“. Und mit dem Auto wurden schon mal „100.000 bis 200.000 Mark von der Zentralkasse abgeholt. Heute geht ohne Geldtransporter gar nichts.“ Es war eine andere Zeit, als der heute 64-jährige Essinger vor 47 Jahren im Geldinstitut begann, in der Raiffeisenbank Viehhausen-Kapfelberg.

Schreiner war der andere Berufswunsch

Schreiner oder Bankkaufmann lauteten die Berufsziele des Einzelkindes. „Mein Vater war Schreiner, da lag das nahe.“ Die andere Prägung gab ihm der Opa mit, der als Posthalter und Rechner der Raiba Essing den Zahlen zugetan war. Es wurde die kaufmännische Ausbildung, noch in einfachen Schalterräumen mit Vollverglasung. Danach zweigte Schweiger aber ab zur Bundeswehr. „Ich war Rechnungsführer bei der Stabskompanie Panzerbrigade 24 in Landshut.“

Vier Jahre hielt es ihn dort, ehe er 1985 zur Raiffeisenbank zurückkehrte, diesmal in die eigenständige Raiba Bad Abbach-Saal. „Später gab es Fusionen, zuletzt mit Riedenburg-Lobsing.“ Der Essinger, 2000 aufgestiegen zum Leiter der Kreditabteilung und seit 2010 Mitglied im zweiköpfigen Vorstand, gestaltete die Schritte wesentlich mit.

Hunderttausende D-Mark fuhr Schweiger im Auto nach dem Abholen in der Zentralkasse in Filialen. - Foto: Bernd Wüstneck/dpa

„Die Raiffeisenbank Kreis Kelheim hat heute rund 70.000 Kunden. Eine Fusion über die Region hinaus ist kein Thema“, stellt der Vorstandsvorsitzende klar. Zum obersten Raiba-Chef im Landkreis wurde er Anfang 2023. „Aber jeder im Vorstand hat eine gleichberechtigte Stimme.“

Die Rückkehr in 1985 war auch der Beginn seines privaten Glücks. Seine zukünftige Frau kannte er schon, beim Tanz in den 1. Mai wurden sie ein Paar. „Ich hab' sie mit einem 320er-BMW abgeholt, den ich mir vom Entlassungsgeld bei der Bundeswehr geleistet hatte“, erzählt er. Drei Kinder bekamen die Schweigers, zwei Söhne und eine Tochter, mittlerweile zwischen 28 und 35 Jahre alt.

Trotz Behandlung wussten wir, dass unsere Zeit nun begrenzt ist.Christoph Schweiger

An einem 1. Mai endete die Ehe auch – durch den frühen Tod der Frau. „Das ist fünf Jahre her, sie war erst 54.“ Knapp zwei Jahre zuvor erhielt sie eine Krebsdiagnose. „Trotz Behandlung wussten wir, dass unsere Zeit nun begrenzt ist“, sagt Schweiger. „Noch bewusster, positiver und intensiver“ habe man von da an gelebt. „Dann musste sie gehen, sie ist daheim eingeschlafen.“ Er werde seine Brigitte nie vergessen. Inzwischen hat der 64-Jährige wieder eine Partnerin.

Beim Race24 und in der Altmühl

Bewusst zu leben, ist ihm weiterhin wichtig. „Ich fahre gerne mit dem Rennrad oder hüpfe in der Früh in die Altmühl.“ Beim Race24 startete er und wollte auch ein eigenes Familienteam aufstellen. Bei drei Enkelkindern – „Nummer vier ist unterwegs“ – werde ihm im Ruhestand gewiss auch nicht langweilig. Und wie früher bei der Caritas möchte er sich ehrenamtlich einbringen. Auch Gemeinde- und Kreisrat ist Schweiger. „Fehlen werden mir die Kunden und die Kollegen.“

„Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, begründet er seinen Abschied. Die Nachfolgeregelung sei getroffen, werde aber erst später nach außen kommuniziert. Sein Beruf habe ihm „immer gefallen. Es gab früher gute Dinge im Bankenwesen, ebenso wie heute.“ Ein Thema wurmt den hemdsärmeligen Banker aber: die Überregulierung. „Ein Kreditvertrag wurde auf zwei Seiten festgehalten. Heute ist es nicht anders – aber es hängt ein 25 bis 30 Seiten langes Zusatzpamphlet dran, das keiner will.“

Als Schütze ist Schweiger mittlerweile 50 Jahre aktiv. - Foto: Josef Eder

Der Rückgang an Filialen sei dem Online-Banking geschuldelt. Ein Leben ohne Bargeld, nur mit digitaler Währung, ist für ihn „nicht vorstellbar“. „Wir werden auch immer präsent bleiben mit Geschäftsstellen und fahren zu den Leuten.“ Er selbst rede gerne mit Kunden, auch bei heiklen Themen wie Gebührenerhöhungen.

„Ab 1. Januar bin ich daheim – die werden sich freuen“, lacht Christoph Schweiger. Er werde weiterhin frühzeitig aufstehen und den Tag nicht verschlafen. Im Januar geht er mit seiner Lebensgefährtin auf Indien-Reise. Der Bankaufmann ist dann mal weg.

Der Meisterschütze

Vorbilder: Seit vielen Jahren ist Schweiger am Schießstand aktiv. „Mein Vater und mein Opa waren Schützen.“ Mit 15 Jahren bekam er sein erstes Luftgewehr, „die Mama hat geschimpft“, schmunzelt er. Für die Klause Essing tritt er nach wie vor an.

Nationalteam: Relativ spät, mit 33, wurde er in die deutsche Nationalauswahl berufen. Sechs Jahre hielt er sich als reiner Amateur dort, startete unter anderem bei Europameisterschaften. „Aufgelegt schieße ich erst, wenn’s nicht mehr anders geht.“